Ein offenes Ohr für das Spiel mit der Sprache

Dialekt-Coach Susi Stach hat Daniel Brühl geholfen, wie Niki Lauda zu klingen. Für die Landkrimi-Reihe brachte sie zwei Steirern Kärntnerisch bei.

Für den Landkrimi „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ wurden die Steirer Gerhard Liebmann und Simon Hatzl zu Kärntnern umgemodelt.
© ORF

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Vier Jahre ist’s her, da verbrachte Susi Stach eine Woche in Daniel Brühls Hotelzimmer in Wien – sie hing an seinen Lippen, er an ihren. Kurz darauf weinte Niki Lauda. Was Sprache so alles möglich macht …

Aber der Reihe nach: Susi Stach ist Dialekt-Coach, seit zehn Jahren hilft sie Schauspielern dabei, sich Akzente und Dialekte anzueignen, über die sie sonst stolpern würden. Im Falle Brühl war die Ausgangslage denkbar schwierig: Für Ron Howards Rennfahrer-Film „Rush“ sollte der gebürtige Deutsche schließlich wie Niki Lauda klingen. Und wie Niki Lauda klang bis dahin nur Niki Lauda. Nach dem Intensiv-Coaching – der Drehplan gab nicht mehr Zeit her – hätte Brühl dann problemlos Formel-1-Kommentare aus dem Off geben können. Und zwar auch auf Lauda-Englisch. Mission geglückt, Authentizität gewahrt. Stach erinnert sich im TT-Gespräch: „Für das Coaching hab’ ich Tonaufnahmen aus den 1970er-Jahren ausgegraben, weil da Laudas Sprache noch schärfer als heute war. Dass sich Daniel den Akzent in so kurzer Zeit aneignen könnte, ist aber die totale Ausnahme – normalerweise dauert das mindestens einen Monat.“ Sagt’s und berichtet von der Reaktion des lebenden Originals: „Bei den ersten Screenings soll Niki Lauda vor Rührung geweint haben.“ Mehr Lob geht nicht.

Auch bei den ORF-Landkrimis, die ab Donnerstag Tirol, Salzburg, Südtirol und Wien abgrasen (siehe Kurzkritiken), war Stach als Dialekt-Coach im Einsatz. So half sie den Steirer Schauspielern Gerhard Liebmann und Simon Hatzl dabei, für die im Vorjahr ausgestrahlte Folge „Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist“ wie waschechte Kärntner zu klingen. Stachs Methode fußte auf einem akademischen Unterbau: Beim Coaching half ihr nämlich ein studierter Dialektforscher, der genau wusste, welcher Vokal im Kärntnerischen wohin wandert und wann ein Konsonant weich oder hart ausgesprochen werden muss. Auch hier konnte sich das Ergebnis hören lassen, wie Stach erzählt. „Die Resonanz war sehr positiv: Dass hier zwei Steirer Kärntnerisch reden, haben die meisten nicht herausgehört.“

Aber welchen Dialekt hält Stach nun für den tückischsten? Die Antwort folgt auf dem Fuß: „Eindeutig das Vorarlbergische: Hier kann man nicht 100-prozentig authentisch bleiben, weil sonst kaum jemand was verstehen würde.“ Auch auf ihren Lieblings-Dialekt angesprochen muss die Wienerin nicht lange fackeln. „Natürlich mein eigener“, lacht die alteingesessene Ottakringerin – und schwärmt von den Vorzügen des Wienerischen, in dessen Genuss vor zwei Jahren auch Dame Helen Mirren kam. Für Simon Curti­s’ Drama „Die Frau in Gold“, in dem Mirren Klimt-Erbin Maria Altmann verkörperte, durfte Stach intensiv mit der Oscar-Preisträgerin zusammenarbeiten – um deren Britis­h English das notwendige Austro-Oizerl zu verleihen.

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Für den Alpen-Western „Das finstere Tal“ erarbeitete sie mit Regisseur Andreas Prochaska und einer Innsbrucker Dialektforscherin dann gleich eine eigene Sprache – ein etwas verstaubt anmutendes Älplerisch, das nicht nur bei Tobias Moretti, sondern auch bei der norddeutschen Hauptdarstellerin Paula Beer authentisch klang. Heißt das, dass Schauspieler jeden fremden Akzent erlernen können? „Ja: Schließlich müssen sie sich ja ,nur‘ ihren Text in dieser fremden Sprache aneignen“, sagt Stach. Bei den neuen Landkrimis bekommt man dann auch so manchen Dialekt-Überläufer zu hören: Unter anderem wird Urwiener Robert Palfrader zum Südtiroler. Ma dai …


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