BP-Wahl - Der zweite Stichwahlkampf von A bis Z

Wien (APA) - A wie Anfechtung: Der Verfassungsgerichtshof lässt auf Antrag der FPÖ die Stichwahl vom 22. Mai aufheben und wiederholen - Öste...

Wien (APA) - A wie Anfechtung: Der Verfassungsgerichtshof lässt auf Antrag der FPÖ die Stichwahl vom 22. Mai aufheben und wiederholen - Österreich ist deshalb seit 8. Juli ohne Bundespräsident.

B wie Bürgerkrieg: Die Zuwanderung mache einen solchen mittelfristig „nicht unwahrscheinlich“, wirft Norbert Hofers Wahlhelfer Heinz-Christian Strache in die Runde - und die Aufregung ist perfekt.

C wie Chancen: Sind wohl für beide Kandidaten ziemlich gleich hoch - zumindest, wenn man sich die Umfragen ansieht, die eben nicht viel zur Klarheit beitragen. Im viel zitierten „Kopf-an-Kopf-Rennen“ liegen die Kandidaten abwechselnd mit geringerem Abstand innerhalb der statistischen Schwankungsbreite vorne.

D wie Dirty Campaigning: Der haltlose blaue Vorwurf, Alexander Van der Bellens Vater sei ein Nazi gewesen, fällt wohl ebenso in die Kategorie Dreckschleuder wie das Vorhalten der Spionage für den ehemaligen DDR-Geheimdienst. Auf der anderen Seite wurden in der gegen Hofer gerichteten Anti-Öxit-Kampagne von Hans-Peter Haselsteiner Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg verwendet.

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E wie Establishment: Die Inszenierung gegen die „Eliten“ - gemeint sind Van der Bellen und seine (prominenten) Unterstützer auch aus SPÖ- und ÖVP-Kreisen - ist ein Kernelement der blauen Kampagne.

F wie Flüchtlingskrise: Dauerbrenner nicht nur im innenpolitischen Alltag, sondern auch speziell im Hofburg-Wahlkampf.

G wie Gott: Hofers Plakatzusatz „So wahr mir Gott helfe“ erzürnt die Kirche und wird so ebenfalls ein blauer Aufmerksamkeitsschlager ganz nach dem Geschmack von Wahlkampfleiter Herbert Kickl.

H wie Holocaust-Überlebende: Die 89-jährige Gertrude warnt vor der Wahlkampf-Rhetorik der FPÖ und ergreift das Wort für den Ex-Grünen-Chef - mit über 3,2 Mio. Klicks wird das Video zum viralen Hit.

I wie „I am from Austria“: Der Wahlkampf macht Van der Bellen plötzlich zum Trachtenjanker-Träger, als Gipfel der Heimat-Inszenierung spendet Rainhard Fendrich seine Hymne.

J wie „Jessy“: War es zuerst nur ein Kater, der „glaubt, er ist ein Hund“, legt sich Hofer im Sommer noch einen echten Bello namens „Jessy“ für idyllische Familienfotos zu. Van der Bellens Hund „Chico“ hat sogar in der ersten Plakatserie einen großen Auftritt.

K wie Kleber: Weil der Kleister auf den Wahlkarten nicht richtig pickt, sieht sich Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) im September gezwungen, die nächste Hiobsbotschaft zu verbreiten - die Stichwahl wird nicht Anfang Oktober wiederholt, sondern doch erst Anfang Dezember.

L wie Lunge, herrliche: Dank der kursierenden Krebs- und Demenzgerüchte weiß das Volk jetzt auch, dass der bekennende Raucher Van der Bellen laut seinem Arzt nicht nur pumperlg‘sund ist, sondern eine geradezu „herrliche Lunge“ hat.

M wie Massenmail: So mancher Auslandsösterreicher fühlt sich von der Post des FPÖ-Kandidaten belästigt, auch die Fernmeldebehörde findet die Aktion nicht so witzig und ermittelt wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz.

N wie NLP: Die Verwendung dieser Rhetorik-Methode durch Norbert Hofer wurde in diesem Wahlkampf so heftig diskutiert wie seit den 1990ern nicht mehr.

O wie Öxit: Van der Bellen warnt bei jeder Gelegenheit vor der EU-Skepsis der FPÖ - mit dem Slogan „Nein zum Öxit“ auch auf seinen Plakaten.

P wie Predigt: Auch die Kirche wurde in den Wahlkampf hineingezogen - neben Hofers Plakatzusatz „So wahr mir Gott helfe“ sorgen Wahlempfehlungen und Verunglimpfungen von Pfarrern in die eine oder andere Richtung für Stoßgebete der Kirchenführung.

Q wie Quoten: Die Fernsehduelle haben mittlerweile Seriencharakter, kommen beim Publikum aber auch in Staffel 3 noch an, auch wenn das Interesse merkbar zurückging. Beim Privatsender Puls 4 waren bis zu 475.000 Zuseher dabei, beim diesmal moderierten Duell auf ATV bis zu 302.000 Zuseher. Die finale TV-Konfrontation im ORF sahen bis zu 1,011 Millionen Österreicher.

R wie Regierungsentlassung: Hofer kann die Frage nicht mehr hören, wiewohl er freilich selbst für die Unklarheiten gesorgt hat. Obwohl zwischenzeitlich relativiert, hält er im Fall des Falles an seiner Drohung fest.

S wie Social Media: Auffallend intensiv läuft das Match im Internet, wobei es vor allem auf Facebook ziemlich asozial zugeht. Die jeweiligen Fans beider Kandidaten bleiben sich in hochemotionalen und abwertenden Postings und Kommentaren so gut wie nichts schuldig.

T wie Trump: Van der Bellen nimmt den US-Wahlsieg des Populisten Donald Trump zum Anlass, um vor Hofer zu warnen. Hofer will zwar kein Trump-Fan sein, hofft aber auf bessere Beziehungen der Supermächte USA und Russland. Zumindest die vehemente heimische Wahlkampf-Debatte über das EU-US-Handelsabkommen TTIP kann man sich nun offenbar vorerst wieder sparen.

U wie Unwahrheit: Häufig strapazierter Begriff in den Fernsehduellen, kommt dann und wann zur Erweiterung des Wortschatzes auch als „Lüge“ daher.

V wie Verbindung: Hofer ist treues Mitglied der umstrittenen Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld, was Van der Bellen auskostet. Der darf sich dafür anhören, Freimaurer gewesen zu sein.

W wie Wahlempfehlung: Unterschiedliche „persönliche Präferenzen“ für die Kandidaten lassen es zwischen den führenden Reinholden in der Nicht-“Freundschaftsgruppe“ ÖVP krachen.

X wie X am Wahlzettel: Stimmberechtigt sind am Sonntag 6,399.572 Österreicher (3,309.645 Frauen, 3,089.927 Männer), das sind etwas mehr als bei den vorigen Wahlgängen. Angesichts des langen Zeitraumes wurden die Wählerverzeichnisse nämlich ausnahmsweise aktualisiert.

Y wie Youtube: Videos sind aus dem Wahlkampf nicht mehr wegzudenken. Van der Bellen bespielt einen eigenen Youtube-Kanal, Hofer greift vor allem auf die Accounts „FPÖ TV“ oder „Oesterreichzuerst“ zurück.

Z wie Zeit wird‘s: Nach rund elf Monaten heißt es nun (hoffentlich wirklich) Abschied nehmen vom Dauerwahlkampf.


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