Die Geschichte von Bilal

Der Asylwerber, der zum Projektkoordinator wurde – ein Beispiel für gelungene Integration.

© Rotes Kreuz Tirol

Innsbruck –Der Wecker von Bilal läutet täglich um sieben Uhr morgens. Aufstehen, ein schneller Kaffee. Los geht’s. Zur Arbeit oder auf die Uni. Ein ganz normaler Tagesablauf. Kennt man Bilals Geschichte, ist diese Routine alles andere als gewöhnlich: Im April 2015 ist er nach langer und beschwerlicher Flucht vom Kriegsgebiet in Syrien über die Türkei nach Österreich gekommen, wo er Asyl beantragte. Erst in Traiskirchen, dann kam er ins Flüchtlingsheim Götzens. Nach einiger Zeit begegnete er dort Andrea Kuen, einer freiwilligen Deutschtrainerin. „Mir ist Bilal sofort aufgefallen. Neben seiner Muttersprache Arabisch sprach er exzellent Englisch. Außerdem war er auch in der Deutschlerngruppe super motiviert und machte schnelle Fortschritte“, erinnert sie sich. Im Gespräch erfuhr sie, dass Bilal schon in Syrien beim Roten Halbmond – in vorwiegend arabischen Ländern wird dieser als Schutzzeichen statt des roten Kreuzes verwendet – als Freiwilliger tätig war. „Sobald ich den Asylantrag in Österreich gestellt hatte, war für mich klar, dass ich mich wieder beim Roten Kreuz engagieren will“, erzählt Bilal.

Über den Kontakt mit Doris Olumba, einer hauptamtlichen Mitarbeiterin im Projekt „FamilienTreffen“ des Roten Kreuzes Tirol, wurde Bilal als Freiwilliger dort aufgenommen. In diesem Projekt werden Menschen, die über die Familienzusammenführung nach Österreich gekommen sind, bei ihrem Start begleitet. Bilal unterstützte das „FamilienTreffen“ mit seinen Sprachkenntnissen, als Berater zu kulturellen und religiösen Fragen und auch in der Dokumentation, da er eine universitäre Ausbildung im IT-Bereich mitbrachte. Als aufgrund der erhöhten Flüchtlingszahlen zusätzliche Spendenmittel zur Verfügung standen, arbeitete Doris mit Bilal neue Konzepte für zwei Projekte aus. In einem bietet man Schulungen in den Muttersprachen der Teilnehmer – also in Arabisch, Somali oder Dari/Farsi (den Sprachen aus Afghanistan) an. In einem zweiten Projekt bringt man Schulkinder mit Menschen mit Fluchtgeschichte zusammen, um Ängste und Vorurteile abzubauen. Durch sein hohes Engagement ist Bilal nun in beiden Projekten hauptamtlich als Koordinator tätig. Nebenher absolviert er am MCI das Masterstudium „Management, Communication & IT“. „Ganz normal sind diese Tage für mich noch immer nicht“, meint Bilal. „Ich bin jeden Tag froh darüber, dass mein Wecker läutet und ich in einem Land wie Österreich aufstehen darf.“ Informationen zu den Projekten unter www.roteskreuz-tirol.at. (TT)


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