Trügerische Ruhe an der Tiroler Pleitefront

Die Zahl der Firmenpleiten in Tirol sank seit 2006 massiv. Mini-Zinsen halten aber laut KSV noch viele Firmen am Leben, die schon wanken.

(Symbolfoto)
© Keystone

Von Max Strozzi

Innsbruck –Seit Jahren sinkt in Tirol die Zahl der Firmenpleiten. 2015 wurden in Tirol laut Zahlen des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) so wenige Pleiten verzeichnet wie schon lange nicht mehr, noch 2006 waren mehr als doppelt so viele Unternehmen in die Insolvenz geschlittert wie 2015. Und auch heuer sieht es laut Tirols KSV-Chef Klaus Schaller „nicht nach einer wahnsinnig relevanten Steigerung der Insolvenzzahlen aus“. Im Moment verzeichne man nur Klein- und Kleinst­insolvenzen. „Derzeit ist die Lage in Tirol sehr ruhig, weil die Zinsen ganz weit unten sind“, schildert Schaller.

Was auf den ersten Blick erfreulich klingt, müsse für die Wirtschaft nicht unbedingt ein positives Zeichen sein. „Zu einem gesunden Wirtschaftskreislauf gehört auch das Scheitern. Derzeit allerdings kommt es zu keiner Marktbereinigung“, sagt Schaller Auch Banken hätten besonderes Interesse, wankende Unternehmen zu unterstützen und würden gegengesteuern, sobald sie Fehlentwicklungen in Unternehmen erkennen, meint Schaller.

Ablesbar ist die Insolvenz-Entwicklung der vergangenen Jahre auch an der Insolvenzquote – also am Verhältnis der Firmenpleiten im Verhältnis zur Anzahl der bei der Wirtschaftskammer Tirol registrierten Unternehmen. Demnach schlitterten 2006 noch 1,7 % der Tiroler Firmen in die Insolvenz, 2015 waren es nur 0,6 %, rechnet der KSV vor. Das könnte sich rasch ändern. „Im Moment haben wir in Tirol Unternehmen, die kaum profitabel sind, sich aber durch das niedrige Zinsniveau gerade noch so über Wasser halten“, sagt Schaller. „Sollten die Zinsen um den einen oder anderen Basispunkt steigen, fürchte ich, dass diese Firmen massive Probleme bekommen.“


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