Mafia-Prozess - Zeuge soll „Schweigegeld“-Angebot bekommen haben

Wien (APA) - Mit der weiteren Befragung des Hauptbelastungszeugen ist am Freitag im Wiener Landesgericht der Prozess gegen eine mutmaßliche ...

Wien (APA) - Mit der weiteren Befragung des Hauptbelastungszeugen ist am Freitag im Wiener Landesgericht der Prozess gegen eine mutmaßliche Mafia-Bande fortgesetzt worden, die Schutzgeld-Erpressungen und zahlreiche andere Straftaten begangen haben soll. Der 38-jährige Serbe erzählte dem Schöffensenat, ihm sei von einer Kanzlei-Mitarbeiterin seiner ehemaligen Anwältin „Schweigegeld“ angeboten worden.

Der Zeuge wurde im vergangenen August in einem separat geführten Verfahren zu drei Jahren teilbedingter Haft verurteilt, weil er unter anderem an fortgesetzten Gewalthandlungen der angeblichen Bande um Edin D. alias „Edo“ mitgewirkt haben soll. Er kooperierte dann jedoch mit dem Bundeskriminalamt, und seine Aussagen führten dazu, dass „Edo“ und sechs Mitangeklagte - darunter drei Tschetschenen - festgenommen werden konnten.

Vor der Verhandlung gegen die Bande hätten ihn eines Tages seine damalige Anwältin und ihre Assistentin im Gefängnis besucht, berichtete der Zeuge: „Die Assistentin hat gesagt, wir können von Edo 100.000 Euro bekommen.“ Mit den Worten „Auf keinen Fall, kommt nicht infrage, weil ich mit der Polizei zusammenarbeite“ habe er sie abgewiesen und der Anwältin umgehend die Vollmacht gekündigt. Er lasse sich sein Schweigen „nicht einmal für eine Million Euro“ abkaufen, betonte der 38-Jährige im Zeugenstand.

Der Darstellung des Mannes zufolge soll die Mitarbeiterin der Rechtsanwältin den Eindruck erweckt haben, „dass sie auch einen Teil davon haben wollte“. Sie habe ihm geraten „Nimm die Kohle, alles andere soll dir egal sein“. Die Anwältin sei bei dem Gespräch, das auf Serbisch geführt wurde, dabeigestanden, habe sich - vermutlich aufgrund der Sprachbarriere - aber zurückgehalten. Der Zeuge behauptete allerdings: „Sie hat schon gewusst, worum es geht.“

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Wie der Mann weiter ausführte, der erneut unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen vernommen wurde, soll er nach seiner Inhaftierung in der Justizanstalt Wien-Josefstadt bedroht worden sein, und zwar von mehreren Angeklagten direkt. Im März 2016 sei er zunächst einem Tschetschenen begegnet, der in einer Zelle im selben Stockwerk untergebracht war. Dieser habe ihm „Du wirst schon sehen, was mit dir passieren wird“ zugeflüstert. Wenig später wären ihm zwei Bosnier über den Weg gelaufen, die ihn mit den Worten „Warum hast du alles der Polizei erzählen müssen? Du bist ein toter Mann!“ bzw. „Du wirst schon sehen, was dir und deiner Familie passieren wird“ bedroht hätten.

Die betreffenden Angeklagten stritten diese angeblichen Einschüchterungsversuche vehement in Abrede. Ihre Verteidiger Christian Werner, Nikolaus Rast und Alexander Philipp machten deutlich, dass sie die Angaben des Zeugen für unglaubwürdig halten, weil ihre Mandanten sich in der Justizanstalt nicht frei bewegen durften und stets von zwei Justizwachebeamten begleitet wurden. „Es ist unmöglich, dass mein Mandant einfach so auf einem Bankerl am Gang sitzt, wie der Zeuge behauptet. Ohne dass da irgendwo eine Justizwache in der Nähe ist“, sagte Philipp.

Nachdem er auf seinen Wunsch in ein Gefängnis außerhalb von Wien verlegt wurde, soll der Hauptbelastungszeuge dort im August bzw. September von einem Tschetschenen bedroht worden sein, gegen den deswegen inzwischen auch ein Strafverfahren geführt wird. „Er hat mir gedroht, weil ich seine Freunde ins Gefängnis gebracht habe“, gab der 38-Jährige zu Protokoll. Es sei die Rede davon gewesen, „dass man mich für 200.000 Euro umbringen soll, falls ich als Zeuge aussage“.

Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.


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