Anleger in Frankfurt gehen vor Politkrimi-Wochenende in Deckung

Frankfurt am Main/Wien/Rom (APA/dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt ist es vor einem ereignisreichen Wochenende erneut bergab gegangen. Am F...

Frankfurt am Main/Wien/Rom (APA/dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt ist es vor einem ereignisreichen Wochenende erneut bergab gegangen. Am Freitagnachmittag notierte der Dax 0,80 Prozent tiefer bei 10.449,65 Punkten. Auf Wochensicht zeichnet sich damit ein Minus von mehr als zwei Prozent ab. Das Börsenstatistik-Magazin Index-Radar sprach von einer „Erdbebenwarnung am Markt“ und einem anhaltenden Verkaufsdruck.

Am Sonntag stehen mit dem Verfassungsreferendum in Italien und der österreichischen Bundespräsidentenwahl wichtige politische Ereignisse auf der Agenda, die seit Tagen für Zurückhaltung bei den Anlegern sorgen. Es geht die Sorge um, dass Euro-Skeptiker durch beide Abstimmungen Auftrieb erhalten. Der aktuelle US-Arbeitsmarktbericht hatte indes keinen erkennbaren Einfluss auf den Markt.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen verlor zuletzt 0,74 Prozent auf 20.491,09 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 1,04 Prozent auf 1.678,00 Punkte zurück. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ein Minus von 1,12 Prozent auf 2.997,12 Punkte zu Buche.

Bei Autoaktien sorgten teils enttäuschende US-Verkaufszahlen für Kursverluste: Die Papiere von BMW und VW verloren jeweils gut 1 Prozent. Besser hielten sich Daimler-Aktien mit einem Kursminus von 0,32 Prozent.

Software-Titel gerieten nach einem negativ aufgenommenen Ausblick des US-Branchenvertreters Workday unter Druck: Während SAP um 1,57 Prozent absackten, büßten die Aktien der Software AG im TecDax 1,41 Prozent ein.

Die Aktien des Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor sackten am TecDax-Ende um 5,21 Prozent ab, was ein Börsianer mit einem negativen Bericht zur Nachfrage nach dem neuen iPhone begründete. Dialog erzielt nach Analystenschätzungen rund 80 Prozent seines Umsatz mit dem iPhone-Hersteller Apple.

SLM Solutions büßten 3,93 Prozent ein, nachdem der Hersteller von 3D-Druckern seinen Ausblick gesenkt hatte. Zuvor war die Übernahme durch den US-Konzern General Electric gescheitert.

Auch beim Spezialmaschinenbauer Aixtron ging es bergab. Kreisen zufolge will US-Präsident Barack Obama den geplanten Kauf durch den chinesischen Investor Grand Chip Investment mit einem Veto blockieren. Das käme zwar nicht überraschend, wäre aber „der letzte Sargnagel für die Übernahme“, kommentierte ein Händler. Den Chinesen zum Kauf angediente Aixtron-Titel fielen um 3,85 Prozent; die im TecDax gelisteten, regulären Aixtron-Aktien verloren 3,42 Prozent.

Compugroup-Papiere gehörten hingegen dank aufgegebener Übernahmepläne mit plus 0,90 Prozent zu den wenigen Gewinnern. Der auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierte Software-Anbieter hatte vor gut einem Monat sein Interesse am belgischen IT- und Gesundheitsunternehmen Agfa-Gevaert geäußert. Nun wurden die Gespräche für beendet erklärt.


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