Auslandsgeschäft treibt deutsche Autobauer an

Berlin (APA/dpa/Reuters) - Die deutsche Autoindustrie hat trotz des Abgas-Skandals heuer gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz der Hersteller e...

Berlin (APA/dpa/Reuters) - Die deutsche Autoindustrie hat trotz des Abgas-Skandals heuer gute Geschäfte gemacht. Der Umsatz der Hersteller erhöhte sich in den ersten neun Monaten um zwei Prozent auf 306 Mrd. Euro, die Beschäftigung in der Branche liegt mit rund 815.000 Mitarbeitern auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren.

„Das Vertrauen in unsere Produkte ist größer, als alle Kritiker glauben“, sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Freitag in Berlin. Wissmann verteidigte die deutschen Dieselautos gegen Kritik. Zugleich erwartet er ab 2017 eine steil steigende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Für das kommende Jahr rechnet die Branche mit einem Wachstum vor allem in der Auslandsproduktion.

China dürfte erneut ein Treiber sein - mit einem prognostizierten Plus von 5 Prozent auf 24,2 Millionen Pkw nach „überraschend starken“ 15 Prozent Anstieg in diesem Jahr. Weltweit werden 2016 voraussichtlich 81,6 Millionen Autos (plus 4 Prozent) verkauft. 2017 sollen nochmals gut 2 Prozent hinzukommen auf dann 83,6 Millionen.

Forderungen nach einem Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab dem Jahr 2030 nannte Wissmann „völlig verkehrt“: „Wir können uns nicht aus einer Antriebsart einfach verabschieden. Der Verbrenner wird noch mehrere Dekaden eine große Rolle spielen.“

Die illegalen Manipulationen „in einem unserer Mitgliedsunternehmen“ - gemeint ist die Abgas-Affäre bei Volkswagen - hätten viel Vertrauen gekostet, räumte der Verbandschef ein. Tatsächlich würden aber moderne Dieselautos der Euro-6-Norm benötigt, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dieselfahrzeuge verbrauchten weniger Kraftstoff als Benziner, ihr Kohlendioxid-Ausstoß sei um 15 Prozent geringer. Mit Hilfe der SCR-Technik werde auch weniger Stickoxid ausgestoßen.

Die Nachfrage nach Dieselkraftstoff ist in diesem Jahr bis zum September deutlich gestiegen - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,8 Prozent auf 28,8 Millionen Tonnen, wie aus der Statistik des Mineralölwirtschaftsverbands hervorgeht. Bei allen Benzinsorten zusammen nahm der Absatz lediglich um 0,6 Prozent zu.

Die gute Konjunktur habe zu mehr Lastwagenverkehr und damit höherer Diesel-Nachfrage geführt, hieß es. Zudem wüchsen die Zahl und der Anteil von Diesel-Pkw am Gesamtbestand in Deutschland noch immer.

Die deutsche Automobilindustrie setzt darauf, dass Elektroautos im kommenden Jahrzehnt alltagstauglich sind und massenweise gekauft werden. „Wir schätzen, dass im Jahr 2025 etwa 15 bis 25 Prozent der Neuzulassungen elektrisch unterwegs sein werden“, sagte Wissmann. Davon geht auch Daimler aus: Vorstandschef Dieter Zetsche rechnet damit, „dass wir in zehn Jahren 20 Prozent unserer Fahrzeuge mit Elektroantrieb anbieten werden“, wie er dem „Handelsblatt“ sagte. Volkswagen hat angekündigt, in den nächsten Jahren 30 neue Elektroautos auf den Markt zu bringen, etwa ein Viertel des Absatzes.

Auch BMW will die Entwicklung von E-Mobilen kräftig anschieben. Der langjährige Weltmarktführer Toyota, der mit dem Prius als Erfinder des Hybrid-Antriebs gilt, will künftig stärker auf Elektroautos setzen. Der französische Konkurrent Renault bietet zusammen mit seinem japanischen Partner Nissan bereits mehrere batteriebetriebene Fahrzeuge an. „Die Zahl der Modelle steigt, ab der kommenden Dekade erreicht die Elektromobilität den Massenmarkt“, sagte Wissmann. Bis zum Jahr 2020 wollten die deutschen Autohersteller ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen - von derzeit 30 auf knapp 100. Bereits 2019 werde der Elektroantrieb in praktisch allen Baureihen vertreten sein. Dabei rechnet der VDA allerdings Hybridwagen, die einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit einem Elektroaggregat kombinieren, hinzu.

Um die noch zögernde Kundschaft vom Kauf eines Elektroautos zu überzeugen, haben BMW, Daimler, Ford und Volkswagen mit den Marken Audi und Porsche angekündigt, ein Netz an Ladestationen entlang der Hauptverkehrsachsen in Europa aufzuziehen. Denn trotz Kaufprämie gelten E-Mobile immer noch als vergleichsweise teuer. Zudem ist die Angst, mit leerer Batterie auf offener Strecke liegenzubleiben, noch groß. Deswegen liegt der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen bislang noch unter einem Prozent. Daher wird an neuen Batterietechnologien geforscht, um die Reichweite von E-Mobilen zu vergrößern. 500 Kilometer mit einer Batterieladung sollen in absehbarer Zeit Standard sein. Wissmann sagte, bis zum Jahr 2020 investiere die Branche mehr als 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe. Hinzu kommen in den kommenden Jahren bis zu 18 Milliarden an Investitionen in die Digitalisierung.

Zugleich hält die Branche am Verbrennungsmotor fest und will ihn weiterentwickeln, um den Schadstoffausstoß weiter zu senken. „Wir können uns nicht - wie manche außerhalb der Branche meinen - einfach aus einer Antriebsart verabschieden“, sagte Wissmann. Bei den Neuzulassungen dominieren nach wie vor Verbrennungsmotoren, wenn auch der Absatz an Dieselautos wegen der Abgaskrise sinkt. Ingesamt ist der Automarkt im Aufwind. Im November ließ der Schwung bei den Neuzulassungen in Deutschland zwar etwas nach. Dennoch rechnet der VDA für das Gesamtjahr mit dem Absatz von fast 3,4 Millionen Neuwagen. Das wären fünf Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit Beginn des Jahrzehnts. Im kommenden Jahr dürften 3,3, bis 3,4 Millionen Fahrzeuge zu den Kunden rollen, schätzt der VDA.


Kommentieren