Verlegenheitsrevue des Irr-Sinnigen: Setz-Dramatisierung im Werk X

Wien (APA) - Vor dem Stroboskop war man wenigstens gewarnt. Hinweisschilder vor Betreten der Dramatisierung von Clemens J. Setz Roman „Die S...

Wien (APA) - Vor dem Stroboskop war man wenigstens gewarnt. Hinweisschilder vor Betreten der Dramatisierung von Clemens J. Setz Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ im Werk X hätte man sich allerdings auch für so manchen anderen Baustein in dieser Revue der Verlegenheitseffekte gewünscht. Die gestern, Freitag, uraufgeführte Bühnenfassung steht zum Roman im Verhältnis eines lästigen User-Kommentars.

Thirza Bruncken und Esther Holland-Merten stellen sich der Mission, aus einem tausendseitigen, geradezu enzyklopädischen Roman über die Behindertenpflegerin Natalie, deren eigene Verrücktheiten jene ihrer Patienten sowohl übertreffen als auch von ihnen befeuert werden, ein Theaterstück zu machen. Und gehen mit der Logik eines Kunstbanausen heran, der vor einem abstrakten Gemälde behauptet: „Mein Kind kann das auch.“ Sind ja eh alle verrückt, also kann man genauso gut einfach irgendetwas machen und dann stellt der Sinn im Irr-Sinn sich automatisch ein. Falsch.

Eine gefühlte Stunde verbringt man damit, dem Stroboskop und lauter Clubmusik ausgesetzt, den fünf Darstellern beim Tanzen zuzusehen. Es werden auch Kleider getauscht, es wird grimassiert und gerangelt, gefaselt und das Gesagte durch möglichst widersprüchliche Körpersprache persifliert. Das ist minutenweise ganz witzig, aber dann dauert es immer noch eine Weile bis zum nächsten Regie-Manöver. Der Romantext wird dabei, mal in Satz-, mal in Szenenportionen, beschwörend herumgeschoben, als könne er Wunder vollbringen und dem nervösen Posieren Bedeutung einhauchen.

Mit dem Quintett aus Jeanne Devos, Marta Kizyma, Miriam Fussenegger, Mirco Reseg und Dominik Warta hat man ein hochkarätiges und überaus fähiges Schauspielerteam zusammen, dessen intelligentes Spiel aber im „Nonseq“-Gewitter - im Roman eine App für absurde Konversationen - gnadenlos verheizt oder durch das Stroboskop unkenntlich gemacht wird. Szenenapplaus für das Abschalten der Discobeleuchtung - Schlussapplaus für das Abschalten des Nonsens.

(S E R V I C E - „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, von Thirza Bruncken und Esther Holland-Merten nach dem Roman von Clemens J. Setz; Regie: Thirza Bruncken; mit Jeanne Devos, Marta Kizyma, Miriam Fussenegger, Mirco Reseg und Dominik Warta. Weitere Vorstellungen am 9. und 14.12. sowie am 11. und 12. 1. www.werk-x.at)


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