Festival „Dialoge“: Rihm mit Weltklasse-Ersatzleuten

Salzburg (APA) - „Grenze“ ist der Übertitel des Festivals „Dialoge“ der Stiftung Mozarteum. Und auch die Zeit, in der Ersatz gefunden werden...

Salzburg (APA) - „Grenze“ ist der Übertitel des Festivals „Dialoge“ der Stiftung Mozarteum. Und auch die Zeit, in der Ersatz gefunden werden musste für das Trio Pekka Kuusisto, James Boyd und Nicolas Altstaedt war grenzwertig kurz. Aber mit dem Minguet Quartett konnte im letzten Moment ein Top-Ensemble verpflichtet werden. Die beiden Streichquartette von Wolfgang Rihm jedenfalls waren Weltklasse.

Rhythmisch waren die Streicher aus Deutschland derart auf dem Punkt, dass diese scheinbar pulslose Musik des vierten Streichquartetts von Rihm aus dem Jahr 1980 und die österreichische Erstaufführung des einsätzigen Streicherstücks „Geste zu Vedova“ (2015) so etwas wie packende Energie zu entwickeln schienen. Auch in Sachen Klangfarben brachte dieses Ensemble auf den Punkt, wovon viele andere nur träumen können: Die Bögen von Ulrich Isfort, Annette Reisinger, Aroa Sorin und Matthias Diener wirkten wie von einer Hand geführt. Das erst brachte die kompositorische Struktur dieser Musik und damit ihren einzig tieferen Sinn zur Geltung.

So klar und eindeutig diese Rihm-Interpretationen den höchsten Respekt verdienen, so entschieden langweilig klang der Mozart des Minguet Quartetts. Nicht dass die Musiker irgendwelche technischen Probleme damit gehabt hätten. Nicht dass Tempi, Intonation oder das Zusammenspiel nicht gepasst hätten - aber das Klangbild des G-Dur Quartetts KV 387 wirkte zaghaft und halbherzig. Diese Musik füllte den Raum nicht, kein Ton kam über die Rampe, um sich in Klang zu verwandeln. Dies mag der fehlenden Zeit geschuldet sein, die den spontan angereisten Musikern zum Akklimatisieren blieb, oder an den Komponisten selbst, die eine gänzlich andere Annäherung und Haltung beim Musizieren erfordern: So oder so, Schwamm über diesen Mozart. Die beiden Rihm-Stücke allein hätten genügt.

Besonders deshalb, weil die „Dialoge“ in einem darauf folgenden Nachtkonzert zu einer „Nachtschwärmerei“ für Orgel und zur Auferstehung eines Toten luden. Erst gab der in Salzburg lebende Kirchenorganist Gordon Safari Wolfgang Rihms wuchtiges Solo, das wie geschrieben schien für die große Propter Homines Orgel im Großen Saal. Und dann trat Ferruccio Busoni auf.

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Der Komponist und Pianist Ferruccio Busoni (1886-1924) hat im Jahr 1908 Stücke von Franz Liszt eingespielt. Die sind von Marco Döttlinger auf einen Ceus-Flügel von Bösendorfer per Midi-Technik übertragen worden. Das Klavier wurde damit live angeschlagen, die Tasten bewegten sich wie von Zauberhand, die Akustik war jene des Konzertsaals gestern Nacht. Man traf Busoni, spürte seinen Geist und hatte seinen Spaß an dieser technischen Spielerei mit der Vergangenheit. Zumindest jenes Häuflein Fans, die bis gegen Mitternacht Lust an „Grenzen“ und „Dialogen“ in Musik verspürten.


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