Rosberg genießt Abschiedstour, Mercedes steht stark unter Druck

Nico Rosbergs Rücktritt bringt Mercedes unter enormen Zugzwang. Teamaufsichtsrat Niki Lauda erhält auf der Suche nach Mister X schon mal eine negative SMS.

Nico Rosberg mit Ehefrau Vivian.
© APA/AFP/JOE KLAMAR

Von Martin Moravec und Christian Hollmann, dpa

Wien - Seine Formel-1-Abschiedstournee kostet Nico Rosberg nochmal so richtig aus, unter Hochdruck muss Branchenprimus Mercedes nun einen Nachfolger für den Weltmeister finden. Nach dem völlig überraschenden Rücktritt des gebürtigen Wiesbadeners beginnt der darauf komplett unvorbereitete Rennstall die Suche nach einem neuen Teamkollegen für Lewis Hamilton bei Null. „Einen Ersatz für Rosberg zu finden, wird ein echtes Problem. Unsere Fahrerpaarung war die beste, die man haben kann“, sagte Teamaufsichtsrat Niki Lauda „Auto, Motor und Sport“.

„Riesiges Erbe“

Vier teils vergiftete Rosberg-Hamilton-Jahre bei den Silberpfeilen sind nun Geschichte. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff beginnt die Suche nach Mister X nach eigener Aussage am Montag. Aber schon in der Wiener Hofburg bei der Saisonabschlussgala des Motorsportweltverbands FIA wurde eifrig über den Neuen spekuliert.

„Er hinterlässt ein riesiges Erbe“, würdigte Wolff indes die Leistung Rosbergs und lobte seinen mutigen Entschluss. „Irgendwie bewundern wir das alle, als Bester und auf dem Gipfel zurückzutreten.“ Wolff weiß aber selbst, dass die Nachfolgersuche kompliziert wird. Alle Top-Piloten wie Sebastian Vettel und Fernando Alonso stehen längst für 2017 bei anderen Teams fest unter Vertrag. Ein naheliegende Lösung wäre daher Mercedes-Zögling Pascal Wehrlein, der aber 2016 für Manor gerade erst seine Debütsaison bestritten hat.

Mercedes habe nur „limitierte Möglichkeiten. Aber wir müssen und werden den Richtigen finden“, sagte Lauda im TV-Sender Sky. Ein Top-Fahrer mit Potenzial wäre Youngster Max Verstappen, der in Wien mit gerade einmal 19 Jahren schon zum zweiten Mal als Persönlichkeit des Jahres geehrt wurde. Lauda zufolge hat sich bei ihm aber bereits Red-Bull-Teamchef Christian Horner per SMS gemeldet: „Er meinte, wir sollen gar nicht erst über Max Verstappen und Daniel Ricciardo nachdenken. Die haben sehr gute Verträge.“

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Lauda: „Nico hätte uns ja vorwarnen können“

Mit dem Zeitpunkt von Rosbergs Rücktritt zeigte sich Lauda indes unzufrieden. „Er hat uns gar keine Anzeichen dafür gegeben“, sagte der Österreicher. „Nico hätte uns ja vorwarnen können: ‚Wenn ich Weltmeister werde, dann höre ich auf.‘ Aber das hat er nicht getan.“ Stattdessen hatte Rosberg erst im Juli einen neuen Vertrag bis Ende 2018 bei Mercedes unterschrieben.

Die Gala in Wien war alleine Rosbergs schillernde Formel-1-Bühne, ehe er am Samstag das Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen und in Berlin eine Wohltätigkeitsveranstaltung besuchte. Aus den Händen von FIA-Chef Jean Todt nahm der 31-Jährige in der Hofburg den so heiß ersehnten WM-Pokal entgegen, auf dem auch der Name seines Vaters Keke als Champion von 1982 eingraviert ist. „Das mit ihm zu teilen, ist ganz, ganz besonders“, meinte Rosberg junior, der nur wenige Stunden vor der Zeremonie die Formel-1-Welt geschockt hatte.

Rücktritt vom Rücktritt? „Ganz sicher nicht“

Rosberg zollte in dieser glamourösen Nacht auch nochmals Hamilton Respekt. „Er war ein unglaublicher Konkurrent über all die Jahre“, sagte der Deutsche, der den Briten vorab über seinen Entschluss aufgeklärt hatte. „Wir hatten einen so intensiven Kampf, deshalb dachte ich, dass es richtig wäre, ihn davon wissen zu lassen.“

Einen Rücktritt vom Rücktritt schloss Rosberg aus. „Ganz sicher nicht“, meinte er vehement auf die Frage, ob er sich zu einem Comeback hinreißen lassen könnte. „Ich habe meine Mission erfüllt, es ist erledigt.“ Zugleich räumte Rosberg ein, dass er bei einer erneuten WM-Niederlage gegen Hamilton seine Karriere fortgesetzt hätte. „Wenn ich Zweiter geworden wäre, wäre ich nächstes Jahr sicher wiedergekommen“, versicherte Rosberg.


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