Gunsch: „Ich denke, dass jetzt ein neuer Besen besser kehrt“

Nach 1219 Tagen im Amt kündigte Wacker-Präsident Josef Gunsch (42) gestern seinen Rücktritt im Jänner an. Was ihn dazu bewog, erzählte der Milser der TT.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten – Josef Gunsch sieht seine schwarz-grüne Mission als erfüllt an.
© gepa

Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg verblüffte wenige Tage nach dem Gewinn des WM-Titels mit seinem Rücktritt und meinte dazu: „Ich war mir plötzlich sicher, dass es richtig ist.“ Ging Ihrer gestrigen Entscheidung ein längerer Prozess voraus oder passierte das von einem Tag auf den anderen?

Josef Gunsch: So etwas entscheide ich nicht kurzfristig, ich dachte in den vergangenen Wochen immer wieder darüber nach. Ich war mit vollem Herzen beim FC Wacker, aber jetzt scheint mir der richtige Zeitpunkt, um zurückzutreten.

Gibt es einen ausschlaggebenden Grund oder war es eine Anhäufung von Ereignissen?

Gunsch: Es war zeitlich ein ziemlicher Aufwand für mich, sportlich ist es auch nicht immer so gelaufen wie gewünscht. Auch die sich abzeichnenden Rochaden im Vorstand bewogen mich dazu, Finanzvorstand Manfred Waldauf steht bekanntlich auch vor dem Abschied. Darüber hinaus kostete mich das ganze Auf und Ab rund um den Verein viel Kraft, ich wollte aber ein geordnetes Haus übergeben. Das tue ich jetzt.

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Wie ist es um den FC Wacker Innsbruck finanziell bestellt?

Gunsch: Es ist kein Geheimnis, dass wir nicht auf Rosen gebettet sind und noch ist nicht alles entschieden. Das Jahr läuft und wir haben noch Zeit, dass die Null steht. Es ist eine Herausforderung angesichts der Zuschauerzahlen, das steht außer Frage. Man muss sich auch bei der öffentlichen Hand bedanken, ohne deren Hilfe es nicht möglich wäre, den Verein zu stabilisieren.

Wer beerbt Sie in Ihrem Amt?

Gunsch: Das wird man sehen, aber bis zur Generalversammlung (Jänner, Anm.) bin ich ja noch Präsident. Nach meiner Entlastung erfolgt dort die Neuwahl, aber durch meine Entscheidung haben wir keine Hektik und es bleibt genug Zeit, gemeinsam die Weichen zu stellen und alles Notwendige zu erledigen.

Ist es denkbar, dass das Amt des Präsidenten auch ein geschäftsführender Präsident übernimmt, der dementsprechend hauptberuflich tätig ist?

Gunsch: Nein, die Konstellation mit dem Verein und der ausgelagerten GmbH erscheint mir genau richtig. Ideal wäre ein zweiter Geschäftsführer zu General Manager Alfred Hörtnagl, der dann das Wirtschaftliche im Auge hat.

Was erhoffen Sie sich für den Verein?

Gunsch: Ein neuer Besen kehrt jetzt besser, denke ich. Und natürlich wäre es mir und dem Umfeld am liebsten, wir würden ganz oben in der österreichischen Bundesliga spielen. Das Ankratzen am Abstieg (Entscheidungsspiel gegen Horn am Ende der Saison 2014/15, Anm.) war leider auch ein Highlight, das man sich so nicht wünscht.

Wie fällt seit Ihrem Amtsantritt am 2. August 2013 Ihre persönliche Bilanz aus?

Gunsch: Auch wenn man es sich sportlich anders wünschen würde, habe ich mein Ziel erreicht: dass wir wirtschaftlich solide dastehen und der Verein auch entschuldet ist. Mein Ziel war es nicht, ein Fußball-Experte zu werden, auch wenn ich mich im Geschäft mittlerweile ganz gut auskenne.

Wirtschaftlichkeit vor Sportlichkeit war ihre Devise, für die Sie Kritik einstecken mussten.

Gunsch: Das mag sein, aber am Ende geht es um Stabilität. Die Basis für das Vorankommen ist der Erhalt der Lizenz, alles andere entwickelt sich daraus.

Woran liegt es, dass der FC Wacker seine Ziele Jahr um Jahr neu definiert, aber eben nicht erreicht und die Enttäuschung so groß ist?

Gunsch: Die Emotionalität ist groß in Tirol, die Erwartungshaltung genauso. Als FC Wacker musst du in der höchsten Liga spielen und dort am besten ganz vorne, das sind wir aus Zeiten des FC Tirol gewöhnt. Es sind sehr viele Einflüsse, die auf den Verein einwirken, das macht es nicht immer leicht zu arbeiten.

Sie sprachen von einer hohen zeitlichen Belastung, die bald wegfällt. Wie wollen Sie diese Zeit künftig nutzen?

Gunsch: Ich habe eine Firma zu leiten (Infrarotkabinenhersteller Physiotherm, Anm.), der widme ich mich jetzt verstärkt. Und natürlich auch meiner Familie (verheiratet, drei Kinder, Anm.). Früher war der Mittwoch immer der Papa-Tag, aber das ist seit eineinhalb Jahren nicht mehr der Fall und das will ich jetzt wieder einführen. Es war eine lässige Zeit beim FC Wacker, aber ich freue mich jetzt auf die danach.

Das Gespräch führte Florian Madl


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