Spannend-fantastisches „Nussknacker“-Ballett in der Grazer Oper

Graz (APA) - Tschaikowskys traditionell zu Weihnachten gespieltes Ballett war am Samstag nach vielen Jahren wieder in der Grazer Oper zu seh...

Graz (APA) - Tschaikowskys traditionell zu Weihnachten gespieltes Ballett war am Samstag nach vielen Jahren wieder in der Grazer Oper zu sehen, und zwar in einer spannenden, frischen Fassung mit dem Titel „Nussknacker und Mäusetraum“. In klaren, poetischen Bildern wurde die Geschichte vom Traum der kleinen Clara erzählt, originell und gekonnt von Choreograf Jörg Weinöhl in Szene gesetzt.

Auf einer leeren, schwarzen Bühne trifft sich die Familie, und zwar nicht nur Eltern und Kinder, sondern auch die Großeltern. Es gibt sparsam angedeutete Geschenke, einige Lichter markieren den Christbaum. Trotzdem wirkt alles stimmig und elegant, besonders die Damen in ihren 1920er-Jahre-Kleidern. Eine Mausefalle zieht sich als roter Faden durch das Geschehen, wenn Clara zunächst damit spielt und die Fallen später riesengroß die Bühne beherrschen.

Wunderschön traumverloren ist das Ende des ersten Akts, wenn die Eltern in diffusem Licht einen Hauch von Erotik in ihren Tanz bringen dürfen. Musik aus Tschaikowskys vierter Symphonie beherrscht den zweiten Akt, der einen bedrohlichen Alptraum in raschem Tempo zeigt. Der dritte Akt bringt eine Winterwelt, die aus einem Bilderbuch stammen könnte, trotzdem sehr zurückgenommen ist und der Fantasie Raum lässt (Bühne und Kostüme von Saskia Rettig). Hier vereinigen sich Freude, Übermut und buntes, unwirkliches Treiben, bis Clara glücklich in ihrem Bett aufwacht.

Jörg Weinöhl zeigte eine kindliche Welt, mit all ihren unverständlichen Dingen, Ängsten und Wundern. Die Bewegungen leugnen nicht ihre klassischen Wurzeln, werden aber in eine moderne Tanzsprache übersetzt und ergänzt von ungewöhnlichen Bewegungsabläufen, die über reine Verzierungen weit hinausgehen und auch Humor zulassen. Clara darf ein ungestümes Kind sein, das springt und sich im Kreis dreht, die Eltern tanzen Charleston und dann laufen alle Schlittschuh - aber nichts davon wirkt aufgesetzt oder gegen die Musik. Das Unheimliche, das in E.T.A. Hoffmanns Geschichte mitschwingt, wird auch deutlich, wenn etwa plötzlich Droßelmeier verkehrt von der Decke hängt.

Die ausgezeichneten Tänzerinnen und Tänzer lassen ihre individuelle Note in die Figuren einfließen und machen den Abend dadurch bunt. Clara Pascual Marti ist eine reizende, überschäumende Clara, die Kindlichkeit an der Schwelle zum Erwachsenwerden zeigt. Elegant in ihren Bewegungen die Eltern (Miki Wakabayashi, Fabio Toraldo), ausdrucksstark der Großvater (Simon Van Heddegem), charmant-gefährlich Droßelmeier (William John Banks), verspielt und zackig der Nussknacker (Joao Pedro de Paula). Die kleinen Mäuse der Ballettschule sind putzig, die großen Mäuse (besonders Emily Grieshaber, Sigrid Glatz und Bruna Diniz Afonso) eine Klasse für sich. Robin Engelen leitete das Grazer Philharmonische Orchester sicher und ohne Scheu vor leidenschaftlichen Ausbrüchen durch den sehenswerten Abend.

(S E R V I C E - „Nussknacker und Mäusetraum“. Ballett von Peter I. Tschaikowsky an der Grazer Oper. Choreografie: Jörg Weinöhl. Ausstattung: Saskia Rettig, Dirigent; Robin Engelen/Marcus Merkel. Mit: Joao Pedro de Paula (Nussknacker), Clara Pascual Martí (Clara), Fabio Toraldo (Vater), Miki Wakabayashi (Mutter), Lorena Sabena (Luisa), Alessandro Giovine (Fritz), William John Banks (Drosselmeier), Frederico Oliveira (Mäusekönig). Weitere Vorstellungen: 4., 7., 9., 11., 14., 18., 23. und 26.12., 14. und 19. Jänner 2017. Karten: Tel. 0316/8000 oder mailto@buehnen-graz.com. http://oper-graz.com)


Kommentieren