Sonnig-kalter Wahlsonntag mit Informationssperre bis 17.00 Uhr

Wien (APA) - Bei meist sonnig-kaltem Wetter und ohne jede offizielle Information vor 17.00 Uhr wählt Österreich zum dritten Mal den Bundespr...

Wien (APA) - Bei meist sonnig-kaltem Wetter und ohne jede offizielle Information vor 17.00 Uhr wählt Österreich zum dritten Mal den Bundespräsidenten. Von den Behörden war nichts über die Beteiligung zu erfahren, aber in Wahllokalen gesammelte Eindrücke lassen keinen Einbruch erwarten. Das Ergebnis ohne Briefwahl soll ca. um 19.30 Uhr vorliegen, wird aber nicht verkündet: Der Innenminister ist in Deutschland.

Denn Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) - der Leiter der Bundeswahlbehörde - steigt nach 17.00 Uhr ins Flugzeug, um am Abend in der ARD-Talksendung von Anne Will in Berlin aufzutreten. Seine Sprecherin verteidigte die Absenz des Ministers bei der ersten österreichweiten Wiederholung einer Wahl: Der Minister wolle den österreichischen Blickwinkel zum Thema Rechtsruck in Europa vermitteln. Er habe heute ja keine unmittelbare Funktion, werde aber morgen rechtzeitig zur Briefwahlauszählung wieder da sein.

Die Stichwahlkandidaten Norbert Hofer (FPÖ) und Alexander Van der Bellen blieben freilich im Lande - und stellten sich bei der Stimmabgabe den zahlreichen Medienvertretern. Dies trotz klirrender Kälte auf der Straße vor den Wahllokalen, denn diese zu betreten ist seit dem Aufhebungs-Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom Juli Journalisten und Fotografen verboten.

„Ruhig und optimistisch“ kam der Burgenländer Hofer in seiner Heimatgemeinde Pinkafeld mit seiner Frau Verena zum Wahllokal - und sah sich gleich vom Dauer-Wahlkampfthema „Öxit“ eingeholt. Denn Brexit-Wortführer Nigel Farage hatte sich am Wochende hoffnungsfroh gezeigt, dass es bei Hofers Wahlsieg gleich ein EU-Austrittsreferendum in Österreich geben werde. Das sei eine „krasse Fehleinschätzung“, war Hofer wenig erfreut über eine solche Einmischung. Sein Parteichef Heinz-Christian Strache zeigte sich bei der Stimmabgabe in Wien „sehr zuversichtlich und hoffnungsfroh“. Strache erwartet wieder ein knappes Ergebnis.

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Van der Bellen - der fröhlich lächelnd mit Ehefrau Doris Schmidauer vor einer Schule in Wien-Mariahilf zur Wahl ging - stellte sich wieder auf ein langes Warten ein. Das Ergebnis werde man wohl wieder erst am Montag kennen, erinnerte er an den Briefwahl-Krimi am 23. Mai. Van der Bellen ist formal unabhängiger Kandidat, wurde im Wahlkampf aber kräftig von den Grünen unterstützt, deren Chef er lange war. Die jetzige Parteichefin Eva Glawischnig war bei der Stimmabgabe „angespannt, aber voller Zuversicht“. Sie „gehe davon aus, dass alles gut ausgeht“, sagte sie den Journalisten vor ihrem Wahllokal.

Schon zeitig in der Früh gab der bisherige Amtsinhaber Heinz Fischer - seit 8. Juli Bundespräsident i.R. - die Stimme ab. Und zeigte sich „absolut“ zuversichtlich, dass der von ihm unterstützte Van der Bellen ihm nachfolgen wird. Er hätte die Medienvertreter angesichts der frostigen Temperaturen wenigstens in den Vorraum gelassen, aber die Wahlbehörde waren streng: Die Journalisten mussten vor der Türe warten.

Angesichts der Aufhebung der ersten Stichwahl vom 22. Mai nahmen es viele Wahlbehörden diesmal ganz genau. So wurde streng darauf gepocht, dass ein Ausweis vorgelegt werden muss, wenn der Wähler nicht der Mehrheit der Wahlbehörde bekannt war. Ebenso strikt hielten sich die Wahlbehörden daran, keinerlei Informationen mitzuteilen, die die Wahl beeinflussen könnten.

Auch nicht in Vorarlberg, obwohl dort schon - wie üblich - um 13.00 Uhr alle Wahllokale geschlossen hatten. Aber Beobachter berichteten aus den Wahllokalen, dass dort sehr viele Leute anzutreffen waren. Ebenso in Wien, dort war aus diversen Parteikreisen von regem Interesse zu erfahren. Der Andrang an den Urnen sei über jenem des ersten Durchganges gelegen. In Kärnten war von Wahlmüdigkeit ebenfalls nichts zu spüren. Auch in Tirol wurde zum Teil höherer Andrang registriert. Dies muss freilich nicht unbedingt eine höhere Wahlbeteiligung insgesamt bedeuten, wurden für diese Wahl doch um 20 Prozent weniger Wahlkarten ausgegeben als im Mai, wo viele Wahlberechtigte bei sommerlich-warmem Wetter die Briefwahl nützten.

Anders sah es unterdessen am Vormittag in Oberösterreich aus: Dort registrierten Wähler in einigen Wahllokalen einen spürbarer geringerer Andrang als im Mai.

Offizielle Informationen über Resultate und Beteiligung gibt es erst um 17.00 Uhr, wenn die letzten Wahllokale in Wien und Innsbruck schließen. Dann veröffentlicht das Innenministerium die bis dahin ausgezählten Resultate, bald darauf werden die ersten Hochrechnungen vorliegen. Das vorläufige Endergebnis sollte wieder rund um 19.30 Uhr vorliegen. Liegt da Hofer knapp vorne, dürfte sich die Wahl - wie schon im Mai - erst wieder am Montag mit der Auszählung der Briefwahl entscheiden.


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