Publikumsmagnet und Strippenzieher - Linkes Spitzenduo für 2017

Berlin (APA/dpa) - Früher konnten sie sich nicht leiden - inzwischen gibt es keine nach außen sichtbaren Konflikte mehr. Als Fraktionsvorsit...

Berlin (APA/dpa) - Früher konnten sie sich nicht leiden - inzwischen gibt es keine nach außen sichtbaren Konflikte mehr. Als Fraktionsvorsitzende der Linken füllen Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch die Rolle als Oppositionsführer aus. Jetzt sollen beide als Spitzenduo die Linken zur Bundestagswahl führen:

WAGENKNECHT: Die 47-Jährige zieht als einzige Politikerin der Linken die Aufmerksamkeit eines Massenpublikums auf sich - in Talkshows ist sie gefragt, auf Facebook hat sie hunderttausende Likes. Und im Bundestag reagierte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann zuletzt nicht auf den Grünen-Fraktionschef, sondern auf Wagenknecht und warf ihr Populismus und Nähe zu Donald Trump vor.

Sie hatte an die Adresse der Regierung gesagt: „Offenbar hat ja selbst noch ein Donald Trump wirtschaftspolitisch mehr drauf als Sie.“ Wagenknecht nimmt Stimmungen auf und benützt umstrittene Formulierungen, etwa auch in kritischen Tönen zum Flüchtlingszuzug. Als Rednerin kann die Frau von Oskar Lafontaine Hallen für sich einnehmen.

Lange war sie Wortführerin der Parteigruppierung „Kommunistische Plattform“, ließ ihre Mitgliedschaft aber nach dem Aufstieg in die Parteispitze ruhen. Seit dem Rückzug Lafontaines aus der Bundespolitik führt Wagenknecht den linken Parteiflügel an. Die Fähigkeit zu führen, organisieren und integrieren wurde ihr von vielen Kritikern lange abgesprochen.

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BARTSCH: Der 58-Jährige gilt als einer der erfahrensten Strategen der Partei. Er ist in der Politik bestens vernetzt, ohne Scheuklappen und im persönlichen Umgang unkompliziert und gewinnend. Bartsch ist ein Hoffnungsträger für Rot-Rot-Grün im Bund - auch Sozialdemokraten schätzen ihn.

Und trotz klarer Kante etwa beim Streitthema Auslandseinsätze der Bundeswehr, die die Linken ablehnen, betont Bartsch immer wieder: Zum Durchsetzen von Zielen brauche man Partner, zum Koalieren Kompromisse. Beim Start eines Netzwerks gegen Kinderarmut betonte Bartsch am Donnerstag, die Parteifarbe spiele da keine Rolle.

In der DDR trat er noch als Heranwachsender in die SED ein, studierte Ökonomie und promovierte in Moskau. Von 1991 bis 1997 war er Schatzmeister der PDS, anschließend wurde er Bundesgeschäftsführer - bis er sich 2010 mit seinem damaligen Parteichef überwarf. Lafontaine warf Bartsch eine gezielte Intrige vor. 2012 unterlag der Stralsunder in einem beispiellosen Flügelkampf um den Parteivorsitz, an dem auch Lafontaine beteiligt war.


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