Fidel Castro findet letzte Ruhe in der Wiege der Revolution

Santiago de Cuba (APA/dpa) - Wo alles begann, geht es auch zu Ende: Fidel Castro wird in Santiago de Cuba zur Ruhe gebettet, in der Wiege de...

Santiago de Cuba (APA/dpa) - Wo alles begann, geht es auch zu Ende: Fidel Castro wird in Santiago de Cuba zur Ruhe gebettet, in der Wiege der kubanischen Revolution. Dort scheitert er 1953 beim Überfall mit einer Handvoll Getreuen auf die Moncada-Kaserne grandios. Jahre später nimmt er in der nahe gelegenen Sierra Maestra den Kampf gegen Diktator Fulgencio Batista auf.

Nun ist seine Urne auf dem Friedhof Santa Ifigenia beigesetzt worden. „Wir sind sehr geehrt, dass Fidel in unserer Stadt bleibt“, sagt German Vinent. „Hier ist die Wiege der Revolution.“ Der Chemiker ist ein glühender Fidel-Anhänger. „Ich verdanke ihm alles. Als die Revolution triumphierte, war ich zwölf Jahre alt und Analphabet. Dank ihm konnte ich studieren, habe ein Haus und einen Arbeitsplatz.“

Heute ist er in einer Molkerei für die Qualitätssicherung zuständig. Veränderungen am politischen Kurs Kubas wünscht sich Vinent nicht. „Wir müssen Fidels Beispiel folgen und weiter den Sozialismus in unserem Land aufbauen“, sagt er.

Viele Menschen tragen am Wochenende die schwarz-rote Armbinde von Castros Rebellenbewegung „26. Juli“. Am Samstag bereiten sie der Wagenkolonne mit Castros Urne einen rauschenden Empfang. Schulkinder, Arbeiter und Rentner säumen die Straßen von Santiago de Cuba. Sie schwenken Fähnchen und skandieren „Ich bin Fidel, ich bin Fidel“ und „Fidel - Freund - das Volk ist bei dir.“

Am Abend kommen Zehntausende auf dem Platz Antonio Maceo zusammen, um Abschied von Castro zu nehmen. Sein Bruder und Nachfolger Raul schwört die Massen auf die Verteidigung des Sozialismus ein. Gewerkschaftsführer, Parteifunktionäre und Studentenvertreter versprechen bedingungslose Gefolgschaft.

„Ruhe in Frieden, Kommandant. Wir werden dein Erbe niemals verraten“, sagt General Jose Antonio Carrillo vom Verband der Revolutionskämpfer. Die Studentenführerin Jennifer Bello Martinez verspricht: „Wir werden weder Schwert noch Fahne sinken lassen. Die Studenten werden Fidel nicht enttäuschen.“

Auch aus dem Ausland sind Fidels Anhänger gekommen, um dem Revolutionsführer Respekt zu zollen. „Das ist historisch. Fidel ist ein ganz Großer in Lateinamerika. Wir haben viel Respekt vor ihm“, sagt der Argentinier Juan Martin Cambra. Als er von Castros Tod hörte, kaufte er sich gemeinsam mit Freunden ein Flugticket, um bei der Trauerfeier für Castro dabei zu sein.

In Santiago de Cuba tragen die Menschen Trauer. „Es ist sehr traurig, dass er nicht mehr bei uns ist“, sagt Maria Callejas. „Fidel bedeutet uns alles, wir haben ihm so viel zu verdanken.“ Große Veränderungen erwartet die 61-Jährige nach Castros Tod allerdings nicht. „Alles muss weitergehen wie bisher. Raul ist sein Bruder. Er wird sein Werk fortsetzen.“

Fidel Castro zog sich bereits 2006 wegen einer schweren Erkrankung aus der aktiven Politik zurück. Seitdem steht Raul Castro an der Staatsspitze. Er leitete einen vorsichtigen Öffnungskurs ein und nahm wieder diplomatische Beziehungen zu dem einstigen Erzfeind USA auf - stets kritisch beäugt von seinem großen Bruder.

„Im Spiel „Guter Polizist, böser Polizist“ der beiden Brüder fehlt nun ein Teil“, schreibt die prominente Regierungskritikerin Yoani Sanchez in ihrem Blog „14ymedio“. „Wenn die politischen und wirtschaftlichen Reformen zu langsam vorangehen, kann Raul jetzt nicht mehr auf den alten Fidel verweisen, der auf die Bremse tritt.“

Castro war eine der schillerndsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Innig verehrt und tief verhasst. Während in Kuba viele Menschen um ihren geliebten Revolutionsführer trauern, feiern die castro-feindlichen Exil-Kubaner in den USA ausgelassen den Tod des früheren Präsidenten.

Für seine Anhänger war Castro ein Held, der Kuba befreit, den mächtigen USA die Stirn geboten und viel sozialen Fortschritt gebracht hat. Für seine Gegner ein brutaler Gewaltherrscher, der Andersdenkende unterdrückte, keine freien Wahlen zuließ und die Meinungsfreiheit mit Füßen trat.

Viele hoffen unter dem als pragmatischer geltenden Raul Castro nun auch mehr Freiheit und gute Geschäfte. Ein Liberaler ist der General allerdings auch nicht. Bei der Trauerfeier in Santiago de Cuba verspricht er, nach dem Tod seines Bruders das Land stramm auf Kurs zu halten: „Im Angesicht der Überreste von Fidel schwören wir, das Vaterland und den Sozialismus zu verteidigen.“


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