BP-Wahl - Internationale Pressestimmen

Berlin/Köln/Frankfurt (APA/AFP/dpa) - „Frankfurter Allgemeine“:...

Berlin/Köln/Frankfurt (APA/AFP/dpa) - „Frankfurter Allgemeine“:

Van der Bellens Sieg scheint die neue Dominotheorie zu widerlegen, nach der ein westliches Land nach dem anderen in die Hände von Rechtspopulisten fällt. ... Aber ganz so einfach war das sowieso nie. ... In Großbritannien gab es noch nie große Mehrheiten für die EU-Mitgliedschaft .... In Amerika war Clinton eine sehr zwiespältige und von Skandalen belastete Kandidatin .... Und in Österreich ist die FPÖ keine neue politische Bewegung, sondern eine etablierte Partei, die schon an mehreren Regierungen beteiligt war. Die Niederlage ihres Kandidaten bedeutet sicher nicht, dass die FPÖ und ihre Themen in absehbarer Zeit ... verschwinden werden. ... Man sollte Van der Bellens Wahlsieg als Entscheidung gegen Hofer verstehen, aber nicht als Rückbesinnung einer ganzen Nation auf die Ideale des linksliberalen „juste milieu“. ...

„Berliner Zeitung“:

„Österreich hat gewählt, aber das Land wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie zwischen Salzburg, Klagenfurt, Graz und Wien schlicht nicht mehr. Der sich als smarter Siegertyp inszenierende FPÖ-Kandidat Norbert Hofer hat es bei der Mission, seinem rechtspopulistischen Weltbild ein freundliches Antlitz zu verleihen, sehr weit gebracht. Nicht erst in diesem Präsidentschaftswahlkampf hat Österreich seine politische Mitte verloren.“

„Kölner Stadt-Anzeiger“:

„Der Siegeszug rechtspopulistischer Kandidaten und Parteien folgt keinem unabänderlichen Automatismus. An den Erfolg Alexander van der Bellens knüpft sich nun auch die Hoffnung, dass die europäischen Demokratien sich nicht zwangsläufig einer von aggressiven Stimmungen getriebenen Verachtung von Politik und deren Institutionen ergeben müssen. Österreich aber wird nicht einfach zur politischen Normalität zurückkehren können. Es gibt sie schlicht nicht mehr. Nicht erst in diesem Präsidentschaftswahlkampf hat das Land seine politische Mitte verloren. Auf Van der Bellen kommt nun die schwierige Aufgabe zu, der politischen Kultur seines Landes wieder zu mehr Akzeptanz zu verhelfen.“

„Tagesspiegel“ (Berlin):

„Alexander van der Bellen hat gezeigt, dass Parolen nicht das letzte Wort sein müssen. Der Grüne hat sich behauptet gegen die, die vereinfachen. Und gegen die, die sagen, dass die Menschen, unpolitisch, wie sie geworden seien, anders nicht zu erreichen wären. Doch, sind sie. Gerade die Vervielfältigung der Medien kann auch eine Chance sein; es wird ja nicht bloß das Gerücht transportiert, sondern auch das Argument.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

„Times“ (London):

„Ein Sieg des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer in Österreich würde signalisieren, dass die nationalistische Rechte in Europa an Schwungkraft gewinnt - mit Folgen für die Wahlen im kommenden Jahr in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland. Die Chancen für Marine Le Pen vom Front National, Präsidentin zu werden, würden ein Stückchen wachsen.

Europas Politiker sollten eine einfache Wahrheit berücksichtigen: Großbritanniens Votum für den Brexit und Amerikas Votum für Trump waren - zumindest teilweise - getrieben von wirtschaftlicher Unzufriedenheit. Dabei sorgt die Entwicklung der Eurozone für eine weit größere Enttäuschung als jene in Großbritannien oder Amerika. Nach einer zweiten Rezession in den Jahren 2011 bis 2013 ist die Erholung nur schwach. Die Arbeitslosenrate ist erst kürzlich unter zehn Prozent gesunken und ist immer noch doppelt so hoch wie in Großbritannien. Für die Bürger in den meisten EU-Staaten, besonders in der Eurozone, gibt es viele Gründe, enttäuscht zu sein.“

„Corriere della Sera“ (Mailand)

„Aus der Abstimmung der Italiener und der Wahl der Österreicher könnten die abschließenden Kapitel des „annus horribilis“ für Europa werden. Verwundet durch den Terrorismus, erniedrigt durch die internen Differenzen bei der Flüchtlingskrise und über die Beziehungen zu Russland, angegriffen durch den Brexit und einer Populistenwelle, eingeschüchtert durch die Trump-Wahl: In diesen elf Monaten 2016 hat Europa immer versucht, sich zu verteidigen, ohne jedoch die Bedrohungen einzudämmen. Es muss nicht das gleiche passieren, wenn die Wahlurnen in Italien und Österreich das Urteil gesprochen haben. Die beiden Abstimmungen sind sehr unterschiedlich voneinander. In Italien wählt man für oder gegen eine Reform der Verfassung, die - egal wie es ausgeht - nicht ganz so sehr das Gesicht des Landes verändern wird.“


Kommentieren