BP-Wahl: Kulturschaffende „erleichtert“ über „Vernunft-Entscheidung“

Wien (APA) - Alexander Van der Bellen wird nächster österreichische Bundespräsident, er setzte sich in der Wahlwiederholung gegen Norbert Ho...

Wien (APA) - Alexander Van der Bellen wird nächster österreichische Bundespräsident, er setzte sich in der Wahlwiederholung gegen Norbert Hofer durch. Die APA - Austria Presse Agentur hat aus diesem Anlass österreichische Künstler und Kulturschaffende zum Ausgang der Wahl befragt und dokumentiert nachfolgend die Antworten.

Die Fragen:

1. Hätten Sie angesichts der Prognosen im Vorfeld einen Sieg von Alexander Van der Bellen noch für möglich gehalten?

2. War die Wahlentscheidung letztlich ein Votum pro Van der Bellen oder eher doch contra Hofer?

3. Ist die Klage über das gespaltene Land angesichts des zurückliegenden Wahlkampfs eine alarmistische Übertreibung, oder sind nun tatsächlich Gräben in Österreich entstanden, die nicht mehr überbrückbar sind?

Die Antworten:

Robert Dornhelm, vor allem in den USA tätiger Filmregisseur:

1. Angesichts der populistischen Entwicklungen weltweit habe ich einen Hofer-Sieg befürchtet. Bin natürlich erleichtert, dass wenigstens in Österreich die Vernunft gesiegt hat.

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2. Ich glaube und hoffe, dass der Trend in Österreich unsere Nachbaren positiv beeinflussen wird und dass die Wahlentscheidung nicht eine pro oder contra gewesen ist, sondern eine, die an den Anstand und an das Gute im Menschen appellierende war.

3. Ich bin überzeugt, dass es keine tiefen Gräben gibt, die es zu überwinden gilt, sondern dass ein positiver menschlicher toleranter Sog viele kurzzeitig Verwirrten mitreißen wird und wir den inneren Schweinehund bändigen werden. Heute bin ich wieder optimistisch!

Herbert Föttinger, Direktor des Theaters in der Josefstadt:

1, Natürlich habe ich sehr gehofft, dass Alexander van der Bellen unser nächster Bundespräsident sein wird, die Sorge allerdings, dass die Stimme der Vernunft und der Menschlichkeit zu leise ist, hat überwogen!

2. Die Mehrheit der Wähler hat sich mit ihrem Votum für ein offenes, liberales und angstfreies Österreich ausgesprochen, ein Österreich, das sich seiner Verantwortung in einem zukunftsorientierten Europa durchaus bewusst ist. Insofern ist es unerheblich aus welchen Motiven die Wahlentscheidung getroffen wurde.

3. Schon Franz Grillparzer charakterisierte Österreich als „ein gutes Land“. Vermutlich ist der heraufbeschworene Graben eine rechtspopulistische Übertreibung, die berechtigten Sorgen um die Zukunft unseres Landes sind die Sorgen aller Österreicher. Ich bin überzeugt , dass Alexander van der Bellen ein Präsident für Alle sein wird.

Tomas Zierhofer-Kin, Intendant der Wiener Festwochen:

1. Längere Zeit eigentlich nicht, aber dann gab es ein paar Indizien, die wieder Hoffnung aufkeimen ließen. Da war plötzlich die Hoffnung auf ein Kippen der Stimmung, auf einen Zusammenbruch des rechtsrechten Lügengebäudes. Das lag an der wirklich guten, von breiten Teilen der Gesellschaft getragenen Kampagne. Eine Bürger*innen-Bewegung wie wir sie hier noch nicht erlebt haben!

2. Klar pro Van der Bellen, denn er ist der Repräsentant des anderen Bildes von Österreich. Es ging doch um eine fundamentale Richtungsentscheidung, wenn VdB nicht klar dieses Bild vertreten hätte, hätten ihn die Menschen nicht gewählt.

3. Die Spaltung wurde ja provoziert. Schwer war es angesichts des Politsumpfs allerdings augenscheinlich nicht. Jetzt sind die echten Reformen gefragt. In den nächsten Monaten wird sich klären, ob das heutige Wahlergebnis Wende und Aufbruch bedeutet oder man weiterträumen will.

Ulrich Seidl, Filmemacher:

1. Ich habe einen Sieg von Alexander Bellen eher für unwahrscheinlich gehalten.

2. Eher contra Hofer.

3. Das Wahlergebnis werte ich als eine Entscheidung der Vernunft einer Mehrheit der Österreicher. Das heißt aber keinesfalls, dass Österreich damit nachhaltig davor gefeit ist, nicht doch in absehbarer Zukunft in die Fänge rechtspopulistischer Machtpolitik zu geraten.

Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums:

1. Ich hatte immer die Hoffnung, fern jeglicher Prognosen, dass sich Van der Bellen durchsetzen wird. Alles andere wäre für das Ansehen Österreichs in der Welt ein großer Image-Schaden gewesen. Aber ich verhehle nicht, dass ich erleichtert aufatmete, als die Ergebnisse publik wurden. Ein freudiger Tag für dieses Land!

2. Es war ein Votum für Van der Bellen, für seine vernünftigen Einstellungen und seine Haltung gegenüber wirtschaftlichen Angelegenheiten, humanitären Prinzipien und modernen Zukunftsperspektiven. Dies führte parteiübergreifend zum Erfolg und zeigt glücklicherweise, dass Verbundenheit statt Zwietracht, Optimismus statt dem Spiel mit Ängsten und Konzepte statt Worthülsen reüssieren können.

3. Van der Bellen wird es schaffen, diese durchaus existierenden Gräben zu überwinden. Er hat die Erfahrung und Persönlichkeit, die man dazu benötigt.

Mirjam Unger, Filmregisseurin:

1. Ich war mir ziemlich sicher, dass Alexander Van der Bellen diese Wahl gewinnen wird. Ich habe viele meiner FreundInnen und Familienmitglieder beruhigt und gesagt, schaut‘s, wir haben kein Wahlsystem wie in den USA, wir haben ein direktes Wahlsystem, Clinton hätte ja eigentlich gewonnen, also wird Van der Bellen auch gewinnen und zwar noch höher als bei der ersten Stichwahl und so ist es jetzt! Denn sein zweiter Wahlkampf ab der Wahlwiederholungsverordnung war in den ländlichen Gebieten und in den Arbeiterbezirken intelligent und beeindruckend. Van der Bellen ist ein Politiker von internationalem Format. Österreich ist ein gutes Land und es gibt viele Menschen, die durchschaut haben, dass es gilt einen Rechtsextremisten als Bundespräsidenten zu verhindern.

2. Beides. Wir haben Van der Bellen besser kennengelernt in den vergangenen elf Monaten Wahlkampf. Die Verlängerung des Wahlkampfes hat ihm genützt. Er konnte sich bei den Menschen vorstellen, die ihn vorher kaum kannten. Viele haben bemerkt, dass er ein integrer Mensch ist mit dem richtigen Verständnis für das Amt des Bundespräsidenten, dass er leiwand ist und ein Mann des Friedens und der Wahrung der Menschenrechte.

3. Ich glaube, dass die Gräben an die Oberfläche getreten sind und sie sind sichtbar geworden. Dadurch kann Kommunikation stattfinden. Dadurch können wir uns mit der Situation konkret auseinandersetzen. Rechtes Gedankengut passiert nicht mehr im Versteck. Es ist kein wabberndes, unheimliches Gefühl mehr, dass hier etwas nicht stimmt, es ist am Tisch. Dadurch werden wir alle handlungsfähiger und können besser aufeinander zugehen.


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