Für eine gesunde Zukunft

Bei kleinen Wehwehchen und bei großen Schmerzen: Medcare ist mobil und stationär für Menschen, die keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben, immer erreichbar.

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© Veronika Schneider / Rotes Kreuz

Innsbruck –Tag 7 des Adventkalenders mit guten Geschichten bringt einen Blick in eine ganz besondere Organisation, die niederschwellig medizinische Hilfe anbietet.

Es ist wieder ein Montagnachmittag, die Türen zur medcare-Ordination in der Nähe des Busterminals am Innsbrucker Hauptbahnhof öffnen sich, und langsam füllt sich das Wartezimmer. Viele bekannte Gesichter – man kennt sich bereits beim Namen –, aber auch zwei Frauen, die diese Hilfe noch nie in Anspruch genommen haben, melden sich zur ärztlichen Untersuchung bei Caritas-Sozialarbeiterin Gertraud Gscheidlinger an.

Seit November 2013 gibt es medcare, eine gemeinschaftliche Einrichtung von Caritas und Rotem Kreuz. Nicht-Versicherte oder Menschen, die aus verschiedensten Gründen keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben, werden in der Ordination bzw. im medcare-Bus dreimal pro Woche kostenlos medizinisch und sozialarbeiterisch unterstützt.

Heute hat der Arzt Herbert Bachler Dienst, er wird von Vroni Schneider und Emad, einem syrischen Arzt, der als Asylwerber seit ein paar Monaten in Innsbrucker lebt, unterstützt. Emad ist nicht nur Arzt, sondern auch vielsprachiger Dolmetscher, der fünf Sprachen perfekt beherrscht. Der erste Patient kommt zur bestellten Kontrolluntersuchung, und Emad übersetzt gleich vom Arabischen ins Deutsche.

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Das Krankheitsbild des Patienten hat sich deutlich gebessert, und mit herzlichen Dankesgesten verlässt er mit den besten Wünschen die Ordination.

Zehn ehrenamtliche Ärztinnen und Ärzte und doppelt so viele ehrenamtliche Notfallsanitäter sowie diplomiertes Pflegepersonal des Roten Kreuzes bieten neben einer Sozialarbeiterin der Caritas in diesem niederschwelligen Projekt ihre Hilfe an. Man begegnet sich respektvoll auf Augenhöhe, nennt die Patienten beim Namen, und oft wirken Zuhören, Verstehen und Einfühlungsvermögen schon als wunderbare Medizin. Benötigte Medikamente werden oft kostenlos von Apotheken zur Verfügung gestellt.

Josef, der nächster Patient, leidet an einem fürchterlichen Hautausschlag. Er hat heute Glück, denn um 17 Uhr kommt Matthias Schmuth, der Leiter der Univ.-Klinik für Dermatologie zu uns. Er behandelt mehrmals jährlich ehrenamtlich die speziellen Hauterkrankungen der Patienten.

Mittwoch, 10.15 Uhr: Mediziner Christoph Schumacher und Vroni Schneider machen sich nach einer Stunde Ordinationsbetrieb in den medcare-Räumen zur Visite in die Teestube auf. Die Stimmung in der Teestube ist wie immer gut und herzlich. Man wird bereits erwartet. Johnny, von seinem Hund begleitet, öffnet wie so oft die Türe und ist auch schon unser erster Patient. Diesmal reichen eine Heilsalbe und ein gutes Gespräch, und Johnny verlässt, wie so viele nach ihm, zufrieden den improvisierten Behandlungsraum in der Teestube.

Ulla Riccabona versieht mit Tina Politakis und Thomas Schmid die meisten Freitagsdienste am medcare-Bus. Die Route führt sie zu den Verköstigungsplätzen des Vinzi-Busses vom Marktplatz zur Wolfgangstube und im Winter zur Notschlafstelle in die Amraser Straße. Auch hier werden meist bereits bekannte Patienten im Bus untersucht und bei Bedarf mit gespendeten Medikamenten versorgt. Auch an diesem Freitag gibt es wieder tiefe Einblicke in einzigartige Schicksale und unzählige Gesten der Dankbarkeit. (TT)


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