Frankenkredite: Banken wollen von Kunden neue Milliardensicherheiten

Die Banken haben von den heimischen Fremdwährungskreditnehmern 2015 eine Milliarde Euro mehr Sicherheiten für ausstehenden Darlehen verlangt.

Tausende Österreicher müssen für die Rückzahlung ihrer Frankenkredite nun deutlich tiefer in die Taschen greifen.
© Erwin Wodicka

Spitzmarke – Die Banken haben von den heimischen Fremdwährungskreditnehmern - vor allem also Frankenkreditnehmern - allein im Jahr 2015 eine Milliarde Euro mehr Sicherheiten für ihre ausstehenden Darlehen verlangt. Dies gab die Finanzmarktaufsicht (FMA) bekannt. Es geht um 90.000 private Haushalte, die Fremdwährungskredite haben. Aktuell sind noch mehr als 20 Milliarden Euro in Frankenkrediten ausständig.

Die sind für die Kreditnehmer teuer geworden. In den nächsten Jahren werden viele Frankenschulden fällig. „Es ist ein toxisches Produkt“ - vor allem in Verbindung mit hochriskanten Tilgungsträgern, sagen die FMA-Chefs Helmut Ettl und Klaus Kumpfmüller. „Jetzt muss von den Banken die Kommunikation verstärkt werden, damit kurzfristige Überraschungen vermieden werden, wenn alle Karten auf den Tisch kommen. Wir verpflichten die Banken, die Risiken für alle zu reduzieren.“

Franken ist eine „Fluchtwährung“

In ihren Bilanzen haben die Banken allein im letzten Jahr die Wertberichtigungen für notleidende Frankenkredite um 800 Mio. Euro aufgestockt. Sich als Kunde darauf verlassen zu wollen, dass der Franken nicht mehr steigt, wäre gefährlich: Es gebe nach wie vor Interventionen der Schweizer Notenbank. „Der Franken ist eine Fluchtwährung“, so Ettl. Die habe die Tendenz zu steigen, wenn es irgendwo in der Welt Turbulenzen oder politische Unsicherheiten gebe.

Zwar ist das Volumen an Fremdwährungskrediten in Österreich seit 2008 um 60 Prozent auf mittlerweile 21,6 Mrd. Euro (davon 20,7 Mrd. Euro in Franken, per Ende September 2016) gesunken. Jetzt müssten die restlichen 40 Prozent in geordneten Bahnen ablaufen, so die FMA. 150.000 ehemals betroffene Haushalte könnten heute ruhig schlafen, sie sind ausgestiegen bzw. haben auf Euro gewechselt, haben also kein Frankenrisiko mehr. Auch jetzt wird zur Konvertierung in Euro bzw. zum Umstieg auf einen „Abstattungskredit“ geraten.

100.000-Euro-Kredit um 68.000 Euro teurer

2008 hatte die Aufsicht nach einer beispiellosen Blase in Österreich die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten an private Haushalte verboten. Weil mit dem Frankenkursanstieg die hauptsächlich endfälligen Kredite im Lauf der letzten Jahre teurer wurden und die Tilgungsträger (oftmals fondsgebundene Lebensversicherungen) wenig bis nichts abwarfen, liegt hier aktuell allerdings eine Deckungslücke von 6,2 Mrd. Euro vor.

Was das im Einzelfall heißen kann: Ein 2008 auf 20 Jahre abgeschlossener Frankenkredit über 100.000 Euro war durch das Währungsrisiko zum Franken-Höchstkurs schon um 68.000 Euro teurer. Zum aktuellen Kurs wären es immer noch gut 50.000 Euro mehr. In einem worst-case-Nullzinsszenario wäre zudem der Tilgungsträger, mit dem der Kreditnehmer für die Rückzahlung anspart, mit weiteren mehr als 48.000 Euro „unter Wasser“. Damit reicht die Ansparsumme schon gar nicht, um die angewachsene Kreditschuld zu begleichen.

Von solchen Extrembeispielen seien doch einige betroffen, heißt es in der FMA, die von einer Hedge-Fonds-Konstruktion spricht, wo beide Hebel zu Ungunsten der Kreditnehmer schlagend würden. Insgesamt sind in Österreich 20 Mrd. Euro an „Tilgungsträgerkrediten“ vergeben, davon 17 Milliarden in Fremdwährung.

Anders als in Osteuropa, wo die Kunden Frankenkredite für Autos oder Waschmaschinen aufnahmen, haben die Österreicher primär in den privaten Hausbau und Wohnungseigentum finanziert. Damit habe man hierzulande keine Konzentration auf die schwächste Kreditnehmergruppe, meint man in der FMA. Die Deckungslücke sei im Großen und Ganzen durch Sicherheiten (Immobilienpfand) abgedeckt, so Kumpfmüller. „Aber bei Wohnimmobilien stehen Schicksale dahinter.“ (APA)


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