US-Wahl 2016

„Rasputin“ hackte Seite der US-Wahlhilfe-Kommission

Ein Statusreport des Systems der EAC (Bild von "Rasputin").
© recordedfuture.com

Vermeintliche Hackerangriffe aus Russland sorgen für Verstimmung zwischen Washington und Moskau. Ein Hacker namens „Rasputin“ soll einer Regierung im mittleren Osten Zugangsdaten zur Seite der Wahlhilfe-Kommission zum Verkauf angeboten haben.

Von Marian Rehfeld

Washington - Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA ist sich sicher: Die US-Wahl wurde von Hackern aus Russland zugunsten des Immobilienmilliardärs Donald Trump beeinflusst. Und obwohl die Endergebnisse der Untersuchung erst am 20. Jänner vorliegen sollen und die Republikaner die Vorwürfe als „Unsinn" zurückwiesen, kündigte der scheidende US-Präsident Barack Obama Konsequenzen an. Die Vergeltung soll „zu einem Zeitpunkt und an einem Ort [stattfinden], den wir bestimmen." Das Klima zwischen Washington und Moskau ist dementsprechend unterkühlt.

Konkret ging es bei den Hacker-Vorwürfen um vertrauliche E-Mails der unterlegenen Kandidatin Hillary Clinton, die auf Wikileaks aufgetaucht waren.

Neue Sicherheitslücke entdeckt

Eine Internet-Security-Firma aus Boston wartet nun mit völlig neuen Vorwürfen zu einer möglichen Einmischung in die Wahlen auf. Sie entdeckte eine Sicherheitslücke im System der Wahlhilfe-Kommission EAC (Election Assistance Commission). Recorded Future, so der Name der Firma, konnte laut einem am Donnerstag veröffentlichten Online-Bericht einen Hacker identifizieren, der Datensätze der EAC gestohlen und sie zum Verkauf angeboten haben soll.

Der als „Rasputin" bekannte Unbekannte soll einem Vermittler einer Regierung aus dem mittleren Osten rund 100 Datensätze von Personen (teilweise verfügten sie über administrative Rechte) angeboten haben. Möglicherweise soll er auch bereits in Verhandlungen mit dem Broker gestanden sein — es soll um mehrere Tausend Euro gehen. Dass „Rasputin" von einer Regierung beauftragt worden war, glaubt das Unternehmen allerdings nicht.

Ob die Sicherheitslücke das Ergebnis der US-Wahl beeinflussen hätte können oder beeinflusst hat, ist unklar. Levi Gundert von Recorded Future sagte in einem Gespräch mit der Nachrichtenseite Buzzfeed: „Wir wissen nicht, wann die ursprüngliche Gefährdung passierte oder wie lange der Hacker Zugriff auf die Daten hatte." Die Hacker hätten laut Recorded Future heimlich Malware auf der EAC-Seite platzieren können. Eine sogenannte „Watering Hole Attack" wäre demnach möglich gewesen.

Dabei wird still und heimlich Code auf die betroffene Webseite geschleust. Nutzer, die Seite aufrufen, können so ausspioniert werden. Regierungsquellen hätten so möglicherweise angezapft werden können.

Volles Ausmaß möglicherweise noch nicht bekannt

Ebenfalls brisant: Die Seite der Wahlhilfe-Kommission beinhaltet neben sensiblen Personendaten auch Informationen zur elektronischen Wahl — beispielsweise wo und welche Firmen bei der Herstellung von Wahlcomputern involviert sind. Der Bericht von Recorded Future schließt nicht aus, dass das volle Ausmaß der Cyberattacke nach wie vor nicht bekannt ist.

US-Behörden wurden jedenfalls über den Fall „Rasputin" informiert. Die Wahlhilfe-Kommission wurde 2002 von der Regierung ins Leben gerufen, um die Wahlleiter vor Ort fachlich zu unterstützen und die allgemeingültigen Normen für Wahlcomputer festzulegen.

Testbericht zu Wahlsystemen und Softwaresystemen (Bild von "Rasputin").
© recordedfuture.com