Inflation unverändert bei 1,3 Prozent, Wirtschaft wächst weiter
2017 drohen Reallohnverluste. Im öffentlichen Bereich seien laut Wifo und IHS noch nicht alle Effizienzpotenziale durch Reformen gehoben.
Wien – Im November sind die Preise in Österreich im Großen und Ganzen gleich geblieben. Die Inflationsrate betrug laut Statistik Austria unverändert 1,3 Prozent. Als Hauptpreistreiber erwiesen sich erneut die Bewirtungsdienstleistungen und die Mieten. Die Treibstoffpreise sanken leicht unter das Niveau von November 2015. Gegenüber dem Oktober stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,1 Prozent.
Ohne Bewirtungsdienstleistungen und Mieten hätte die Inflation 0,9 Prozent betragen. Die auf europäischer Ebene harmonisierte Inflationsrate stieg im November von 1,4 auf 1,5 Prozent. Der Unterschied zum VPI resultiert aus Gewichtungsunterschieden zwischen VPI und HVPI.
Mikrowarenkorb mit plus 1,8 Prozent
Das Preisniveau des Mikrowarenkorbes, der vor allem Nahrungsmittel enthält und den täglichen Einkauf widerspiegelt, erhöhte sich im November im Jahresabstand um 1,8 Prozent. Auch im Oktober waren es revidiert 1,8 Prozent.
Das Preisniveau des Miniwarenkorbes, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, veränderte sich im Jahresabstand um 0,9 Prozent (Oktober 1,3 Prozent).
Kräftig gestiegen sind im November die Preise für Mieten und Bewirtungsdienstleistungen. Wohnungsmieten erhöhten sich laut Statistik Austria gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent, die Bewirtungsdienstleistungen wurden um 2,8 Prozent teurer. Auch die Beherbergungsdienstleistungen zogen um 4,7 Prozent deutlich an. Um 1,4 Prozent billiger wurde Telefonieren.
Österreich mit dritthöchster Inflationsrate in EU
Österreich verzeichnete im November mit einem Plus von 1,5 Prozent die dritthöchste Inflationsrate in der EU. Höher lag die Teuerung nur in Belgien (plus 1,7 Prozent) und Tschechien (plus 1,6 Prozent). Der Durchschnitt in EU und Eurozone machte je 0,6 Prozent aus, geht aus den am Freitag präsentierten jüngsten Zahlen von Eurostat hervor.
Sechs Staaten wiesen sinkende Inflationsraten auf. Das stärkste Minus fuhren Bulgarien und Zypern (je minus 0,8 Prozent) ein, vor Irland, Griechenland, Rumänien und Slowenien (je minus 0,2 Prozent).
Wirtschaft wächst weiter, Investitionen stark belebt
2017 und 2018 wird Österreichs Wirtschaft ihr 2016 auf rund 1,5 Prozent beschleunigtes Wachstum auch in den Jahren beibehalten, so das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS). Die für den Konsum belebenden Steuerreformeffekte lassen aber nach. Dafür würden aber die Investitionen und Exporte kräftig steigen.
Die jüngsten Konjunkturumfragen würden für Ende 2016 und Anfang 2017 eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums signalisieren, der Wifo-Frühindikator verbesserte sich zuletzt zum achten Mal hintereinander. Das Ausklingen der Effekte der Steuerreform und der Anstieg der Inflationsrate – aufgrund der Rohölverteuerung – werde die private Konsumnachfrage aber wieder dämpfen, so das Wifo am Freitag. Trotz der momentanen Konjunkturbelebung sei die Wachstumsrate 2017 kalenderbedingt aber nicht höher als 2016, betont das Wifo, das für nächstes Jahr wie für heuer mit 1,5 Prozent realem BIP-Zuwachs rechnet, für 2018 dann mit 1,4 Prozent.
Chancen vergeben
Die öffentlichen Haushalte stehen in Österreich noch im Einfluss der Steuerreform. Nachdem 2015 ein strukturelles Nulldefizit erreicht wurde, dürfte 2016 die Defizitquote laut IHS auf 1,6 Prozent steigen, „wofür primär die zumindest kurzfristig nicht vollständig gegenfinanzierte Steuerreform verantwortlich“ sei. Im öffentlichen Bereich seien noch nicht alle Effizienzpotenziale durch Reformen gehoben, wird kritisiert. Dementsprechend seien die Ergebnisse der Neuverhandlungen des Finanzausgleichs als eine „vergebene Chance“ zu sehen. Die Regierungsmaßnahmen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts werden dagegen begrüßt, etwa die steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit oder die Förderung von Neugründungen. „Weitere Reformschritte, etwa bei den Lohnnebenkosten, sind aber notwendig“, betont das IHS.
Das Wifo sieht den Staatshaushalt 2017 „konjunkturneutral“. Nach der Steuerentlastung 2016 würden die öffentlichen Haushalte auf der Einnahmenseite auch 2017 expansiv wirken, die Anhebung der Negativsteuer und des Kinderfreibetrags erhöhe die verfügbaren Einkommen. Die Senkung des Dienstgeberbeitrags zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von 4,5 auf 4,1 Prozent (und auf 3,9 Prozent 2018) wirke sich in bestimmten Branchen günstig aus, etwa im Tourismus.
Freilich sehen die Experten auch - internationale - Unsicherheitsfaktoren, die belastend wirken, womit die Prognoserisiken insgesamt überwiegend abwärtsgerichtet seien. Das IHS verweist dazu auf die wirtschaftlichen Folgen des Brexit - der EU-Austritt der Briten - wird von dem Institut überhaupt als größtes Risiko für Europas Konjunktur gesehen - sowie auf protektionistische Tendenzen, mögliche Turbulenzen sowie geopolitische Risiken.
Sorge um den Job ein dämpfender Effekt für Konsum
Der Arbeitsmarktzuzug aus Osteuropa wächst laut Wifo langsamer, mit der Arbeitsmarktpräsenz von Asyl- und subsidiär Schutzberechtigten steige die Arbeitslosigkeit aber. Eine Re-Migration nach Osteuropa würde Österreichs Arbeitsmarkt entlasten, sie sei aber nur dort zu erwarten, wo jemand aus konjunkturellen Motiven zu uns gezogen ist. Der Überhang an Arbeitskräften dämpfe die Lohn- und Einkommenszuwächse. Die in der Herbstlohnrunde erzielten Kollektivvertragsabschlüsse bringen 2017 einen Reallohnverlust, falls die Ölpreise im angenommenen Ausmaß steigen. Zudem bleibt laut Wifo wegen der zuzugsbedingten Zunahme der Arbeitslosigkeit (schon seit 2012) die Sorge um den Job ein dämpfender Effekt für die Konsumbereitschaft. Der Höhepunkt der Konsumwirksamkeit der Entlastung durch die letzte Steuerreform wird Anfang 2017 vorübergehen. (APA. TT.com)
Preissteigerungen nach Warengruppen
Kräftig gestiegen sind im November die Preise für Mieten und Bewirtungsdienstleistungen. Wohnungsmieten erhöhten sich laut Statistik Austria gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent, die Bewirtungsdienstleistungen wurden um 2,8 Prozent teurer. Auch die Beherbergungsdienstleistungen zogen um 4,7 Prozent deutlich an. Um 1,4 Prozent billiger wurde Telefonieren.
Insgesamt kletterten die Preise in der Ausgabengruppe "Restaurants und Hotels" im November im Jahresabstand durchschnittlich um 3,2 Prozent und in der Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser, Energie" um 1,4 Prozent. Instandhaltungen von Wohnungen wurden um 0,9 Prozent teurer. Haushaltsenergie verbilligte sich dagegen nur marginal um 0,2 Prozent, wobei die Preise für Gas und Heizöl um 2,7 bzw. 2,4 Prozent sanken. Die Preise für Fernwärme und Strom hingegen stiegen um 1,5 bzw. 1,4 Prozent.
Die Preise im Bereich "Freizeit und Kultur" erhöhten sich um 1,2 Prozent. Zeitungen, Bücher und Schreibwaren kosteten um 2,7 Prozent mehr, Freizeit- und Kulturdienstleistungen um 2,1 Prozent. Billiger wurde Telefonieren, nämlich um 1,4 Prozent.
"Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" verteuerten sich ebenfalls um 1,2 Prozent. Besonders stark gestiegen sind die Preise für Fische, nämlich um 4,9 Prozent. Fleisch war um 2,1 Prozent teurer, Brot um 1,5 Prozent, Obst um 1,7 Prozent und Milch, Käse und Eier um 0,3 Prozent. Bei Gemüse kam es jedoch zu einer Verbilligung um 4,7 Prozent. Die Preise für alkoholfreie Getränke zogen um 2,0 Prozent an.
Die Treibstoffpreise, lange Zeit die Preistreiber Nummer eins, erwiesen sich im Jahresabstand mit minus 0,3 Prozent fast preisstabil. Der Preis für Flugtickets ins Ausland gab um 4,5 Prozent nach. Im Oktober betrug der Rückgang 11,1 Prozent. Reparaturen für private Verkehrsmittel verteuerten sich um 3,5 Prozent. Insgesamt stiegen die Preise in der Ausgabengruppe "Verkehr" nur moderat um 0,4 Prozent.
Im Monatsabstand stiegen vor allem die Preise für "Bekleidung und Schuhe", nämlich um 1,1 Prozent. Durch die Umstellung von der Herbst- auf die Winterkollektion verteuerten sich Bekleidungsartikel um 1,3 Prozent, Schuhe um 1,1 Prozent. Preisdämpfend wirkten sich billigere Flugtickets ins Ausland und Treibstoffe aus - Flugtickets waren um 10,9 Prozent günstiger, Treibstoffe um 0,7 Prozent.
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