Innsbruck

Ö3-Weihnachtswunder, oder: Wo Laborratten Flöte spielen

Spendenmarathon mit Stargästen: Das Ö3-Weihnachtswunder macht in Innsbruck Station.

Innsbruck –Andi Knoll spielt Flöte. Enthusiastisch und engagiert – und vielleicht wird’s irgendwann sogar richtig gut, wenn er so brav weiterübt. Spielraum nach oben wäre nämlich da, befindet Robert Kratky, der etwas spöttisch die Nase rümpft, als sein Radio-Kompagnon erzählt, dass sein nigelnagelneues Instrument jetzt mal ein Päuschen bräuchte – weil es sonst verstimmt klingt. „Glück gehabt“, meint Kratky – und grinst.

Necken ist erlaubt, streiten unerwünscht: Von heute bis 24. Dezember 10 Uhr müssen es die beiden Ö3-Urgesteine gemeinsam mit Kollegin Gaby Hiller schließlich auf engstem Raum miteinander aushalten: Für das Ö3-Weihnachtswunder ziehen sie in ein gläsernes Studio vor der Annasäule, um von dort aus 120 Stunden lang nonstop Hörerwünsche zu erfüllen – allerdings nur gegen Bares. Für den „Licht ins Dunkel“-Soforthilfefonds soll schließlich ein ordentlicher Batzen Geld zusammenkommen, im Vorjahr war es am Ende mehr als eine Million Euro. Will man das heuer toppen? Kratky winkt ab. „Das ist nicht unser vordergründiges Ziel: Uns geht’s vielmehr darum, die Welt ein bisschen besser zu machen. Und deshalb freuen wir uns über jede noch so kleine Spende“, sagt der Aufwecker der Nation, der berufsbedingt ein Frühaufsteher ist. Und für die Spendenaktion nun seinen Schlafrhythmus über den Haufen wirft – wie seine Marathon-Begleiter kriegt er pro Tag höchstens vier Stunden Schlaf. Getankt werden kann der in einem ans Studio angrenzenden Container, in dem zwei Stockbetten stehen, die fürs Powernapping gedacht sind. „Ich lieg gaaaanz weit weg von Roberts Kopf“, verrät Andi Knoll und analysiert Kratkys kleine Nachtmusik-Einlagen, die er ganz ohne Instrument hinkriegt. Aber kriegt man sich angesichts so viel Nähe nicht zwangsläufig in die Haare? Beide winken ab und einem Passanten zu, der aufgeregt ins Glas-Studio stiert. Irgendwie komisch, diese Auslagen-Situation, oder? Kratky lacht: „Am Anfang kommt man sich schon wie eine Laborratte vor, aber das legt sich mit der Zeit“.

Apropos Zeit: Es wird keine Sekunde geben, in der das Studio leer steht – wer sich davon überzeugen will, hat rund um die Uhr Gelegenheit dazu. Und wer das Gefühl hat, sein Talent vor Publikum unter Beweis stellen zu müssen, ist herzlich eingeladen, bei der Wunschhütte vorstellig zu werden. „Je später der Abend, desto niedriger kann das Niveau sein“, lacht Knoll, während Kratky von einem singenden Postler schwärmt, der ihn im Vorjahr zu Tränen rührte. Dem gläsernen Studio werden aber auch heimische Stars wie Wanda, Seiler & Speer, Bilderbuch und Rainhard Fendrich einen Besuch abstatten – wer wann kommt, erfahren Sie auf oe3.orf.at/weihnachtswunder. Sie können aber auch direkt ans Studiofenster klopfen, vielleicht übt Andi Knoll ja gerade Flöte. (fach)