„Designated Survivor“: Kiefer Sutherland ist plötzlich Präsident

Eine Bombe zerstört das US-Kapitol. Der Präsident und seine Regierung kommen ums Leben. Von einem unbedarften Kabinettsmitglied wird nun erwartet, zum Führer der freien Welt aufzusteigen.

Tom Kirkman sollte eigentlich aus der Regierung entlassen werden - stattdessen steigt er nach einem Terroranschlag zum Präsidenten auf.
© Netflix

Von Matthias Sauermann

Washington/Innsbruck – Zu besonderen Anlässen, wie der Rede zur Lage der Nation, versammelt sich die gesamte Führungsriege der USA an einem Ort – dem Kapitol. Um im Falle eines katastrophalen Anschlages, der die Regierung vernichten könnte, dann nicht führungslos dazustehen, gibt es seit einigen Jahrzehnten einen sogenannten „designated survivor“. Gemeint ist damit ein Kabinettsmitglied, das abseits des Versammlungsortes unter strengste Bewachung gestellt wird. Trifft ein Anschlag das Kapitol in diesem Moment, wird der- oder diejenige Präsident.

Diese Fakten – einen „designierten Überlebenden“ gibt es seit dem Kalten Krieg – nimmt die neue Netflix/ABC-Serie „Designated Survivor“ zum Anlass, diesen Fall durchzuspielen: Was passiert, wenn ein völlig unvorbereiteter Mann in der schwersten Stunde der USA plötzlich ins Oval Office gedrängt wird.

Im Kapuzenpulli zum mächtigsten Mann der Welt

Der Zuseher kann dabei zuschauen, wie Tom Kirkman nach dem verheerenden Attentat auf das US-Kapitol im Kapuzenpulli ins Weiße Haus geführt wird. Wo er ad hoc vereidigt wird und plötzlich die Geschicke der Nation leiten muss. Dabei versucht er sein Bestes, Ordnung in das Chaos zu bringen. Sich mit den Niederungen der Politik herumzuschlagen. Und gleichzeitig nicht zu vergessen, an was er eigentlich glaubt. Schwere Aufgaben in Anbetracht der Tatsache, dass der von Kiefer Sutherland gespielte Kirkman selbst nicht weiß, ob er dem Job überhaupt gewachsen ist.

Während der unerfahrene Präsident im Weißen Haus auf sich alleine gestellt ist, ermittelt das FBI rund um den Anschlag. Es gibt Zweifel, wer tatsächlich hinter dem Bombenattentat steckt. Und trotzdem wird bereits Stunden nach der Katastrophe nach Rache gelechzt – und der Präsident zum Krieg gedrängt. Man merkt rasch: Tom Kirkman steht der schwersten Prüfung seines Lebens gegenüber. Und ahnt, wie schwer es ist, US-Präsident zu sein.

Ein kleines „House of Cards“

Nach der US-Wahl und dem vorangegangenen Wahlkampf könnte man meinen, dass die Öffentlichkeit erst einmal genug hat von der Politik jenseits des Atlantiks. Dem Erfolg von „Designated Survivor“ nach zu urteilen ist dem nicht so. Die Vorstellung, was auf einen Mann niederprasselt, der ohne gewählt zu sein durch einen Zufall ins Präsidentenamt gehievt wird, verspricht Spannung.

Vielleicht fällt der Start der Serie nach der Wahl von Donald Trump auch einfach sehr günstig. Während sie Präsident Kirkman zuschauen, fragen sich wohl viele Zuschauer, wie es Donald Trump im Weißen Haus ergehen wird. Übrigens hat der fiktive Tom Kirkman dem tatsächlichen designierten US-Präsidenten Donald Trump eines voraus: Im Gegensatz zu Trump war Kirkman als Minister Teil der Regierung – und verfügt damit über Polit-Erfahrung.

Genau hier liegt wohl ein großer Kritikpunkt an der Serie begraben. Die Macher erwecken den Eindruck, dass Kirkman als völlig unerfahrener Politikneuling plötzlich Präsident wird. Sein Outfit (Kapuzenpulli) zu Beginn soll das wohl verdeutlichen. Ebenso die Tatsache, dass er kurz zuvor eigentlich noch hätte entlassen werden sollen. Tatsächlich war der Charakter jedoch zuvor bereits Minister in der Regierung – und kennt damit sowohl das Oval Office als auch den Politikbetrieb nicht nur vom Hörensagen. Es hat den Anschein, als ob der Kontrast noch stärker nach oben geschraubt werden sollte, um die Spannung zu erhöhen.

Dieser Kleinigkeiten zum Trotz bleibt zu sagen: Wer „House of Cards“ liebt, wird auch hier seine Freude haben. Und immerhin hat „Designated Survivor“ dem großen Bruder eines voraus: Seine Hauptcharaktere sind zum Teil sympathisch und prinzipientreu. Auch etwas, was man nach dem düsteren Bild, das „House of Cards“ von der US-Politik zeichnet, gar nicht mehr gewohnt ist.


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