Entschleunigung nach einem guten Lauf
Mit seinem Electro-Soul ist Sohn um die ganze Welt gereist. Auf dem zweiten Album „Rennen“ ist der Brite nun in Kalifornien angekommen.
Von Silvana Resch
Innsbruck –Für sein Indiepop-Electronica-Projekt Trouble over Tokyo bekam Christopher Taylor in seiner Heimat Großbritannien nicht die Aufmerksamkeit, die er verdiente. Das befand zumindest der britische Popkritiker Neil McCormick und setzte das Album „Pyramides“ auf die Top Ten der 2008 zu kurz gekommenen Pop-Perlen. Einzig in Österreich fand der R’n’B-infiltrierte Elektro-Sound von Trouble over Tokyo sein Publikum, ein kleiner Hype entstand um den Produzenten und so übersiedelte Taylor 2010 von London nach Wien. Dort erfand er sich mit seinem Projekt Sohn neu, er habe sich damals, mit Ende 20, wie sein eigener Sohn gefühlt, gibt der Brite in Interviews gerne zu Protokoll. Ansonsten spielt er das Enigma und inszeniert sich auf der Bühne als Hohepriester seines souligen, durch Hall und Rauch gleichermaßen entrückten Sounds.
Das neue Projekt stand unter einem guten Stern: 2012 ließ sich Lana Del Rey von Sohn remixen, er produzierte Kwabs und SZA, komponierte für Rihanna und Banks. Für sein Debüt „Tremors“ (2014) gab es schließlich gebührende Aufmerksamkeit, Kritik und Publikum waren gleichermaßen begeistert. Taylor raste von Gig zu Gig, gleich mehrmals ging es um die Welt. „Rennen“ heißt nun auch sein neues Albums, vom Titel sollte sich der Hörer allerdings nicht in die Irre führen lassen. Denn Sohn zelebriert darauf – dem Gospel und Blues auf der Spur – die Entschleunigung. Gleich im Auftaktsong „Hard Liquor“ wird eine Maschinenhalle zur Kathedrale, Taylors Stimme, die sich über die scheppernden und hämmernden Beats erhebt, wird bald sachte von Chören und Synthies durch einen weiten, leeren Raum getragen. Im Titeltrack „Rennen“ schraubt sich der Sänger gar – nur von Klavier begleitet – sehnsuchtsvoll-schmachtend bis ins Falsett: „It’s obvious the universe is trying to tell me to let go“ heißt es in dem schönen Stück.
In Kalifornien hat der Produzent, der mittlerweile mit Frau und Kind von Wien nach Los Angeles übersiedelt ist, die Ruhe für sein neues Album gefunden. Die Entspanntheit ist seinem Zweitling, auf dem die verstolperten Beats und Leerstellen präzise gesetzt sind, anzuhören. Mensch und Maschine geben sich den nötigen Raum.
Von kalten elektronischen Basteleien ummanteltes Herzeleid steht dank sensibler Songwriter wie James Blake und zuletzt auch Bon Iver ja hoch im Kurs. Sohn, der dieses viel beackerte Feld zwischen Alt-Pop, R’n’B und Electronica mit wahrer Meisterschaft bestellt, darf sich da freilich auch über prominente Fans freuen: Milla Jovovich ist im Video zur Single „Conrad“ zu sehen, der Hollywood-Star hat auch gleich die Regie übernommen – ganz ohne Gage. Via Twitter hat sie sich selbst dem Musiker angetragen. Sohn müsste seinem Erfolg eigentlich gar nicht mehr hinterherziehen.
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