Historisches Zypern-Treffen zunächst ohne Regierungsspitzen
Die UN geben sich zuversichtlich, dass den Zyprern die Wiedervereinigung ihrer Insel gelingt. Einzelheiten über Verhandlungsfortschritte gibt es aber nicht. Zu wenig für die Regierungschefs Erdogan, Tsipras und May, um nach Genf zu kommen.
Nikosia/Lefkosa – Die historische Zypern-Konferenz zur Wiedervereinigung der seit 43 Jahren geteilten Mittelmeerinsel beginnt trotz optimistischer Erwartungen nur auf Außenministerebene. Die zunächst für Donnerstag in Genf erwarteten Regierungschefs der Türkei, Griechenlands und Großbritanniens hielten sich vorerst zurück.
Recep Tayyip Erdogan, Alexis Tsipras und Theresa May als Vertreterin der einstigen Kolonialmacht würden womöglich im Laufe der Woche dazustoßen, sagte UN-Vermittler Espen Barth Eide am Mittwoch in Genf. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres wird die Konferenz eröffnen.
Davor wollten griechische und türkische Zyprioten noch Landkarten mit ihren Vorschlägen zur Grenzziehung austauschen – eines der erbittertsten Streitthemen bei den jahrelangen Versuchen der Annäherung. „Eine emotional sehr geladene Angelegenheit“, sagte Eide. Dabei geht es darum, welche Ländereien vertriebene griechische Zyprioten zurückbekommen.
Einzelheiten noch nicht bekannt
Ziel der Gespräche ist die Wiedervereinigung der seit 1974 geteilten Insel in einer Föderation mit zwei Bundesstaaten. Beide Seiten müssten die Ergebnisse in einem Referendum absegnen. Umstritten waren bisher unter anderem eine mögliche rotierende Präsidentschaft, der Grenzverlauf und ob die Türkei als Sicherheitsgarantie weiter Soldaten auf der Insel stationieren darf.
Eide äußerte sich sehr optimistisch über die Erfolgsaussichten: „Wir haben sehr produktive Verhandlungsrunden gehabt.“ Die Vorgespräche unter Leitung von Nikos Anastasiades für die griechischen und Mustafa Akinci für die türkischen Zyprer hätten zu den meisten schwierigen Fragen Antworten gefunden. Einzelheiten nannte er nicht. „Das Prinzip bleibt: nichts gilt als vereinbart, bis alles vereinbart ist“, sagte Eide.
Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zeigte sich zuversichtlich. Er hoffe auf eine Einigung. „Ohne das, was in Genf passiert, übermäßig dramatisieren zu wollen: Dies ist die allerletzte Chance, die Insel auf normalem Weg wieder zusammenzufügen.“
Juncker selbst wird am morgigen Donnerstag zu den Gesprächen nach Genf reisen, wie er sagte. Er habe sich eingebracht, weil Zypern ihn persönlich interessiere. (APA/dpa)
Kommentare