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„Eventuell“ Karriereende: Kostelic nahm Abschied von Wengen

Ivica Kostelic.
© Reuters

Der Kroate denkt zwar noch an die WM in St. Moritz, aber auch an die Frage, ob es Sinn macht“.

Wengen – 2015 ist Ivica Kostelic als Dritter der Kombination in Wengen das letzte Mal auf dem Weltcup-Podest gestanden. Ebendort nahm der Gewinner der Großen Kristallkugel von 2011 am Freitag als Kombi-22. seinen Abschied vom Weltcupzirkus. „Eventuell“ war es das überhaupt letzte Rennen, wie der 37-Jährige mit viel Wehmut anmerkte. „Ich habe Skifahren so gerne. Es ist schwer zu sagen, das ist es.“

Das kleine Dorf Wengen im Berner Oberland hat für Kostelic eine besondere Bedeutung, er fühle sich dort wie in einer „Zeitmaschine“, sagte er vor einem Jahr im Interview. Trotz anhaltender Knieschmerzen war er damals zum Abschied noch nicht bereit, denn zuerst war der Zagreb-Slalom ausgefallen und dann fand der Wengen-Torlauf nicht auf dem Originalhang statt. Und beides wollte er noch einmal als Aktiver erleben.

„Wollte unbedingt ins Ziel kommen“

„Ich wollte unbedingt noch einmal hier fahren. Es ist die Mutter aller Slalomhänge. Alle Slalomhänge haben etwas von Wengen, nur Wengen hat alles. Überhänge, steil, flach, es hängt auf die eine, auf die andere Seite. Ein super Hang, der ziemlich gleich geblieben ist wie in alten Zeiten. Cool, wenn man auf einer Piste fahren kann, auf der schon die alten Legenden fuhren. Hier ist so viel Geschichte“, sagte Kostelic am Freitag, nachdem er zum Publikum winkend und lachend nach dem Slalom abgeschwungen hatte. 14. war er zur Kombi-Halbzeit.

„Ich wollte unbedingt ins Ziel kommen, habe kein Risiko genommen“, sprach er vor Journalisten über seine Gefühle. „Es war ein langer Weg. Ich bin seit 30 Jahren Skifahrer, ich weiß nicht, wie die anderen für das Skifahren fühlen, aber für mich war das mehr als Liebe. Ich habe 14 Operationen gehabt in meiner Karriere, bin immer zurückgekommen.“

Ob sich diese Liebe nicht noch etwas bis zur WM in St. Moritz, wo er 2003 Slalom-Weltmeister wurde, ausdehnen ließe? „Ich denke noch daran. Aber das Problem ist, dass ich immer mehr Schmerzen habe und immer mehr Medikamente nehmen muss. Und einmal fragt sich ein Mensch, macht das Sinn, oder nicht? Die Medikamente helfen ein bisschen, aber es schmerzt, und dann ist es nicht mehr lustig.“

Nur Olympia-Gold fehlt

Beim Spezialslalom Anfang Jänner in Zagreb hatte sich Kostelic von seinem Heimpublikum verabschiedet, die Qualifikation für den zweiten Durchgang klappte nicht. Doch Wengen ist auch ein würdiger Schauplatz zum Aufhören, 13 Mal schaffte er es auf das Podest, viermal gewann er den Slalom und zweimal die Kombination. Insgesamt erreichte er in seiner Laufbahn bei 361 Starts 26 Weltcupsiege und 60 Stockerlplätze.

Das Einzige, das Kostelic in seiner Sammlung fehlt, ist Olympia-Gold. „Ich wurde Gesamtweltcupsieger. Das ist der größte Preis für einen Alpinsportler. Ich wurde oft auf meine vier Silbermedaillen bei Olympia angesprochen. Ich war immer sehr zufrieden mit Silber. Ich habe gesagt: Schau, wir Männer wollen alle einen Sohn haben. Aber was ist, wenn wir vier Töchter haben? Sind wir zufrieden oder nicht? Natürlich! Ein glücklicher Mensch mit vier Kindern! Das ist ein großer Segen“, sagte der Vater zweier Söhne zur APA.

Zu Ende ging auch die Erfolgsstory der Familie Kostelic. Unter Vater Ante leisteten Ivica und seine Schwester Janica, die ihm mit drei Gesamtweltcupsiegen, vier Olympia- und fünf WM-Titel überflügelte und im Alter von 25 Jahren ihre Karriere beendete, Großartiges für den Skisport in ihrer Heimat. „Wir hatten einen schwierigen Weg. Durch unsere Erfolge müssen die anderen nicht diesen schweren Weg gehen. Wenn ich sehe, dass jemand aus meinen Siegen und Erfolgen einen Nutzen gezogen hat, ist das der größte Erfolg“, sagte Ivica Kostelic.

Kostelic wird auch als einer der letzten Kämpfer für die nicht mehr existierende klassische Kombi in Kitzbühel in die Geschichte eingehen. „Ich habe nie für mein persönliches Interesse gesprochen. Hier wird eine Tradition zerstört. Für etwas, das weniger wert ist. Was sportlich weniger wert ist, dafür interessieren sich weniger“, warnte Kostelic. (APA)