The xx: Zusammen ist man weniger allein
„The xx“ besinnen sich auf ihrem neuen Album auf alte Stärken. Einengenden Blicken setzen sie ihre Sicht entgegen.
Von Silvana Resch
Innsbruck –Nach dem Rückzug aus der Öffentlichkeit und einer beinahe verschüchterten Innenschau, nachzuhören auf dem Album „Coexist“ (2012), blickt das Londoner Trio The xx mit offenem Blick auf die Welt – und aufeinander. „I See“, so der Titel der dritten Arbeit der Indiepop-Heroen, ist eine Hymne an die Freundschaft. Romy Madley Croft, Oliver Sim und Jamie xx Smith hatten sich mit ihrem Debüt 2009 ins Zentrum der Aufmerksamkeit katapultiert. Überraschend und verstörend nicht nur für die damals Anfang 20-Jährigen selbst, überraschend auch für Teile der wenig zartfühlenden britischen Presse, die sich über die schüchternen, ungelenken „Suburban Goths“ amüsierte. Mit ihren kühl-perlenden, zerbrechlich-klaren Popsongs trafen The xx dabei geradewegs den Nerv der Zeit. Keine der angesagten TV-Serien wollte auf diesen mittlerweile vielkopierten xx-Sound verzichten. Und auch die Modewelt erkannte in der Verwundbarkeit, die Croft und Sim in ihren Duetten offenlegten, eine unbezahlbare Tugend. Die zurückhaltende Melancholie von The xx atmet eine betörende Nähe, die Freundschaft der beiden sensiblen Künstler besteht seit Kindergartentagen. Etwas später sollte sich auch Jamie Smith zum Gespann Sim/Croft dazugesellen.
Die Richtung, die die Band nun auf ihrem dritten Album nimmt, hat der gefragte Produzent Jamie xx nun mit seiner pophistorisch wohlinformierten Solo-Platte „In Colour“ (2015) vorgegeben: feinste Popmelancholie für den Dancefloor im eigenen Wohnzimmer.
Den geschützten Raum haben The xx dabei längst verlassen: In New York spielte das Trio 25 Konzerte vor jeweils 50 Zuschauern. Um sich unter das illustre Publikum mischen zu können– Madonna, Beyoncé oder Frank Ocean zählen zu den Bewunderern –, sollen tausend Dollar für Tickets hingeblättert worden sein. In diesem intimen Rahmen hat sich die Band wohl auch vom Erwartungsdruck freigespielt, der vermeintlichen Intimität wird eine Absage erteilt, nachzuhören im Song „Performance“. Eindringlicher und intensiver denn je stimmt Romy Madley Croft in dieser Ballade die Zeilen „I put on a performance/It is all a show“ an. The xx wissen um ihre Funktion als Projektionsfläche.
Für „Coexist“ hatten sich die Briten noch in London eingeschlossen und um Reduktion bemüht, beim neuen Album sollte alles anders sein. Bevor es in Los Angeles ins Studio ging, wurde auf der Anreise von Seattle ausgiebig Musik gehört und die vorbeiziehende Landschaft betrachtet. Das Gefühl der zurückgewonnenen Freiheit ist verhallten, treibenden Stücken wie „I Dare You“ anzuhören. Freundschaft braucht Verbindendes und Freiräume, das wissen die drei seit Kindheitstagen.