The Flaming Lips

Kleiner Space-Trip mit Familie

Wayne Coyne von „The Flaming Lips“ durchforstet seit mehr als 30 Jahren die psychedelischen Klangwelten der 1960er-Jahre .
© George Salisbury

Die routinierten Psychedeliker „The Flaming Lips“ laden zum Trip durch ihren versponnenen Kosmos. Miley Cyrus schwingt den Zauberstab.

Innsbruck –Gäbe es in dem grellbunten Technicolor-Abenteuer „Zauberer von Oz“ Videospielautomaten, sie würden wohl so klingen wie das fröhlich-hysterische Gefiepe und Gebimmel, das die Flaming Lips dem letzten Stück „We a Famly“ auf ihrem neuen Album „Oczy Mlody“ vorangestellt haben. Miley Cyrus, die mit dem Quintett aus Oklahoma bereits an ihrem Gratis-Mixtape „Miley Cyrus & Her Dead Pets“ werkte, hat in dieser versponnen schönen Nummer ihren Alice-im-Wunderland-Auftritt: Mit glasklarer Kinderstimme beschwört sie gemeinsam mit dem gerne Hasenkostüme tragenden Flaming-Lips-Frontmann Wayne Coyne familiäre Bande. Ein quitschbunter Space-Trip zu heillos übersteuerten Beats, immer weiter durch zeitlos­e Synthie-Galaxien – selbst Jesus wurde in dieses Raumschiff gepackt. In dem irren Kosmos der US-Psychedeliker leistet der Erlöser grünäugigen Einhörnern, Elfen und Zauberern Gesellschaft. Und weil das ohne Drogen nur den halben Spaß machen würde, gibt es auf dem 15. Studio­album der Flaming Lips reichlich davon. „Oczy Mlody“ sei ein erfundenes Wort, das ihn entfernt an den Klang einer Psychopharmaka-Marke erinnere, so Coyne in einem YouTube-Video. Der Titel umfasst eine versponnene Dystopie, in der sich Superreiche ihre eigene Realität erschaffen.

Auch die Flaming Lips haben sich ihre eigene wunderliche Wirklichkeit gezaubert: von Live-Shows über Sci-Fi-Filmabenteuer zu Performances und Pop-Art. Für diesen Sommer haben die US-Künstler ein neues Filmprojekt angesetzt: „Pink Floyd in Pompeji“ soll in einem Amphitheater in Oklahoma aufgezeichnet werden. Fans könnten sich zuvor schon in dem kunstfertig-schrägen, dunklen Hörabenteuer „Oczy Mlody“ mit seinem R’n’B- und HipHop-gefärbten psychedelischen Pop verlieren. (sire)