Kleiner Space-Trip mit Familie
Die routinierten Psychedeliker „The Flaming Lips“ laden zum Trip durch ihren versponnenen Kosmos. Miley Cyrus schwingt den Zauberstab.
Innsbruck –Gäbe es in dem grellbunten Technicolor-Abenteuer „Zauberer von Oz“ Videospielautomaten, sie würden wohl so klingen wie das fröhlich-hysterische Gefiepe und Gebimmel, das die Flaming Lips dem letzten Stück „We a Famly“ auf ihrem neuen Album „Oczy Mlody“ vorangestellt haben. Miley Cyrus, die mit dem Quintett aus Oklahoma bereits an ihrem Gratis-Mixtape „Miley Cyrus & Her Dead Pets“ werkte, hat in dieser versponnen schönen Nummer ihren Alice-im-Wunderland-Auftritt: Mit glasklarer Kinderstimme beschwört sie gemeinsam mit dem gerne Hasenkostüme tragenden Flaming-Lips-Frontmann Wayne Coyne familiäre Bande. Ein quitschbunter Space-Trip zu heillos übersteuerten Beats, immer weiter durch zeitlose Synthie-Galaxien – selbst Jesus wurde in dieses Raumschiff gepackt. In dem irren Kosmos der US-Psychedeliker leistet der Erlöser grünäugigen Einhörnern, Elfen und Zauberern Gesellschaft. Und weil das ohne Drogen nur den halben Spaß machen würde, gibt es auf dem 15. Studioalbum der Flaming Lips reichlich davon. „Oczy Mlody“ sei ein erfundenes Wort, das ihn entfernt an den Klang einer Psychopharmaka-Marke erinnere, so Coyne in einem YouTube-Video. Der Titel umfasst eine versponnene Dystopie, in der sich Superreiche ihre eigene Realität erschaffen.
Auch die Flaming Lips haben sich ihre eigene wunderliche Wirklichkeit gezaubert: von Live-Shows über Sci-Fi-Filmabenteuer zu Performances und Pop-Art. Für diesen Sommer haben die US-Künstler ein neues Filmprojekt angesetzt: „Pink Floyd in Pompeji“ soll in einem Amphitheater in Oklahoma aufgezeichnet werden. Fans könnten sich zuvor schon in dem kunstfertig-schrägen, dunklen Hörabenteuer „Oczy Mlody“ mit seinem R’n’B- und HipHop-gefärbten psychedelischen Pop verlieren. (sire)