Gesundheit

Reserve aus der Nabelschnur

Die Abnahme von Nabelschnurblut erfolgt erst, wenn das Kind abgenabelt ist. Dieses Blut enthält viele unreife Stammzellen.
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Stammzellen aus der Nabelschnur haben besondere Eigenschaften. Eltern können sie für ihr Kind und Geschwister vorsorglich einfrieren lassen. Das hat Vor-, aber auch Nachteile.

Von Theresa Mair

Innsbruck –Machen oder bleiben lassen? Immer neue Möglichkeiten zwingen Eltern schon in der Schwangerschaft zu teils schwierigen Entscheidungen. Immerhin werden die Weichen für ein gutes Leben früh gestellt. Die Frage, was das Beste für das Kind ist, ist dabei manchmal gar nicht so einfach zu beantworten – vor allem wenn die finanziellen Mittel, wie so oft bei jungen Eltern, nicht unendlich sind. Eine solche Option, für die sich in den vergangenen Jahren immer mehr werdende Eltern interessieren, ist die Entnahme von Nabelschnurblut und Nabelschnurgewebe.

Sie hoffen, damit im Fall des Falles für eine schwere Krankheit des Kindes mit jungen, unreifen und vor allem körpereigenen Stammzellen gerüstet zu sein. Die Entscheidung dafür müssen sie in der Regel sechs bis acht Wochen vor der Geburt treffen. Dann unterzeichnen sie einen Vertrag mit der privaten Stammzellbank Vita 34, der einzigen in Österreich tätigen Nabelschnurbank mit Sitz in Leipzig. „Wir bieten die Einlagerung seit 1997 an und haben insgesamt schon über 145.000 privat eingelagerte Nabelschnurpräparate, 18.000 aus Österreich“, sagt Vita-34-Österreich-Geschäftsführer Gernot Erlach. Die Kosten für das Einfrieren beginnen bei 2000 Euro, die Lagerungsgebühr pro Jahr (ab rund 50 Euro) noch nicht eingerechnet. Der Preis hängt davon ab, ob man nur Nabelschnurblut oder zusätzlich Nabelschnurgewebe einfrieren lässt. Als Zusatzoption ist es kostenlos, die wertvollen Zellen bei Bedarf einem fremden Empfänger zur Verfügung zu stellen.

Der eigentliche Ablauf der Entnahme von Nabelschnurblut ist für Mutter und Kind risikolos und in jedem Tiroler Kreißsaal möglich. „Das Kind kommt ganz normal auf die Welt. Das Procedere beginnt, sobald das Kind abgenabelt ist. Wir haben eine ganz genaue Arbeitsanweisung von der Nabelschnurblutbank, nach der wir vorgehen. Das Kind wird abgenabelt und dann von der Nabelschnurvene Blut abgenommen“, sagt Anouk Gaber-Wagener, Oberärztin im Kreißsaal der Innsbrucker Uniklinik.

Das Blut wird von der Nabelschnurvene aus der Plazenta genommen.
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Wenn das Kind – oder auch Geschwister – schwer erkrankt und Stammzellen braucht, „muss entschieden werden, ob eigene Stammzellen oder fremde Stammzellen sinnvoll sind“, erklärt Vita-34-Experte Erlach. So mache eine Eigenspende bei angeborenen genetisch bedingten Erkrankungen keinen Sinn. Grundsätzlich werden Nabelschnur-Stammzellen laut Erlach bei Krebserkrankungen, Blutbildungsstörungen und kindlichen Hirnschädigungen eingesetzt. „Unsere Leistung ist, dass die Nabelschnur sicher verwahrt wird, wir geben keine Garantie für Heilung. Es gibt aber eine Menge Therapieansätze und Verwendungen“, stellt Erlach klar.

Tatsächlich stünden laut Vita 34 für die Zukunft etliche Therapiemöglichkeiten im Raum, wie etwa die Behandlung von Parkinson und Alzheimer, sowie Diabetes Typ I und Multipler Sklerose. Mit den Stammzellen soll sogar irgendwann Gewebe nachgezüchtet werden können.

Die Zukunft ist für die Kinder-Hämatologin und Onkologin Gabriele Kropshofer von der Innsbrucker Uniklinik jedoch noch zu weit weg. „Inwieweit eigene Stammzellen zum Beispiel bei Herzinfarkt helfen, ist noch viel zu unausgegoren.“ Das Sichern des Nabelschnurbluts für Geschwister und das Anlegen einer Nabelschnurblutbank sei wegen der besonderen Eigenschaften von unreifen Stammzellen – sie können Blut, aber z. B. auch Knochen bilden – jedoch prinzipiell sinnvoll. Der Nutzen für das Kind selbst sei aber gering. „Wenn es beispielsweise an Leukämie erkrankt, kann man es gar nicht anwenden.“

Die Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie empfehle die ausschließliche Eigenspende von Nabelschnurblut deshalb derzeit nicht. Für den dramatischen Fall, dass ein Kind bereits schwer erkrankt ist, werde in Innsbruck auch kostenlos Nabelschnurblut von neugeborenen Geschwistern entnommen und konserviert. Die Entscheidung liegt wie immer bei den Eltern.