“Tatort“: Wenn Sieger vom Weg abkommen

Wenn Sieger vom Weg abkommen

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Umgedrehte Dramatik: „Schock“ heißt Rupert Hennings zweiter „Tatort“, in dem es keinen Mord zu klären, sondern zu verhindern gilt.

Innsbruck –„Ich bin normal“, schickt Medizinstudent David voraus – und eine tödliche Ankündigung hinterher. Er will zuerst seine Eltern und dann sich selbst umbringen. Warum? David wird es später erklären – in einem ausführlichen Live-Stream, der das Ermittler-Duo Bibi Fellner und Moritz Eisner in die Bredouille bringt. Denn so richtig netzaffin sind die Ermittler der alten Schule nicht. Aber Zeit für einen Online-Crashkurs bleibt nicht, die Uhr tickt. Und David scheint es ernst zu meinen. Dabei gibt’s augenscheinlich keinen Grund für die geplante Wahnsinnstat: Der potenzielle Täter ist kein psychisch labiler Außenseiter aus einem schwierigen Milieu. Seine reichen Eltern sind erfolgreiche Akademiker, er selbst ist auf dem besten Weg dorthin.

Und genau diese Ausgangslage hat „Tatort“-Regisseur Rupert Henning an seinem zweiten Mord-am-Sonntag-Einsatz, für den er auch das Drehbuch schrieb, so gereizt. „Ich hab’ mir die Frage gestellt, was passiert, wenn nicht die Verlierer, sondern die Sieger beschließen auszusteigen“, erzählt er der TT. Und spricht vom Leistungsdruck, der heutzutage auf jungen Menschen lastet. „Auch wenn man sein Leben lang brav alle Hausübungen macht, heißt das noch lange nicht, dass man den Job bekommt, von dem man träumt“, weiß Henning. Und das weiß auch David, dessen Freundin an diesem Druck zerbrach – und der er ein Mahnmal setzen will. Ein komplexer Plot für die – laut Henning – „größtmögliche Bühne, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu bieten hat“. Ein etwaiger Quotenrekord ist für ihn dabei nebensächlich, vielmehr geht’s ihm darum, eine Botschaft zu vermitteln. „Davids Vater sagt an einer Stelle, dass es nicht darauf ankommt, wer man ist, sondern was man ist: Ich seh’ das anders. Im Leben geht’s nicht darum, eine gute Rente zu bekommen, sondern glücklich zu werden“, sagt der zweifache Vater.

Zum „Tatort“-Cast zählt auch Hennings Frau Mercedes Echerer, die eine übermotivierte Sozialwissenschafterin spielt. War es da schwierig, das Private vom Beruflichen zu trennen? „Während der Dreharbeiten haben wir nicht zusammengewohnt: Ich hab’ mich von meiner Frau Mercedes verabschiedet und bin ihr am Set als Schauspielerin begegnet. Als der Film fertig war, haben wir uns als Paar wiedergetroffen: Solche Auszeiten halten eine Beziehung dynamisch“, erklärt Henning. Apro­pos Beziehung: Wie geht es mit der von Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) weiter? Könnte man dem Ermittler-Duo als Drehbuchautor eine Lovestory auf den Leib schreiben? Henning lacht: „Es gibt schon bestimmte Regeln, an die man sich halten muss. Eine solche Figurenentwicklung müsste von der Redaktion abgesegnet werden. Das Gute ist aber, dass sich beide gegen eine Liebelei wehren: Das hält ihr Miteinander frisch.“ (fach)

„Schock“: Am Sonntag um 20.15 Uhr in ORF 2

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