Standort Tirol

Sozialbau auf Rekord, Kitz mit WE-Deal

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Das Areal, das Kitzbühel der WE für ihr 5-Euro-Miethausprojekt gab, hatte die WE zuvor der Stadt geschenkt. Gemeinnützige auf Rekordkurs.

Von Max Strozzi

Steinach –1512 Wohnungen wollen Tirols gemeinnützige Wohnbauträger heuer fertig stellen. Dies sei ein neuer Rekord, wie Landesobmann Franz Mariacher in der „Arche“ in Steinach mitteilte. Das Bauvolumen steige auf 343 Mio. Euro – ebenfalls Rekord.

Unter anderem errichtet die Wohnungseigentumsgesellschaft, kurz WE, in Kitzbühel so genannte 5-Euro-Mietwohnungen auf einem Grundstück der Stadt. Das Grundstück hat die Stadt per Baurechtsvertrag um 1 Euro an die WE vergeben. Für diese angebliche Großzügigkeit haben sich die Kitzbüheler Stadtspitze und Tirols Politik feiern lassen. Wohnbau-LR Johannes Tratter hob dies als vorbildliches Beispiel heraus. Es sei „ein tolles Signal, wenn die Stadt das Heft in die Hand nimmt“. Ganz nach dem Motto: Wenn 5-Euro-Wohnungen sogar im teuren Kitzbühel möglich sind, müsste das doch überall möglich sein.

Nur: Ein wichtiges Detail in dem Kitzbüheler Deal blieb bislang unerwähnt. Das Grundstück, das die Stadt Kitzbühel der WE um 1 Euro zur Verfügung stellt, hat sie nämlich 2009 selbst von der WE geschenkt bekommen. Konkret trat die WE damals im Zuge der Errichtung einer angrenzenden Wohnsiedlung einen Teil des Areals kostenlos an die Stadt ab (als Stadion-Parkplatz) – dieses Grundstück bekommt die WE nun von der Stadt für den Bau der 5-Euro-Wohnungen zurück, wie WE-Chef und Ex-Landesrat Christian Switak bestätigt.

Funktioniert dieses Modell in teuren Wohngegenden also nur, wenn die Gemeinde zuvor von Wohnbauträgern ein Grundstück geschenkt bekommt, das sie danach den Bauträgern wieder zurückgibt? „Nein“, meint Switak, „jede Gemeinde kann Grundstücke zur Verfügung stellen, wenn sie will. Diese Macht hat sie.“

Die Realität sieht allerdings häufig anders aus. Besonders in Innsbruck-Stadt sei es für gemeinnützige Bauträger fast unmöglich, ein Grundstück zu förderungswürdigen Preisen zu bekommen, betonte gestern Landesobmann-Stv. Markus Lechleitner. Auf dem Land sei dies noch einfacher, allerdings sei man hier in der Bauhöhe mit meist zwei Obergeschoßen eingeschränkt.

Im Vorjahr verbauten Tirols Gemeinnützige 330 Mio. Euro – ein Teil davon floss in die Instandhaltung. Insgesamt wurden 1347 Wohnungen fertig gestellt. In den derzeit knapp 66.700 von den Gemeinnützigen verwalteten Wohnungen wohnen mehr als 100.000 Menschen, betonten die Chefs der Bauträger. Mieter würden laut Statistik Austria knapp 6,40 Euro je Quadratmeter inklusive Nebenkosten ohne Heizung zahlen. Bei privat vermieteten Wohnungen sei die Miete um 50 % höher.

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