Blog kritisiert Selfies beim Holocaust-Denkmal
Der in Israel geborene und in Deutschland lebende Satiriker Shahak Shapira hält mit seinem am Mittwoch gestarteten Projekt “Yolocaust“ der Generation Selfie den Spiegel vor. Er unterlegt in den sozialen Medien gepostete Bilder vom Berliner Holocaust-Mahnmal mit historischen Fotos aus KZs.
Innsbruck - Inmitten des historischen Berlins, nur unweit des Brandenburger Tors, befindet sich das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Auf einer Fläche von 19.000 Quadratmeter stehen 2711 bis zu zwei Meter hohe Betonstelen als Erinnerung an die während des Holocaust ums Leben gekommenen Juden.
Das Mahnmal gehört zu den beliebtesten Zielen für Touristen in der deutschen Hauptstadt. Dass an dieser Stelle eigentlich an über sechs Millionen Tote gedacht werden soll, ist vielen Besuchern aber oft nicht bewusst - oder wird ob des ansehnlichen Fotomotivs bewusst ignoriert. Springend, liegend und sich zwischen zwei der Betonquader spreizend: Die Formen der Fotos, die beim Berliner Holocaust-Mahnmal gemacht wurden und in den sozialen Medien kursieren, sind vielfältig.
Auf diesen Missstand will nun der in Israel geborene und in Berlin lebende Satiriker Shahak Shapira aufmerksam machen. Bei seinem neuen Projekt „Yolocaust" verfremdet er Bilder von Menschen, die beim Holocaust-Mahnmal Fotos von sich gemacht und dann auf Facebook, Twitter und Co. hochgeladen haben. So steht ein Paar, das sich beim Selfie-Machen hat fotografieren lassen, plötzlich nicht mehr zwischen den grauen Säulen, sondern inmitten eines KZ-Schlafsaales. Und zwei Jugendliche springen nicht mehr von den Betonstelen, sondern von einem Leichenberg.
"Würdest du Yoga auf einem Friedhof machen?"
In einem Interview mit jetzt.de sagte Shapira, dass er den Leuten nicht sagen wolle, was sie machen dürfen und was nicht. „Das muss jeder selbst entscheiden. Ich will sie aber zum Nachdenken bringen. Die Bilder zeigen, wie schnell Erinnerung in Vergessenheit geraten kann."
Das Projekt solle keine Anschuldigung sein, bekräftigt der Satiriker in dem Gespräch. Man wisse ja auch nicht genau, wofür die grauen Steine stehen, da es abstrakte Kunst sei. "Die häufigste Theorie ist aber, dass sie Grabsteine symbolisieren sollen. Würdest du Yoga auf einem Friedhof machen?" (bfk)