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Europol lanciert Projekt „Diamond“ gegen Juwelierräuber

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„Diamond“ fungiert als Nachfolgeprojekt des 2016 eingestellten Projekts „Pink Panther“, das unter Ägide von Interpol lief. Vor allem auf Initiative Österreichs und der Schweiz wurde dieses Nachfolgeprogramm ins Leben gerufen.

Den Haag - Die Überfälle der meist aus Staaten des Westbalkan stammenden Tätergruppen unter dem Namen „Pink Panther“ sind weitgehend unter Kontrolle. Aber es wurden in den vergangenen Monaten immer brutalere Coups anderer Räuber in mehreren europäischen Ländern registriert. Nicht zuletzt deshalb hat die europäische Polizeiagentur Europol das Projekt „Diamond“ ins Leben gerufen.

„Diamond“ fungiert als Nachfolgeprojekt des 2016 eingestellten Projekts „Pink Panther“, das unter Ägide von Interpol lief. Vor allem auf Initiative Österreichs und der Schweiz wurde dieses Nachfolgeprogramm ins Leben gerufen. „Wir haben gesehen, dass viele Tätergruppen aus mehreren Ländern in mehreren Bereichen der Eigentumskriminalität unterwegs sind“, erläuterte Michael Will, Sachgebietsleiter für organisierte Eigentumskriminalität, am Donnerstag im APA-Gespräch.

Gruppierungen aus unterschiedlichsten Weltgegenden

Neben Überfällen auf Juweliergeschäfte betrifft das Wohnungseinbrüche oder auch Bankomat-Sprengungen bis hin zu gut vorbereiteten Trickdiebstählen. Die Gruppierungen stammen aus den unterschiedlichsten Weltgegenden.

So handelt es sich bei den auf Trickdiebstähle bei Schmuckhändlern spezialisierten Tätern um eine Gruppe aus China aus einer Region unweit von Hongkong, die nicht zuletzt aufgrund ihrer geografischen Herkunft bei Europol als „Pink Pandas“ firmiert. Sie gehen in Geschäfte, lassen sich Preziosen zeigen, zahlen diese sogar an. Einige Tage später kommen sie wieder, um den fast schon erworbenen Schmuck abzuholen. Während das Personal abgelenkt wird, tauschen sie das wertvolle Stück durch eine vorher angefertigte Kopie aus und flüchten.

Eine der brutalsten Kriminalitätsformen sind sogenannte Rammbocküberfälle, wie sie zum Beispiel laut Will in Zürich beobachtet wurden. Die Täter steuern einen besonders schweren SUV während der Geschäftszeit in eine Auslage, springen aus dem Wagen, raffen Beutestücke an sich und flüchten. „Man sieht, dass das halbe Geschäftsportal zusammenstürzt“, schilderte Will. „Man muss froh sein, dass da bisher niemand zu Schaden gekommen ist.“

Neu ist auch, dass wieder vermehrt lateinamerikanische Tätergruppen stärker auf der Bildfläche erscheinen, vor allem aus Chile, Kolumbien, teilweise auch Verdächtige mit mexikanischen Pässen. „Das hatten wir früher einmal. Jetzt sind sie wieder da“, konstatierte Will. Dazu kommen rumänische Gruppen und Täter aus den baltischen Staaten.

Mehr als 70 Experten beteiligt

Im Rahmen des Projekts „Diamond“ will Europol nun ein Expertennetzwerk, bestehend aus Ermittlern der Mitgliedstaaten, zusammenholen. Am Donnerstag war nach einem vorbereitenden Treffen mit Experten aus der Schweiz und vom österreichischen Bundeskriminalamt (BK) der offizielle Kick-off für das Projekt mit mehr als 70 Experten. „Diamond“ soll sich ausschließlich mit Juwelierräubern befassen.

Will kündigte dazu die Entwicklung eines standardisierten Zulieferbogens an: „Die Taten sehen ja fast immer gleich aus“, erläuterte Will. Anhand dieses Fragebogens soll bei der europäischen Polizeiagentur eine zielgerichtete Fallanalyse möglich werden, damit die Ermittler einzelne Taten den verschiedenen Gruppen zuordnen können. Dazu kommen „andere neue innovative Tools“, zu denen sich der Experte nicht weiter äußern wollte.

Ein wichtiger Punkt ist für die Polizisten die Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor. So wollen die Schweizer Uhrmanufakturen eine Datenbank über gestohlene Chronometer einrichten, ähnlich, wie es sie für gestohlene Kunstwerke gibt. Davon versprechen sich die Experten mehr Druck auf Hehler. Nicht zuletzt will man auf die bereits bestehenden Alarmnetzwerke der Juweliere zurückgreifen, um Informationen über neue Bedrohungen schneller zu verbreiten.

„Wir versuchen, in die Netzwerke einzudringen“, sagte Will. Man wolle nicht nur die eigentlichen Tatausführenden festnehmen, „sondern zumindest eine Stufe höher, zum Beispiel die Hehler“. Wobei die Gruppen sehr unterschiedlich organisiert sind: So sind die Räuber vom Westbalkan nur sehr lose untereinander verknüpft, ohne erkennbare klare Hierarchie. Die Gruppen aus baltischen Ländern folgen hingegen einer sehr klaren Hierarchie. Bei rumänischen Tätern wurden wiederum beide Organisationsvarianten festgestellt. (APA)