Obdachlosigkeit

Überlebenskampf in eisigen Nächten

Ein schlafender Obdachloser in einem Parkhaus. Bereits jetzt sind die Nächte im Freien sehr kalt.
© Hetfleisch

Rund 40 Menschen schlagen in Innsbruck in den Wintermonaten ihre Nachtlager unter Brücken, in Abrisshäusern oder in den Gassen der Innenstadt auf. Die nächtliche Gefahr: der Erfrierungstod.

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Endlich Winter, endlich Kälte, endlich Schnee. Und dank der rekordverdächtigen Tiefsttemperaturen beste Bedingungen in den Skigebieten. Während vielerorts im Tourismusland Tirol aufgeatmet wird, vertiefen sich beim Verein für Obdachlose die Sorgenfalten. Denn für jene, die bei Werten um 15 Grad unter null die Nächte im Freien verbringen müssen, kann die Kälte bei schlechter Ausrüstung rasch lebensbedrohlich werden. Die Gefahr, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen, ist in diesen Wochen eine ständige Begleiterin der Nacht.

„Wir sind mit unseren Streetworkern im Sondereinsatz“, erklärt Michael Hennermann vom Verein für Obdachlose in Innsbruck. Öfter als sonst fährt sein Team mit dem Bus an Abenden die bekannten Schlafplätze der Innsbrucker Obdachlosen ab und bietet den Menschen Hilfe an. Besonders gefragt: Jacken und hochwertige Schlafsäcke. Mit ihnen lassen sich die arktischen Nächte wenn auch nicht unbedingt ertragen, dann zumindest überleben. „Wir sprechen von rund 40 Menschen, die in Innsbruck die Nächte nicht in Wohnungen oder den Notschlafstellen verbringen“, weiß Hennermann. Galt früher die Sillschlucht als beliebter Nächtigungsort für Obdachlose, so sind es mittlerweile eher die Autobahnbrücken und Abbruchhäuser, unter und in denen die Menschen ihre Lager aufschlagen. Aber auch die Gassen der Innen- und Altstadt werden weiter von obdachlosen Menschen als Schlafstätte genutzt.

Dass nicht alle der rund 300 Innsbrucker Wohnungslosen den Weg in die Herbergen und Winternotschlafstellen finden, hat mehrere Gründe. Das Alexihaus und die städtische Herberge steht beispielsweise nur jenen zur Verfügung, die Anspruch auf Mindestsicherung haben. Die vom Roten Kreuz bzw. den Tiroler Sozialen Diensten betriebenen temporären Winternotschlafstellen lehnen manche ab, weil sie entweder aus psychischen Gründen mit der Enge des Raumes und der Wohnsituation in Mehrbettzimmern nicht zurechtkommen oder weil das enge Zusammenleben zwangsläufig immer wieder zu Konfliktsituationen führen kann. Es sei allerdings auch eine Tatsache, dass die Einrichtungen nicht genügend Plätze zur Verfügung stellen, um im Notfall allen Wohnungslosen einen Schlafplatz garantieren zu können. Viele Obdachlose wachen daher bereits in der Früh mit der quälenden Frage auf, wo sie die nächste Nacht verbringen sollen.

Langfristige Abhilfe könne nur eine Entspannung am überteuerten Wohnungsmarkt in der Landeshauptstadt schaffen, ist Hennermann überzeugt. Solange Wohnraum aber dermaßen teuer ist, solange werde es etwa den Bewohnern von Alexihaus und Herberge praktisch unmöglich gemacht, eine Wohnung am freien Markt zu finden.

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