Benni Raich und Schladming: eine Liebesgeschichte

An den Nachtslalom in Schladming, der am Dienstag (17.45 bzw. 20.45 Uhr/ORF eins) zum 20. Mal stattfindet, hat besonders der Pitztaler Benni Raich gute Erinnerungen.

Benni Raich als Triumphator mitten im Menschenmeer (2001).
© gepa

Aus Schladming: Michael Schuen

Schladming — Wer sich an die Anfänge erinnern kann, an die Widerstände und Zweifler, der hätte vor der ersten Auflage des Nachtslaloms in Schladming wohl kaum darauf gesetzt, dass es ihn ein zweites Mal geben würde. Irrtum! Kaum ein Rennen wurde so schnell zum Klassiker, bekam so schnell einen permanenten Platz im Weltcup-Kalender. Ein Rennen, das am Dienstag (17.45/20.45 Uhr, live ORF eins) zum 20. Mal stattfindet und bei dem ein Name hervorsticht. Benjamin Raich und Schlad­ming, das war von Beginn an eine Liebesbeziehung.

Hier ging der Stern des Pitztalers so richtig auf, hier feierte er den ersten seiner 36 Weltcup-Siege. Und wie! Es war der 7. Jänner 1999. Und Benjamin Raich, mit Nummer 28 ins Rennen gegangen, lag nur auf Platz 23. „Das war", erinnert er sich, „eine Enttäuschung für mich. Nur einen Tag davor bin ich in Kranjska Gora als Dritter das erste Mal in meiner Karriere aufs Podest gefahren." Raich stieg in den Sessellift zurück auf den Berg. 1,29 Sekunden Rückstand trennten ihn vom Führenden Jure Kosir (SLO). Da schoss ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Ich kann das gewinnen, das geht sich aus."

Der Sessellift glitt nach oben, Raich blickte nach unten. Sah die Zuschauermassen, sah die Kameras, die Journalisten, dachte an den Sieg. „Und auf einmal habe ich mich gefragt, ob ich das überhaupt will, das Gewinnen. Diese vielen Leute, die Hysterie, ich hab' mich fast ang'schissen", offenbart er. Raich, damals 20 Jahre jung, fällte einen Entschluss: „Ja, ich will." Und es gelang. „Das kann man nicht planen, dass es so aufgeht. Aber interessant ist, dass man sich offenbar bewusst für so etwas entscheiden kann", sagt er 18 Jahre später.

Nach dem Traumlauf folgte das Warten im Ziel, die Gespräche. Und die offenbarten ein weiteres Detail: Raich hatte — „aber unabsichtlich, ich hab' es nur genommen, weil das Leiberl dünn war und keine Falten wirft" — unter dem Rennanzug ein blaues Leibchen mit dem rot-gelben „S" für „Superman". „Und bei der Presse­konferenz wurde ich gefragt, ob ich meinen Ski-Pulli ausziehen könne — das hat zum Tag gepasst." Es folgten drei weitere Sieg­e in Schladming (2001, 2004, 2007). Einmal trotz „Mordsfehler", beim letzten Mal „hab' ich dann zwei Wahnsinnsläufe runterlassen".

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Dazu kommen zwei weitere zweite und ein dritter Platz. „Und es kann kein Zufall sein, dass ich da so gut war", sagt er grinsend. Es sei, sagt Raich, die Atmosphäre, die ihn gefesselt habe. „Es gibt Athleten, die solche Massen bremsen. Mich hat es immer gepusht. Und dann ist es mir bei einem Nachtrennen immer gelungen, mich noch mehr zu fokussieren", sagt Raich und verrät: „Vor dem Start bin ich immer ein wenig in den Wald gegangen. Und dann ist alles dunkel, du siehst nur das strahlende Licht über die Piste. Du hörst den Lärm, die Begeisterung. Es war der Schritt aus der Still­e — und ich war ja einige Male der Letzte oben am Start zum zweiten Lauf."

Es ist genau das, was für Raich Schladming so schnell zu einem „Klassiker" gemacht hat, „zu einem einfach guten Event". Auch wenn er ergänzt: „In Kitzbühel geht noch mehr ab. Aber Schladming, das ist was Eigenes." Etwas, bei dem es Raich oft gelungen ist, in den sogenannten „Flow-Zustand" zu kommen. „Wenn du im Tunnel bist, die Fans am Rand der Piste verschwimmen, es dir vorkommt, also ob alles ganz langsam und leicht geht, obwohl du schnell bist." Um dann nach dem Sieg umso brutaler herausgerissen zu werden — dann, wenn 50.000 Fans ihrem König huldigen. Der Thron in Schladming, der wird noch einige Zeit Benjamin Raich gehören.


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