Lkw-Kontrollen: Ruhezeitmissachtung ist Hauptdelikt

Ruhezeitmissachtungen durch Lkw-Fahrer sind die Hauptdelikte, die an der Kontrollstelle Leisach seit der Inbetriebnahme im Juni 2015 festgestellt wurden. Zweithäufigster Beanstandungsgrund war Überladung.

© Oblasser

Von Catharina Oblasser

Leisach –Maximal neun Stunden pro Tag darf ein Lkw-Fahrer insgesamt am Steuer sitzen. Nach spätestens 4,5 Stunden ist eine Pause von 45 Minuten vorgeschrieben. Und mindestens elf zusammenhängende Stunden pro Tag sind als Ruhezeit einzuhalten. So lautet grob gesagt die Gesetzeslage, an die sich Lkw-Fahrer in Österreich zu halten haben.

Doch das beherzigen nicht alle, wie die Statistik der Kontrollstelle Leisach zeigt. Die Einrichtung wurde Ende Juni 2015 eröffnet, liegt direkt an der Drautalbundesstraße B 100 und vervollständigt das Kontrollnetz in Tirol.

„Von der Inbetriebnahme an bis 31. Dezember 2016 wurden insgesamt 28.868 Lkw kontrolliert“, erklärt Silvester Wolsegger, Bezirkskommandant der Polizei in Lienz. Mit mehr als 2600 Anzeigen und 226 Organstrafen ist die Missachtung der Lenk- und Ruhezeiten das weitaus häufigste Delikt gewesen. „Fallweise werden die vorgeschriebenen Ruhezeiten durchaus eklatant unterschritten. Eine verminderte Aufmerksamkeit im Straßenverkehr ist die Folge“, sagt Wolsegger. Deshalb würde bei Unfällen mit Lkw auch stets der Tachograph überprüft, sofern vorhanden. Ist ein Lkw-Fahrer so mit der Ruhezeit im Rückstand, dass er sich unverzüglich ausrasten muss, kann er sich direkt am Kontrollplatz in seiner Schlafkoje zur Ruhe legen.

In 1268 Fällen waren die Schwerfahrzeuge überladen. Das hatte 605 Organmandate und 663 Anzeigen zur Folge. Auch technische Mängel an den großen Brummern führten zu Konsequenzen. Es gibt in Leisach einen Bremsprüfstand und die so genannten Rüttelplatten, die Lenkung und Aufhängung kontrollieren. Manchmal sind die Schäden so gravierend, dass der Lkw wegen Gefahr im Verzug vor Ort bleiben muss – zum Beispiel bei „glatzerten“ Reifen. In diesem Fall kommen beeidete Spezialfirmen, die so genannten Nachfolge-Logistikfirmen, zum Einsatz. Nur sie dürfen etwa kaputte Reifen wechseln. Die Logistikfirmen sind auch gefragt, wenn die Überladung nicht mehr zumutbar ist. Dann begleiten sie den betreffenden Lkw zu einem Abladeplatz, der sich im Umkreis von zehn Kilometern befindet. Ist der Defekt behoben, erstatten sie Meldung an die Kontrollstelle Leisach.

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Was Strafzahlungen betrifft, so haben Österreicher und Deutsche eine Sonderstellung. Sie müssen keine „vorläufige Sicherheitsleistung“ erlegen, da sie für die Behörden auch so aufzuspüren sind. Lenker aus allen anderen Staaten kommen im Fall einer Strafe jedoch nicht davon: Sie müssen eine Geldsumme in Höhe der Strafe hinterlegen, denn im Ausland (Ausnahme Deutschland) schaut der Staat oft durch die Finger, wenn er nachträglich Strafen eintreiben will. Im Fall einer Unschuld bekommt der Lenker das Geld zurück. Von Juni 2015 bis Ende Dezember 2016 betrug die Summe dieser Sicherheitsleistungen in Leisach immerhin über 260.000 Euro. Zusätzlich mussten Lkw-Lenker Organstrafen von insgesamt 58.730 Euro berappen.

Die Kontrollstelle Leisach ist nicht rund um die Uhr in Betrieb, sondern nur fallweise. Knapp 2000 Einsatzstunden wurden seit der Inbetriebnahme verzeichnet. Die Stelle ist so eingerichtet, dass zwei Beamte für die Kontrolltätigkeit genügen. Meist sind das Polizisten aus Lienz, aber auch aus Matrei und Sillian.


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