Ein Japaner tanzt den Schneewalzer

Nach umfangreichen Updates hat der Toyota GT86 am Polarkreis das Eis zum Schmelzen gebracht. Der coole Drifter begeistert auch auf rutschigem Terrain.

Ab 33.480 Euro bietet Toyota das überarbeitete Sportcoupé GT86 an.
© Hersteller

Von Walter Schrott

Rovaniemi –Ja, es gibt sie noch: die klassischen Sportwagen mit Heckantrieb. Wenn sie dann auch noch leistbar sind, ist die Autowelt für den finanziellen Normalverbraucher in Ordnung. Ein Vertreter dieser leider rar gewordenen Spezies ist der GT86. Wie schön, dass Toyota immer noch ein Herz für sportlich orientierte Autofahrer zeigt. Zuletzt haben die Japaner dem bildschönen Coupé eine umfassende Modellpflege spendiert.

Die Frontpartie kauert tiefer am Asphalt, die neuen Scheinwerfer mit integrierten Tagfahrlichtern und Blinkern – alles in LED-Technologie – blicken scharf nach vorn. Eine Spoilerlippe mit Finnen und Kiemen in den Kotflügeln komplettieren den neuen Look. Hinten fällt der breitere Flügel auf, der für mehr Abtrieb sorgen soll. Der tiefer angesetzte Diffusor und die neuen LED-Heckleuchten fügen sich harmonisch ins muskulöse Heck. Das alles verleiht dem GT86 noch mehr Rasse und Klasse. Und bei aller Modernität, die er ausstrahlt, die Silhouette erinnert in Nuancen an den legendären Toyota 2000GT aus den späten 1960ern. So muss ein Sportwagen aussehen.

Schon der erste Blick ins Innere zeigt, der GT86 ist auch wertiger geworden. Es gibt es ein neues, kleineres Lenkrad mit Bedientasten. Das 4,2-Zoll-Display informiert den Fahrer in Echtzeit über Leistungs- und Drehmomentverlauf sowie über die G-Kräfte, eine Stoppuhr registriert die Rundenzeiten. Da war wohl der japanische Spieltrieb am Werk. Ganz fesch die Applikationen im Carbon-Design und ein Gedicht die Sportsitze, die wahlweise auch mit Leder/Alcantara-Bezügen geordert werden können.

Dann heißt es Platz nehmen auf tief montiertem Gestühl mit tollem Seitenhal­t und ab auf die Schnee- und Eisbahne­n des Arctic Drivin­g Center bei Rovaniemi in Finnisch-Lappland. Dort zeigt uns der GT86, was er kann, und er will wissen, was wir können. Klar, dass auf extrem rutschigem Terrain die Fahrdynamik nicht voll ausgekostet werden kann. Aber: Das Fahrwerk wurde vorne und hinten feingetunt und die Toyota-Ingenieure servieren mit dem neuen Track-Modus ein besonderes Schmankerl. Per Drucktaster kann man die Stabilitäts- und Traktionskontrolle sowie die Antriebsschlupfregelung überlisten. Will heißen: Die Sicherheitssysteme werfen nicht bei jedem Schlenker gnadenlos den Anker, sondern lassen coole Drifts zu. Da kann es auf Schnee und Eis schon vorkommen, dass man plötzlich vom Heck überholt wird. Zu viel Übermut erkennen die elektronischen Wächter aber zuverlässig und fangen den GT86 wieder ein, bevor er beginnt, Walzer zu tanzen. Dass dieses System dem Fahrspaß auf Asphalt neue Dimensionen eröffnet, darf erwartet werden und wird ambitionierte Benzinbrüder freuen.

Alles beim Alten unter der Haube: Der 2.0-Vierzylinder-Boxer – eine Anleihe bei Su­baru – leistet 200 PS, hängt sauber am Gas und zeichnet sich – sofern man ihn mit ausreichend Drehzahl füttert – durch nachdrücklichen Vorwärtsdrang aus. Das flach bauende Triebwerk hat zudem den Vorteil, dass der Schwerpunkt tiefer liegt. Auch die Gewichtsverteilung von 53:47 Prozent und das vergleichsweise geringe Gewicht von 1200 Kilo tragen zum ausgewogenen Handling bei. In 7,6 Sekunden geht es auf 100 Sachen, bei 226 km/h endet der Vortrieb. Es gibt zwar optional eine 6-Gang-Automatik, der echte Fan aber wird die sechs Gänge sicher lieber manuell mit dem knackigen Schaltknüppel auf ultrakurzen Wegen sortieren. Fazit: Der GT86 sieht nicht nur blendend aus, er schenkt auch reichlich Fahrspaß ein.

Der rassige Japaner steht in zwei Ausstattungsversionen bereits bei den Händlern. Und der Preis ist heiß. Je nach Modell sind zwischen 33.480 und 36.470 Euro zu veranschlagen. Der serienmäßige Ausstattungs-Gabentisch ist opulent gedeckt, die Liste der kostenpflichtigen Extras kurz: 1250 Euro für die Leder/Alcantara-Sitze, 835 Euro für das Navi, 500 Euro für die Metallic-Lackierung und 400 Euro für Sachs-Stoßdämpfer.


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