Zweiter Prozesstag um Rotschlamm-Katastrophe

Györ (APA) - Mit Plädoyers der Verteidiger hat am Dienstag am Gericht im westungarischen Györ der zweite Tag des Prozesses in zweiter Instan...

Györ (APA) - Mit Plädoyers der Verteidiger hat am Dienstag am Gericht im westungarischen Györ der zweite Tag des Prozesses in zweiter Instanz gegen die vermeintlichen 15 Verantwortlichen der Rotschlamm-Katastrophe 2010 in der ungarischen Aluminiumfabrik MAL AG Ajka begonnen. Am Montag hatte die Staatsanwaltschaft um die Aussetzung des Urteils erster Instanz und die Ansetzung eines neuen Verfahrens ersucht.

In erster Instanz waren vor einem Jahr alle 15 führenden Vertreter der MAL AG Ajka „mangels einer Straftat“ von dem Gericht in Veszprem freigesprochen worden. Staatsanwalt Peter Fejes begründete seinen Einspruch mit Verfahrensfehlern des Veszpremer Gerichtes.

Helga Pal, Verteidigerin des Technischen Direktors der MAL AG als Zweitangeklagtem, warf der Staatsanwaltschaft vor, deren Einspruch in erster Instanz sei unbegründet gewesen. Der Staatsanwalt hätte Beweismittel, die Aussagen und Geständnisse von Experten und Zeugen der 200 Tage umfassenden Verhandlung in erster Instanz außer Acht gelassen. Pal brachte ihre „Empörung“ zum Ausdruck, da der Staatsanwalt das Management der Aluminiumfabrik wegen „angeblicher Inaktivität“ des „Katastrophentourismus“ beschuldigt hatte.

Seitens des Staatsanwaltes vorgebrachte „Verfahrensfehler“ in erster Instanz wies auch Marcell Molnar, Verteidiger des Labor- und Umweltschutz-Leiters, zurück. Die Tätigkeit des Drittangeklagten hätte keinerlei Fehler aufgewiesen. Molnar ersuchte um die Beibehaltung des Urteils in erster Instanz. Dem schlossen sich auch die Verteidiger des Viert- und Fünftangeklagten an.

Am 4. Oktober 2010 war ein Becken mit hochgiftigem Rotschlamm der MAL AG geborsten. Zehn Menschen starben, über 200 wurden teils lebensbedrohlich verletzt. Die giftige Schlammlawine zerstörte mehr als 300 Häuser und verursachte schwerste Umweltschäden. Geschädigte der Rotschlamm-Katastrophe fordern im Zusammenhang mit dem Prozess in den Medien „ein gerechtes Urteil und die Bestrafung der Verantwortlichen“.


Kommentieren