Tierversuch-Studie zeigt möglichen Ansatz für Alzheimer-Therapie

Miami (APA/AFP) - Wissenschafter in den USA haben nach eigenen Angaben einen erfolgsversprechenden Ansatz für die Behandlung von Alzheimer g...

Miami (APA/AFP) - Wissenschafter in den USA haben nach eigenen Angaben einen erfolgsversprechenden Ansatz für die Behandlung von Alzheimer gefunden, dessen Testphase allerdings noch am Anfang steht. In Tierversuchen sei Mäusen und Affen ein synthetisch hergestelltes Molekül namens Antisense-Oligonukleotid verabreicht worden, legten die Forscher am Mittwoch im Fachblatt „Science Translational Medicine“ dar.

Dabei sei nachgewiesen worden, dass das Molekül den Gehalt des potenziell schädlichen Tau-Proteins im Gehirn verringert. Das Tau-Protein kann sich im Hirn ansammeln, Zellen schädigen und zu Gedächtnisverlust führen. Die Tierversuche hätten ergeben, dass ein Antisense-Oligonukleotid den Tau-Protein-Spiegel im Hirn senken und damit neurologische Schäden vermeiden - und in manchen Fällen sogar rückgängig machen - kann, erklärte der Neurologe Timothy Miller von der Washington University in St. Louis. Damit seien Antisense-Oligonukleotide der erste Wirkstoff, dessen Wirkung gegen das Tau-Protein im Hirn nachgewiesen sei.

Bei den Tests mit Mäusen wurde ein Teil der Nager mit Antisense-Oligonukleotiden behandelt, eine Vergleichsgruppe erhielt ein Placebo. Bei den behandelten Mäusen sei deutlich weniger Tau-Protein im Hirn gebildet oder der Stoff sogar abgebaut worden, heißt es in der Studie.

Bei zwölf Monate alten Mäusen war der Tau-Spiegel im Hirn geringer als bei unbehandelten neun Monate alten Mäusen. Dies legt den US-Forschern zufolge nahe, dass Oligonukleotide die schädliche Anreicherung des Tau-Proteins im Hirn sogar rückgängig machen können. Die behandelten Mäuse hätten außerdem im Schnitt 36 Tage länger als die unbehandelten gelebt und seien besser im Nestbau gewesen.

Den Affen wurden im Abstand von einer Woche zwei Dosen Oligonukleotide in die Hirnflüssigkeit injiziert, eine Vergleichsgruppe bekam Placebo-Spritzen. Zwei Wochen später hatte sich auch bei den behandelten Affen der Tau-Gehalt im Hirn und in der Hirnflüssigkeit verringert, heißt es in der Studie.

Nun sind allerdings noch viele Untersuchungen nötig, um festzustellen, ob Antisense-Oligonukleotide auch bei Menschen wirksam sind und gefahrlos eingesetzt werden können. Miller zeigte sich überzeugt, dass sich diese Mühe lohne.

Bisher wurde noch keine wirksame Therapie zur Heilung von Alzheimer entwickelt. Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz. Oligonukleotide wurden in den USA bereits zur Behandlung anderer Krankheiten wie die Muskelschwund-Krankheit Spinale Muskelatrophie zugelassen.


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