Unsicherheit und Konkurrenz bremsen Ethik in der Wirtschaft

Wien (APA) - US-Präsident Trump will eine Mauer zu Mexiko bauen, der Brexit kommt und zahlreiche internationale Handelsabkommen stehen auf d...

Wien (APA) - US-Präsident Trump will eine Mauer zu Mexiko bauen, der Brexit kommt und zahlreiche internationale Handelsabkommen stehen auf der Kippe. In unsicheren Zeiten wie diesen bleibt ethisches Wirtschaften eher auf der Strecke, sagte Wirtschaftsethiker Andreas Suchanek am Rande eines Vortrags auf der Wirtschaftsuniversität Wien zur APA.

Kurzfristiges Denken, das in unsicheren Zeiten verstärkt auftritt, sei ebenfalls ein großes Hindernis dafür, ethisch korrekt zu handeln. Auch ökologische Herausforderungen, die Globalisierung und Digitalisierung machten es nicht einfacher. Ist die Unsicherheit groß, werde oft nur bis zum nächsten Quartal gedacht.

Der hohe Druck durch den Wettbewerb erschwere ebenfalls verantwortungsvolles Handeln. „Der Wettbewerb ist sehr ambivalent. Ohne ihn hätten wir den Wohlstand, den wir hier heute haben, nie erreicht“, so Suchanek. Die Schattenseite sei aber, dass Entscheidungen oft zulasten anderer getroffen werden. Viele befänden sich auch im Gefangenendilemma: Der Unternehmer weiß, wenn er einen Auftrag in Ländern wie Venezuela, Nigeria oder Russland aus ethischen Gründen nicht ausführt, wird es ein Konkurrent tun.

Um Wirtschaftsethik besser zu etablieren, müsse man sich an jeder wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule damit beschäftigen. „Wir brauchen eine intensivere Debatte“, fordert Suchanek. Man müsse sich fragen, was man eigentlich tut. „Wie gehen wir mit dem Phänomen um, dass viele gewinnmaximierend denken? Wie können wir sie dazu bringen, zu investieren?“ - in Arbeit, Zeit, aber auch Geld.

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Bei neu gegründeten Unternehmen beobachte er, dass die Schere zwischen sozial agierenden Unternehmen und rein gewinnmaximierenden Organisationen größer geworden ist. Es habe schon immer beides gegeben, „aber der Spread hat sich geweitet“.


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