Ein Album mit zwei Hälften: Manu Delago präsentiert „Metromonk“

Von der ruhigen Bergwelt in die pulsierende Metropole: Das neue Album des Tirol Hang-Virtuosen Manu Delago spiegelt auch sein eigenes Leben wider. Am Freitag ist „Metromonk“ erschienen, nun folgt eine Welttour mit zwei Konzerten in Tirol.

© APA

Innsbruck - „Es ist eine Reflexion meiner eigenen Hörgewohnheiten.“ Manu Delago mag es abwechslungsreich. Dementsprechend hat das neue, am morgigen Freitag erscheinende Album des gebürtigen Tirolers eine leise und eine laute Seite. Für „Metromonk“ hat der Hangspieler sozusagen die Ruhe der Berge und die Hektik der Stadt eingefangen. Was aufwendig klingt, ging ihm offenbar recht leicht von der Hand.

Anknüpfungspunkte sind einerseits der 2015 erschienene Vorgänger „Silver Kobalt“, andererseits die ausgiebigen Touren für das eigene Projekt sowie mit Künstlern wie Björk oder Anoushka Shankar. Trotz des dichten Konzertkalenders in den vergangenen Monaten habe er recht früh mit der Arbeit an den neuen Songs begonnen, erzählte Delago im APA-Interview. „Es war gar nicht so der Plan. Aber ich hatte einfach den Drang und ganz viele Ideen. Auch das Konzept, mit dem Hang live elektronische Sachen aufzunehmen, stand sehr früh.“

Zwei Hälften wie aus einem Guss

So sind im Winter 2016 in relativ kurzer Zeit die Songs entstanden - ein großer Unterschied zu seinen bisherigen Solowerken. „Das hat sich dann sehr schlüssig angefühlt. Bei den Vorgängern war das ein längerer Prozess, da war mehr reingepackt aus verschiedenen Ecken. Jetzt war es zeitlich wie aus einem Guss, auch wenn es musikalisch in zwei Hälften geteilt ist.“ Denn der eingängige, sehr melancholische Auftakt mit „A Step“, für den Pete Josef die Vocals beisteuerte, leitet eine atmosphärisch dichte, quasi unter der Oberfläche blubbernde erste Albumseite ein.

Hier präsentiert sich Delago eine Spur zurückhaltender als zuletzt, sein (für viele wohl immer noch exotisch klingendes) Instrument in unterschiedlichste Richtungen deutend. In „Pointilism“ klickt und knackt es, schieben sich die einzelnen Elemente an- und übereinander, und doch wirkt vieles reduziert. Gut 20 Minuten später folgt dann der Übergang, gekennzeichnet von Schritten in „Zebra Stairs“. „Das sind verschiedene Schichten, in denen zwei Dinge passieren“, erläuterte Delago diese manipulierten Fieldrecordings. „Es sind Schritte vom Berg, durch Schnee und Eis, über Kies und Schotter bis zu einer U-Bahn. Und nicht nur der Klang, auch das Tempo ändert sich. Damit ist es relativ repräsentativ für das Schritttempo am Berg und in der Stadt.“

Die zwei Seiten, man begegnet ihnen also auch hier. Die Reise „von ganz leise bis ganz laut“, die Delago gerne auch live unternimmt, findet letztlich ihren Widerhall im Titel: „Die Idee mit den beiden Polen war von Anfang an da. Das hat sich auch im Alltag widergespiegelt. Einerseits meine Heimat in den Bergen, andererseits mein Leben seit zehn Jahren in der Stadt“, so der in London lebende Musiker. „Lange habe ich versucht, einen Titel zu finden, der das ausdrückt. Bis ich in Bangkok einen Mönch sah, der im stressigen Verkehrsgetümmel durch die Straßen geschwebt ist. Das Bild hat es für mich zusammengeführt.“

Ständiges Streben nach Neuem

Und so wird man in Hälfte zwei auf die Tanzfläche geführt, drücken mitunter die Beats und werden die Stücke kräftiger, direkter. Auf „Metromonk“ finden sich zudem Gäste wie Isa Kurz, die Teil von Delagos Live-Trio ist, oder der französische Jazztrompeter Erik Truffaz. Ein Einfluss seien nicht zuletzt Kollegen gewesen, mit denen der Hangspieler, Schlagzeuger und Produzent in den vergangenen Jahren die Welt bereist hat. „Man verbringt auf Tour viel Zeit miteinander, das färbt schon ab. Aber es ist nicht so, dass man unbedingt erkennt, wo die Inspiration oder der Funke ursprünglich hergekommen sind.“

Letztlich habe sein künstlerischer Ausdruck über die Jahre „ein langsames, konstantes Wachstum“ erlebt. Einen Durchbruch sieht er allerdings nicht. „Ich wüsste nicht, wann ein solcher Punkt da ist. Es ist ganz gut, wenn man ein Streben hat, sich weiterzuentwickeln. Ich denke daher nicht: Jetzt bin ich angekommen. Da sind mir andere Kategorien wichtiger. Zum Beispiel: Was kann ich Neues machen, oder was kann ich künstlerisch anders machen?“

Welttour steht bevor

Der Wille zur Entwicklung ist den elf neuen Tracks anzuhören. Mal mit scheinbar bekannten Versatzstücken hantierend, dann zu neuen Ufern aufbrechend, hat sich Manu Delago auf einen Weg gemacht, auf dem man ihn gerne begleitet. Live wird man dazu in den kommenden Wochen mehrfach Gelegenheit haben, gastiert er doch - nach einer Tour, die in unter anderem auch nach Australien und die USA führt - Ende April in Wien, Villach, Graz, Wörgl, Salzburg, Mödling, Imst und Bludenz. Und eine Audienz bei diesem „Metromonk“ dürfte sich jedenfalls auszahlen.

Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA


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