Griechenland in der Armutsfalle

Mehr als vier von zehn Gehalts- bzw. Lohnempfängern in Griechenland verdienen pro Monat mittlerweile weniger als 700 Euro — brutto wohlgemerkt.

Nach unzähligen wirkungslosen Protesten gegen die Sparpolitik erwägen zwei von drei jungen Griechen die Auswanderung.
© ANA-MPA

Von Ferry Batzoglou

Athen –Für Petros Nikopoulos, 44, Bankangestellter, Vater von zwei Kindern, hat sich seit dem Ausbruch der desaströsen Griechenlandkrise im Herbst 2008 vor allem eines geändert: Er hat weniger Geld in der Tasche. Viel weniger.

„Mein Gehalt wurde um ein Drittel gekürzt. Im Augenblick verdiene ich 1200 Euro pro Monat brutto. Das reicht kaum, um die täglichen Ausgaben hier in Athen zu decken.“ Doch damit gehört Nikopoulos noch zur oberen Hälfte der Einkommensschicht.

Denn mehr als vier von zehn Gehalts- bzw. Lohnempfängern in Griechenland (41,25 Prozent) verdienen pro Monat mittlerweile weniger als 700 Euro – brutto wohlgemerkt. Dies belegen nun veröffentlichte Zahlen des Athener Arbeitsministeriums.

Fast die Hälfte der neuen Beschäftigten (48,4 Prozent) erhält weniger als 600 Euro im Monat. Davon streicht knapp die Hälfte sogar weniger als 500 Euro ein – alles brutto.

Hintergrund: Der Mindestlohn wurde im Jahr 2012 auf noch 586 Euro brutto pro Monat gesenkt. Wer noch nicht 25 Jahre alt ist, bekommt einen Mindestlohn von 511 Euro brutto pro Monat.

Zwar erhöhte sich im Jahr 2016 die Zahl der abhängigen Beschäftigungsverhältnisse um knapp 83.000. Dies entspricht einem Plus von 5,1 Prozent. Davon waren aber 57,34 Prozent Stellen mit weniger als 20 Wochenstunden. Und wer in Hellas eine Teilzeitstelle ergattert hat, erhält einen Lohn oder ein Gehalt von rund 250 Euro brutto pro Monat. In Griechenland, dem ewigen Euro-Sorgenland mit seinen immer noch hohen Lebenshaltungskosten, kommt man damit kaum über die Runden.

Es gibt aber auch Besserverdiener in Griechenland: Von den insgesamt rund 1,7 Millionen Lohn- und Gehaltsempfängern in Griechenland kassieren nach offiziellen Angaben des Athener Arbeitsministeriums 21,96 Prozent bis zu 1000 Euro brutto pro Monat. Ferner streichen 28,33 Prozent bis zu 2000 Euro brutto pro Monat ein. Lediglich 5,56 Prozent können sich über ein Monatsgehalt in Höhe von bis zu 3000 Euro freuen, nur 2,81 Prozent werden pro Monat noch mehr auf das Konto überwiesen. So wundert es nicht, dass seit Ausbruch der Griechenlandkrise über 450.000 Hellenen ausgewandert sind.


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