Wohnungsnot nach der Flucht

Hunderte Asylberechtigte sind im Bezirk ohne feste Wohnung. Die Diakonie versucht zu helfen, scheitert aber am fehlenden Angebot ebenso wie an den nicht immer finanzierbaren Mietpreisen.

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Von Wolfgang Otter

Kufstein –Wohnungen sind in Ballungszentren rar und teuer – besonders für Asylberechtigte, also Asylwerber, denen Schutz zugesprochen wurde. Eigentlich sollten sie binnen weniger Wochen die Betreuungseinrichtungen der Tiroler Sozialen Dienste (TSD) verlassen. Viele führt dann der Weg zur Diakonie und zu Oscar Thomas-Olalde, der die Einrichtung Integrationsstationen Tirol leitet. Hier versucht man, Wohnungen für die nunmehr Asylberechtigten oder subsidiär Schutzberechtigten zu finden. Letztere sind Personen, denen im Herkunftsland Gefahr droht, deren Aufenthaltsberechtigung aber befristet ist.

„Das Problem ist die Knappheit von leistbarem Wohnraum für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen und dann ist es auch noch einmal für Flüchtlinge schwieriger, einen Platz zu bekommen“, erzählt Thomas-Olalde der TT. Das Problem, wie er sagt, sei, dass Asylberechtigte oder subsidiär Schutzberechtigte keinen Zugang zu den Sozialwohnungen der Gemeinde haben. Zwar gebe es immer wieder Gerüchte, dass Asylwerber schneller zu einer Wohnung kommen, „aber das stimmt nicht. Nirgends“, stellt der Diakonie-Mitarbeiter klar.

Auch was die Wohnungskosten anbelange, seien diese genau im Zuge der Mindestsicherung geregelt, falls die betreffende Person die Miete nicht selber tragen kann. Da unterscheide die Bezirkshauptmannschaft aber nicht zwischen Flüchtling und Einheimischem. Zehn Euro pro Quadratmeter, ganz egal, in welchem Ort des Bezirks, werden übernommen, wie Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer erklärt. Wobei für eine Person maximal 40 Quadratmeter und für zwei Personen 60 Quadratmeter bezahlt werden, also 400 bzw. 600 Euro. Für jede weitere Person gibt es dann nochmals 100 Euro. Bei den Wohnungskosten im Bezirk Kufstein ist mit 400 Euro kein großer Hüpfer zu machen. „Wir haben daher noch immer viele Flüchtlinge, die in prekären Wohnsituationen leben, zum Beispiel in zu kleinen Wohnungen. Aber es gibt keine Obdachlosigkeit, das ist ein Verdienst der Politik und der Organisationen. Es gibt aber so etwas wie Wohnungslose, die schlafen eben irgendwo.“ Wahrscheinlich an die 300 bis 400 Menschen dürften im Bezirk davon betroffen sein, tirolweit sind es laut Schätzung von Thomas-Olalde 2000 Personen. „Wir haben eine lange Warteliste“, alleine in der Wörgler Beratungsstelle seien 200 Menschen gemeldet, die eine Wohnung suchen. Daher sei auch begonnen worden, Wohngemeinschaften zu bilden. Was wieder bei den Nachbarn nicht so gerne gesehen werde, sagt Thomas-Olalde. Die Diakonie springt auch als Mieter ein, „es gibt Vermieter, denen es lieber ist, wenn sie mit uns den Vertrag abschließen“, die Flüchtlinge seien dann Untermieter der Diakonie.

Der Wohnungsmarkt ist das eine, der Arbeitsmarkt das andere. Laut dem Kufsteiner Chef des Arbeitsmarktservice (AMS), Hansjörg Steinlechner, sind derzeit 116 anerkannte Asylwerber vorgemerkt (94 Männer), 24 für Schulungsmaßnahmen. „Das Wichtigste ist die Sprache“, sagt Steinlechner. Daher liege der Fokus auf Weiterbildung. Laut neuester Statistik (Jänner 2017) des AMS sind im Bezirk 3298 Personen als arbeitslos gemeldet (-4,8 % gegenüber Jänner 2016), 445 nehmen an Schulungen teil.


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