Internationale Pressestimmen zu Trumps Verhältnis zu den Medien

Washington (APA/AFP/dpa) - Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich am Montag mit dem Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zu den...

Washington (APA/AFP/dpa) - Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich am Montag mit dem Verhältnis von US-Präsident Donald Trump zu den Medien. Der „Tages-Anzeiger“ aus Zürich schreibt:

„Das Geheimnis eines guten Journalismus ist es, dass er Geheimnisse bewahren kann: die Namen seiner Informanten. (...) US-Präsident Donald Trump verlangt jetzt, dass Journalisten eine Quelle nur dann anzapfen dürfen, wenn sie deren Namen nennen. Trump greift damit ein Prinzip an, das dem Journalismus so heilig ist wie sonst nichts. Ohne Vertrauen zwischen Informant und Reporter ist Recherchieren unmöglich.(...)

Journalisten also müssen zwischen den Interessen der Quelle und denen der Öffentlichkeit abwägen. Sie können dies tun, indem sie die Erkenntnisse ihres Informanten überprüfen und eine Geschichte aus dubioser Quelle schlicht unveröffentlicht lassen. Wenn es um den Schutz der Quelle selbst geht, sind allerdings keine Kompromisse möglich. US-Präsident Donald Trump ist nicht interessiert an gutem Journalismus. Er beurteilt Journalismus allein danach, ob er ihm huldigt oder nicht.“

„Tagesspiegel“ (Berlin):

„Er beschimpft kritische Journalisten als ‚unehrlich‘ und ‚Feinde des Volkes‘. Sein Sprecher schließt missliebige Medien von einem Briefing im Weißen Haus aus. Nun sagt der Präsident die Teilnahme am traditionellen Galadinner mit dem White House Press Corps ab. Bemerkenswert daran ist: Die großen US-Medien lassen sich, obwohl sie betroffen sind, nur begrenzt auf die Auseinandersetzung ein. (...) Sie sehen darin eine Ablenkung, mit der er sie von der Russlandfährte abhalten will. Den Gefallen wollen sie ihm nicht tun. Die größere Story ist jetzt, ob der Kongress einen Sonderermittler wegen Trumps Kontakten nach Moskau einsetzt.“

„Bergens Tidende“ (Bergen):

„Hintergrund für Trumps ‚Kampf gegen die Medien‘ ist natürlich, dass er sie für eine erhebliche Bedrohung hält. Mit der Untergrabung der Medien will er die Kritik knebeln und seine Definitionsmacht in der amerikanischen Gesellschaft sichern. Chef-Stratege Steve Bannon bezeichnete die Medien als ‚die größte Oppositionspartei‘, die den Mund halten sollte. Die Signale sind bedrohlich für die Demokratie. Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn Staatschefs versuchen, das Informationsmonopol an sich zu reißen. Die Geschichte ist voll von Beispielen, wie schief das gehen kann.“

„Pravda“ (Bratislava):

„Wenn eine fremde Macht versucht, Einfluss auf Wahlen zu nehmen, ist das schon ein Problem. Aber noch viel brisanter ist es, wenn sie dabei sogar den Segen oder gar die Unterstützung einer inländischen politischen Kraft hat - in diesem Fall des Wahlkampfstabs von Donald Trump. Im Weißen Haus weiß man sehr gut, dass Ermittlungsergebnisse in diese Richtung die Präsidentschaft Trumps schnell beenden könnten. Deshalb spannt man nicht nur das FBI ein, um Journalisten zu diskreditieren, die solches behaupten.

Es ist für Trump ein gar nicht schlechtes Drehbuch, wenn auf der einen Seite seine Wähler den täglichen Verbalangriffen auf unbequeme Journalisten applaudieren und auf der anderen Seite die unbequemen Journalisten genug damit beschäftigt sind, die Ungerechtigkeit zu beklagen, dass sie aus Pressekonferenzen ausgesperrt werden.“


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