Eine Stimme aus Jugend, Charme und Sehnsucht

Ungewöhnliche Debüt-CD der Sopranistin Aida Garifullina mit Musik, die ihre Herkunft und ihren Werdegang markiert.

Aida Garifullina, schön, mit einem seelenvollen Sopran begabt und, wie sie zeigt, tief naturverbunden.
© Decca/Fowler

Innsbruck –Ein junges Mädchen aus der russischen Republik Tatarstan, Tausende Kilometer von zu Hause entfernt, singt Romanzen von Sergej Rachmaninow. „Sie stecken voller Sehnsucht und erinnerten mich deshalb an zu Hause … ich war 17 und dachte voller Heimweh an meine Eltern und die Landschaft.“

Das ist bald 13 Jahre her. Heute ist Aida Garifullina eine der begehrtesten lyrischen Sopranistinnen, ein aufgehender Stern, begabt mit einer Stimme voll Jugend, Zauber, Charme und Sehnsucht. Noch bevor das Booklet mit ihren Zitaten geöffnet ist, vernimmt man den Heimwehton, der unterschwellig immer noch da ist, das am schönsten in Melismen aufgehende, blühende Singen.

Nicht oft gelingt eine Debüt-CD, wie sie hier bei Decca vorliegt, so eindrucksvoll. Das mag daran liegen, dass die junge Sängerin nicht nur repräsentativ zu brillieren hat, sondern sich aus ihrer Sozialisation und ihrem Werdegang heraus zeigen darf, und das in der tatarischen und russischen Sprache, dem ureigenen Idiom, in dem jede Stimme am authentischsten klingt.

Arien aus „Sadko“, „Die Schneekönigin“ und „Der goldene Hahn“ von Rimsky-Korsakov, aus Tschaikowskys „Mazeppa“, ein tatarisches Volkslied und andere Traditionals, Melodien aus den orientalischen Gebieten Russlands – da ist Aida Garifullina vokal ganz bei sich, da strömt Empfindung, Wärme und Begeisterung. Cornelius Meister und das ORF Radio-Symphonieorchester unterstützen Garifullina bestens.

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Der Dirigent Valery Gergiev hat die junge Sopranistin schon 2013 an das St. Petersburger Mariinsky Theater geholt, seit eineinhalb Jahren ist sie häufig an der Wiener Staatsoper zu hören, als Susanna, Zerline, Gilda, Adina, Musetta, Xenia („Boris Godunow“), kürzlich umjubelt unter Plácido Domingos Dirigat in Gounods „Romeo und Julia“. Mit Julias Walzerarie, die sie auch beim Opernball 2015 sang, eröffnet sie schwungvoll ihre CD, gefolgt von Delibes’ Glöckchenarie aus „Lakmé“, die allerdings um einen Ton hinabtransponiert einen anderen Charakter bekommt. Aida sang das schon für den mit Meryl Streep besetzten Film „Florence Foster Jenkins“ in der Rolle der Lily Pons. 2013 gewann Aida Domingos Operalia-Gesangswettbewerb in Verona. Und Domingo nennt sie auch auf der CD „eine der aufregendsten Operndiven von heute und morgen“. Das mag in Erfüllung gehen, wenn die junge Sängerin, vielleicht auch mit Hilfe ihrer prominenten Wiener Lehrerin Claudia Visca, klug disponiert. (u.st)


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