Agrar Schlickeralm: „Waren Pächter immer verbunden“

Die Familie Stern hat nach 63 Jahren den Pachtvertrag gekündigt, die Agrarier weisen die Schuld an diesem Rückzug von sich.

Neben der Schlickeralm stehen ab Oktober auch die Zirmachalm und die Sennjochhütte zur Pacht frei.
© Denise Daum

Von Denise Daum

Fulpmes, Telfes –Über Jahrzehnte hinweg hat die Familie Stern die Schlickeralm im Fulp­mer Ski- und Wandergebiet Schlick betrieben. Wie berichtet, setzen die Gastronomen nun einen Schlussstrich unter diese Ära. Als Grund dafür nannte die Familie gegenüber der TT „überhöhte Pachtforderungen“ der Agrargemeinschaft Schlicker­alm. Diese setzt sich nun gegen die Vorwürfe zur Wehr.

Die neun Mitglieder der Agrar schicken voraus, dass die Familie die drei Betriebe in der Schlick – Sennjochhütte, Zirmachalm und eben den Gasthof Schlickeralm – sowie die Almwirtschaft über Jahrzehnte erfolgreich geführt habe und der Abgang „katastrophal für uns alle“ sei. Man wolle nun aber nicht als Sündenbock herhalten.

Die angesetzte Erhöhung habe nichts mit Gier zu tun, wie den Agrarmitgliedern im Stubaital nun vielfach vorgeworfen wird. „Nach 26 Jahren – die letzte Pachterhöhung erfolgte 1995 – war eine Erhöhung einfach betriebswirtschaftlich notwendig. Wir wollten die Familie nie verlieren, deshalb war die Anhebung auch sehr human“, erklärt Obmann Paul Mair. Die Agrargemeinschaft habe sich nie bereichert – im Gegenteil. Seit Jahrzehnten sei keine Gewinnausschüttung erfolgt. Vielmehr wurde das Geld in die Betriebe und die Landwirtschaft investiert. Der Vorwurf der Familie, dass die Verpächtergemeinschaft „gesehen hat, dass der Betrieb zu gut floriert“, und deshalb mit der Pacht nach oben ging, sei „nicht fair“.

Die Pächter haben zudem die Almwirtschaft betrieben und 80 Stück Vieh versorgt – sämtliche Kosten für Alm- und Weidepflege, Futter oder Tierarzt habe die Agrar getragen. Die Agrargemeinschaft hat einstimmig entschieden, die von der Familie geforderte Entschädigung für die Almwirtschaft zu zahlen.

Auch den in der TT geäußerten Vorwurf der Pächterfamilie, dass deren Arbeit nicht gewürdigt werde, sei „unrichtig. Wir waren der Familie immer sehr verbunden und sind zu ihr gestanden – auch in schlechten Zeiten“, betont Mair.

Ab November sind die Betriebe und die Almwirtschaft neu zu verpachten. Sorge um die Nachfolge macht sich der Agrarobmann keine: „Man kann da oben gutes Geld verdienen – und das ist auch gut so“, sagt Mair.


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