Fluglinien Alitalia und Air Berlin in Nöten

Während Alitalia nur mehr bis Anfang April liquide ist, dürfte das Geld bei Air Berlin bis August reichen.

Die Flieger der Alitalia bleiben am Freitag am Boden.
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Rom, Berlin – Das Management der krisengeschüttelten Alitalia hat nur noch wenige Wochen Zeit für die Rettung der italienischen Fluggesellschaft. Diese kann mit ihren liquiden Mitteln nur bis Anfang April auskommen, berichtete die Turiner Tageszeitung La Stampa am Montag.

Die Geldspritze, die die Aktionäre der Airline Ende Dezember gewährt hatten, reiche nicht mehr lange, danach seien weitere Mittel zur Zahlung der Gehälter und des Treibstoffes notwendig. Die Lage sei zwar noch unter Kontrolle, bald werde das Geld aber nicht mehr ausreichen, zitierte das Blatt Quellen rund um das Alitalia-Management.Alitalia-Chef Cramer Ball hofft, bis Mittwoch die Aktionäre der Airline für seinen Rettungsplan zu gewinnen. Dieser sieht erhebliche Einsparungen vor. War bisher noch von Einsparungen in Höhe von 160 Mio. Euro die Rede, so könnten diese sogar auf 400 Mio. Euro steigen, berichtete die römische Tageszeitung La Repubblica.

Fraglich ist, ob die Alitalia-Aktionäre, darunter die Bank-Austria-Mutter UniCredit, weiter tief in die Tasche greifen wollen, um die Fluggesellschaft zu retten. UniCredit hält knapp 13 Prozent an Alitalia CAI, Intesa Sanpaolo besitzt gut 20 Prozent. Bis zu 2.000 Jobs sollen im Rahmen des Rettungsplans wegrationalisiert werden. Dabei handelt es sich um die dritte große Umstrukturierung bei der Airline nach jenen in den Jahren 2008 und 2014.

Einsparungen sollen beim Leasing von Flugzeugen sowie im Bereich Dienstleistungen und im Flughafenbereich erzielt werden. Auch bei den Routen wird rationalisiert. So wird es voraussichtlich keine Alitalia-Verbindungen mehr zwischen dem Mailänder Flughafen Malpensa und dem Airport Rom Fiumicino geben. Alitalia wird von Rom lediglich den kleineren Stadtflughafen Mailand Linate anfliegen.

Air Berlin: Gute Leute springen ab

Der seit Anfang Februar amtierende Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hat gleich zu Beginn mit großen Problemen zu kämpfen: Verramschte Tickets, fehlende Erlöse und ungeplante Kündigungen - offenbar auch von Spitzenkräften. Experten glauben, dass die Liquidität aktuell noch bis August reicht.

Neben allen wirtschaftlichen Sorgen hat die angeschlagene deutsche Fluggesellschaft - noch Konzernmutter der österreichischen Airline Niki - aktuell noch eine weitere: Laut Handelsblatt (Montagsausgabe) leidet Air Berlin unter dem Verlust von Know-how-Trägern.

Winkelmanns Vorgänger Stefan Pichler hatte einen weiteren drastischen Stellenabbau gestartet; 1.200 der 8.600 Mitarbeiter sind jetzt betroffen. Ein Abfindungsprogramm wurde mit einer „doppelten Zustimmung“ abgesichert. Wer mit finanziellem Handshake gehen will, braucht vorher die Zustimmung seines Vorgesetzten. So wollte der Vorstand verhindern, dass wichtige Mitarbeiter ausscheiden.

Allerdings beharrten der Zeitung zufolge viele sogar dann auf ihrer Kündigung, wenn der Vorgesetzte seine Zustimmung verweigert und sie deshalb keine Abfindung bekommen. „Wir erleben hier einen Brain drain in wichtigen Bereichen wie etwa dem Vertrieb“, wird eine Führungskraft der Airline zitiert.

Extrem angespannte Finanzsituation

Air Berlin versuchte Befürchtungen zu zerstreuen, dass mitten im radikalsten Umbruch der Unternehmensgeschichte ein personelles Problem entsteht. „Die Schlüsselpositionen im Unternehmen sind besetzt“, hieß es. Man sei auch personell so aufgestellt, um den beschrittenen Weg der Neuausrichtung weiter fortzuführen, meinte eine Sprecherin.

Die Finanzsituation ist extrem angespannt. Viele Passagiere haben zur Zeit Tickets, die der frühere Airlinechef Pichler zu Ramschpreisen auf den Markt geworfen hat. Die Rabattaktion hat der Airline zwar für die schwierige Wintersaison kurzfristig Geld in die Kassen gespült. Doch die Einnahmen aus den Sonderaktionen seien längst verfrühstückt, heißt es. Jetzt falle der dagegenstehende Aufwand für die Transportleistung an.

Nach Handelsblatt-Infos reicht die Liquidität noch etwa bis August. Von Air Berlin gibt es dazu kein Statement. Verwiesen wird nur darauf, dass 38 Flugzeuge samt Crew an die Lufthansa vermietet seien und das Touristikgeschäft (Niki) in ein Gemeinschaftsunternehmen mit TUIfly gehe. Diese Restrukturierungsschritte würden auch der Finanzlage helfen.

Kapitalmarkt verschlossen

Andere Wege, sich für das Tagesgeschäft die Liquidität zu sichern, sehen Eingeweihte nicht. Großaktionär Etihad, der Air Berlin bisher mit über einer Milliarde Euro gestützt hat, überprüfe angesichts eigener Probleme gerade seine Europa-Strategie. Und der Kapitalmarkt scheint für Air Berlin endgültig verschlossen zu sein. Das habe gerade der nicht besonders erfolgreiche Versuch bewiesen, eine Anleihe zu verlängern. Fast nur Etihad verlängerte mit ihrem Nennbetrag.

Eine neue Langstreckenoffensive von Air Berlin wird ebenfalls mit Spannung verfolgt. Auf dem Winterflugplan stehen 58 wöchentliche Verbindungen im Flugplan, u.a. nach New York, Boston, Chicago, Los Angeles, San Francisco, Miami und Orlando. Gerade aber die Nordamerika-Routen stehen in einem harten Wettbewerb. Nach Angaben des Branchenportals anna.aero werden allein in diesem Sommer 50 neue Verbindungen von Europa in Richtung Nordamerika aufgenommen. Die größte Kapazität baut Air Berlin auf, gefolgt von Norwegian. (TT.com, APA)


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