Ukraine - Separatisten drohen mit Zwangsverwaltung aller Unternehmen

Kiew/Moskau (APA/Reuters) - Der Ukraine-Konflikt spitzt sich weiter zu. Die pro-russischen Separatisten haben am Montag mit der Zwangsverwal...

Kiew/Moskau (APA/Reuters) - Der Ukraine-Konflikt spitzt sich weiter zu. Die pro-russischen Separatisten haben am Montag mit der Zwangsverwaltung aller ukrainischen Unternehmen in den von ihnen kontrollierten Gebieten gedroht, sollte die die Kohle- und Stahlindustrie massiv störende Blockade des Eisenbahnverkehrs nicht bis Mittwoch aufgehoben werden.

Seit einem Monat blockiert eine Gruppe ukrainischer Politiker und Veteranen den Eisenbahnverkehr in der Ostukraine, um Kohletransporte aus den Separatistengebieten zu unterbinden, um die dortige Wirtschaft zu stören. Allerdings hat die Blockade auch negative Auswirkungen auf die Ukraine, weil Kraftwerke und Stahlwerke auf Kohle aus dem Donbass angewiesen sind.

Die Führung der beiden international nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk kritisierten am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Blockade eine Verletzung der Minsker Friedensvereinbarungen sei und viele Unternehmen im Donbass treffe.

„Wir sind gezwungen, bekannt zu geben, dass wir ein System der externen Verwaltung aller ukrainischen Unternehmen, die in den Volksrepubliken operieren einführen werden müssen, wenn die Blockade nicht bis Mittwoch um Mitternacht beendet ist“, hieß es in der Erklärung der Separatistenführer Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki. Man werde dann auch den Verkauf von Kohle an die Ukraine beenden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Der größte ukrainische Stahlkonzern Metinvest hat wegen der Blockade bereits die Arbeit in einem Stahlwerk und mehreren Bergwerken einstellen müssen. Metinvest hat Betriebe auf beiden Seiten der Kontaktlinie und ist einer der größten Arbeitgeber in der Ostukraine. Das Unternehmen wies den Plan einer Zwangsverwaltung als „inakzeptabel“ zurück und drohte mit einer Einstellung seiner Produktion. Das Vorhaben würde direkt 20.000 Arbeitsplätze gefährten und viele weitere bei Zulieferbetrieben.

Der für die Rebellengebiete zuständige ukrainische Vizeminister Georgij (Heorhiy) Tuka wies die Erklärung der Separatistenführer als „Versuch der Angstmache“ zurück. Die Separatisten seien nämlich nicht in der Lage, große Industrieunternehmen in ihre Gewalt zu bringen.

Präsident Petro Poroschenko hat indes davor gewarnt, dass die Blockade das Land bis zu zwei Milliarden US-Dollar (1,89 Mrd. Euro) an Exporterlösen kosten könne. Außerdem werden Stromausfälle befürchtet, wenn den Kraftwerken die Kohle ausgeht.


Kommentieren