Oppositionsführer in Kirgistan für zwei Monate im Gefängnis

Bischkek (APA/AFP) - Ein in Kirgistan festgenommener langjähriger Oppositionsführer bleibt nach Behördenangaben bis zu seinem Prozess wegen ...

Bischkek (APA/AFP) - Ein in Kirgistan festgenommener langjähriger Oppositionsführer bleibt nach Behördenangaben bis zu seinem Prozess wegen Korruption zwei Monate lang im Gefängnis. Wie die kirgisischen Sicherheitsdienste am Montag mitteilten, wird Omurbek Tekebajew bis zum 25. April in einem Gefängnis des Geheimdienstes Staatskomitee für die nationale Sicherheit (GKNB) inhaftiert.

Der 58-Jährige war am Sonntag am Flughafen der Hauptstadt Bischkek in Gewahrsam genommen worden. Noch im Tagesverlauf gab es landesweit Proteste gegen die Festnahme. Etwa tausend Menschen versammelten sich in der Nähe der GKNB-Zentrale in Bischkek. Am Montag gingen in der Hauptstadt erneut rund 500 Menschen auf die Straße.

Tekebajew ist Chef der linksgerichteten Ata-Meken-Partei und erbitterter Gegner von Präsident Almasbek Atambajew. Er kämpft gegen eine Verfassungsänderung, mit der im vergangenen Dezember die Macht des Regierungschefs gestärkt wurde. Kritiker vermuten, dass Atambajew nach Ablauf seiner sechsjährigen Amtszeit auf den Posten des Ministerpräsidenten wechseln will. Atambajew selbst hat das wiederholt zurückgewiesen.

Anhänger Tekebajews bezeichnen die von der Justiz gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre bei einem großen Telekommunikationsunternehmen als „vollkommen konstruiert“.

Im November steht in Kirgistan die Präsidentschaftswahl an. Tekebajew hat noch nicht verkündet, ob er antreten wird. Die Spannungen zwischen Regierung und Opposition haben neun Monate vor dem Wahltermin aber bereits stark zugenommen. Anfang Februar wurden zwei Parteifreunde Tekebajews festgenommen und stundenlang zu Korruptionsvorwürfen befragt. Tekebajew forderte seinerseits Korruptionsermittlungen gegen den Präsidenten und Mitglieder seiner Familie.

Das überwiegend muslimische Kirgistan mit seinen sechs Millionen Einwohnern galt bisher als das demokratischste Land in Zentralasien - gleichzeitig aber auch als das politisch instabilste: In seiner 25-jährigen Unabhängigkeit wurden die Präsidenten der ehemaligen Sowjetrepublik zweimal durch Volksaufstände gestürzt, 2010 wurde das Land von blutiger ethnischer Gewalt erschüttert.


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