330 Verdächtige wegen Putschversuchs in der Türkei vor Gericht

Ankara (APA/AFP) - In einem Gefängnis bei Ankara hat am Dienstag der bisher größte Prozess gegen mutmaßliche Beteiligte des gescheiterten Mi...

Ankara (APA/AFP) - In einem Gefängnis bei Ankara hat am Dienstag der bisher größte Prozess gegen mutmaßliche Beteiligte des gescheiterten Militärputsches vom 15. Juli begonnen. Rund 330 Verdächtige müssen sich in einem extra gebauten Gerichtssaal der Haftanstalt von Sincan wegen des Versuchs zum Sturz des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verantworten.

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, sind mehr als 240 der Angeklagten in Haft. Die Beschuldigten gehören zumeist der Artillerie- und Raketenschule Polatli in Ankara an. Ihnen wird vorgeworfen, in der dramatischen Putschnacht Menschen getötet zu haben oder versucht zu haben, sie zu töten. Auch sind sie beschuldigt, als Teil einer bewaffneten Terrororganisation versucht zu haben, die gewählte Regierung und das Parlament zu beseitigen. Ihnen drohen lebenslange Haftstrafen.

Im Gerichtssaal, der mehr als 1550 Menschen Platz bietet, drängten sich Angeklagte und Sicherheitskräfte. Der erste Verdächtige Abdulkadir Kahraman sagte aus, sein Kommandeur habe an ihn und seine Kameraden Munition ausgeteilt und gesagt, dass es einen Terroranschlag gegeben habe. Andere Angeklagte sagten, ihnen sei gesagt worden, sie sollten nach dem Angriff „vorbereitet“ sein.

Für den Umsturzversuch macht die Regierung die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen verantwortlich. Demnach hatte die Bewegung, die lange ein enger Verbündeter der regierenden AK-Partei war, heute aber als Terrororganisation verboten ist, systematisch das Militär, die Justiz und andere Institutionen infiltriert. Gülen, der seit Jahren im Exil in den USA lebt, bestreitet jede Verwicklung.

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Seit dem versuchten Staatsstreich wurden in der Türkei 43.000 mutmaßliche Gülen-Anhänger und andere Regierungsgegner inhaftiert, zehntausende weitere Menschen wurden aus dem Staatsdienst entlassen. Die meisten Verdächtigen warten auch mehr als sieben Monate nach dem Putschversuch noch immer auf den Beginn ihres Verfahrens, doch begannen in den vergangenen Wochen mehrere Prozesse.


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